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John Langley erklärt, Melanie Senneke hört zu. Foto. t&w

Warum Schneeglöckchen auch Ameisen lieben

Bleckede. „Das spricht man Bleeeckeeedeee und nicht Bläckädä“, schallt es aus dem Publikum. Da weiß John Langley gleich mal Bescheid – seine Zuschauer lassen ihm so schnell nichts durchgehen. Der Gartenprofi war am Sonnabend im nagelneuen, 700 Quadratmeter großen Gewächshaus von „Blumen Seil“ in Bleckede zu Gast. Der Familienbetrieb hatte den Autor und Gartenbotschafter zur Eröffnungsfeier des Cabrio-Gewächshauses eingeladen.

Und der Andrang war groß. Kein Wunder, schließlich liegt Frühling in der Luft, ohne dass es einen Winter gab. Und für Gartenfreunde wirft das viele Fragen auf. „Dadurch verschieben sich natürlich die Vorblühstadien der Pflanzen“, informierte John Langley. „Wir brauchen eigentlich den Winter, damit die Pflanzen anschließend das Signal bekommen, jetzt wird es warm und du kannst wachsen.“

Ein Korb gefüllt mit Primeln, Schneeglöckchen und Moos

Letztlich aber, so der Gartenbotschafter, werde die Natur das schon regeln. Und dann zeigte er ebenso fachkundig wie geschickt, wie sich Schalen etwa mit Zwiebelblühern, Stiefmütterchen, Kresse und braunem Laub zu farbenfrohen Frühlingsboten arrangieren lassen. Dabei durften die Gäste dem Fachmann auch über die Schulter schauen. So wie Melanie Senneke und Tim Aude aus Adendorf. In ihrem Korb fanden sich schließlich unter anderem Primeln, Schneeglöckchen und Moos wieder, garniert mit vielen praktischen Tipps von John Langley.

„Der weiß wirklich, wovon er spricht“, attestierte ihm auch der Geschäftsinhaber Matthias Seil. Er führt gemeinsam mit Ehefrau Claudia den Gartenfachbetrieb bereits in dritter Generation, sein Großvater hatte „Blumen Seil“ im Jahr 1926 gegründet. Nun ist Bleckede nicht gerade ein Standortvorteil, um die Stammkundschaft aus einem großen Radius zu behalten, muss man halt immer mit der Zeit gehen.

Ein Beispiel ist das neue Gewächshaus, das nach neunmonatiger Bauzeit jetzt fertiggestellt wurde und das über ein Dach verfügt, das sich komplett öffnen lässt, sodass die Kulturen der Außenluft kontrolliert ausgesetzt werden können. „Früher hatten wir nur kleine Gewächshäuser, in denen es im Sommer unerträglich heiß war“, schildert Seil. 16 Mitarbeiter hat der Familienbetrieb heute. Diese hatten zum Eröffnungstag zahlreiche Kuchen gebacken, deren Verkaufserlös dem Verein „Knack den Krebs“, einer Fördergemeinschaft des Kinderkrebs-Zentrums Hamburg, zu Gute kommt.

„Ohne Moos nichts los in der Blumenschale“

Zu Kaffee und Kuchen unterhält John Langley sein Publikum weiter bestens. Neben Standard-Weisheiten wie „Ohne Moos nichts los in der Blumenschale“ liefert er launig philosophische Ansätze („Wer seinen Garten für andere öffnet, öffnet sein Herz“) und erläutert den staunenden Zuschauern, dass Schneeglöckchen sich über Ameisen vermehren, die die Samen der Blumen verbreiten. „Und wo diese Pflanzen einmal einen Platz gefunden haben, da kommen sie dann immer wieder zum Vorschein“, sagte der Experte.

Und „Bleeeckeeedee“ kann der Gartenprofi aus Husum seit diesem Wochenende nicht nur richtig aussprechen, er weiß auch wo das liegt – nämlich nicht mehr, wie es in seiner Einladung humorvoll hieß, im Zonenrandgebiet, sondern mitten in Deutschland.

Von Thomas Mitzlaff