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Alle Schüler und alle Mitarbeiter des Lüneburger Gymnasiums wurden häuslich isoliert. Foto: Adobe Stock

Ob die Vorräte wohl reichen?

Lüneburg. Es ist nur die Winzigkeit von 160 Nanometer groß – also 0,00016 Millimeter – und doch schränkt es mal eben im Vorübergehen die Grundrechte von 1000 Schülern und 100 Lehrern ein. Das Coronavirus sorgte dafür, dass sie alle in häuslicher Quarantäne abgesondert werden.

Bei einem Lehrer des Gymnasiums Johanneum ist die Krankheit Covid-19 ausgebrochen. Der Pädagoge hatte zusammen mit weiteren Kollegen die Skifahrt einer Schulklasse nach Tirol betreut. Infektiös war der Lehrer aber nicht nur in den drei Tagen, die er mit vermeintlichen Erkältungssymptomen zur Schule gegangen ist, sondern auch vorher. In der sogenannten Inkubationszeit ist man Träger und Überträger des Virus, ohne sich krank zu fühlen. Wegen dieses großen Kreises möglicher Angesteckter griff das Gesundheitsamt durch: Die gesamte Belegschaft und die Schüler werden häuslich isoliert.

Zwangspause, weil ein Kollege erkrankt ist

Wie fühlt man sich als „Kontaktperson der Kategorie I („höheres Infektionsrisiko“)? Dr. Ingmar Probst ist Fachobmann für den bilingualen Unterricht (Geschichte/Englisch) am Johanneum. Auch er muss zunächst mal bis zum 25. März zu Hause bleiben, weil einer seiner Kollegen erkrankt ist. „Das sehe ich fatalistisch. Wir können nichts tun, um uns vollständig vor dem Virus zu schützen. Aber wir müssen alles tun, um seine Ausbreitung zu verhindern.“

Hegt er Groll, weil ihn das Infektionsschutzgesetz daran hindert, seine Wohnung zu verlassen, wenn er das will? „Nein, die Maßnahme ist sinnvoll. Aber ich bin davon überzeugt, dass die Quarantäne für das Johanneum erst der Anfang ist.“

Ein Anfang mit bedrohlicher Intensität. Die Anordnung des Landkreises für die Lehrer und Schüler liest sich wie ein Zwangskatalog: Hausarrest, möglichst getrennt von den Familienmitgliedern. Besuche sind tabu. Dafür besteht die Pflicht, Fieber zu messen, ein Gesundheits- und Kontakttagebuch zu führen sowie gegebenenfalls Untersuchungen an sich vornehmen zu lassen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Quarantäne für das Johanneum erst der Anfang ist.“ – Ingmar Probst, Lehrer

Der Geschichts- und Englischlehrer ist etwas skeptisch, ob seine Essensvorräte für zwei Wochen reichen. „Aber ich hoffe, dass mir meine Freunde dann etwas vor die Tür stellen.“

Wie will er die überraschende Zwangspause nutzen?„Ich kann machen, wozu sonst die Zeit fehlt: Lesen und Filme gucken. Aber es ist auch noch einiges für die Schule zu tun. So werde ich meinen Schülern bis zu den Osterferien noch einige Aufgaben stellen.“ Eine Klassenfahrt nach Stralsund muss abgesagt werden. Und es gilt, die Anfrage der russischen Kollegen zu beantworten, mit denen er das Russland-Austauschprogramm des Johanneums betreut: Können die russischen Schüler im September nach Lüneburg kommen? Ingmar Probst weiß es auch noch nicht.

Klar ist aber, dass die Quarantäne noch Nachwirkungen bis ins nächste Schuljahr haben wird. „Einige meiner Schüler wollten ab August in Kanada oder Irland zur Schule gehen. Es ist nicht auszuschließen, dass das Virus dies unmöglich macht.“

 

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Von Joachim Zießler