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Petra Pauli aus Breetze fühlt sich von der Außenwelt abgeschnitten. Foto: t&w

„Es ist eine Zumutung“

Bleckede/Breetze. Die Telefonverbindung zu Petra Pauli bricht immer wieder ab. „Warten Sie mal, wenn ich auf der Bank vorm Haus sitze, geht es eigentlich immer ganz gut.“ Fast immer offensichtlich. Außerdem ist der Akku schwach. „Wenn ich hier draußen stehe, komme ich nicht an Strom.“

Ansonsten sei der Empfang auch im Badezimmer manchmal in Ordnung. Mit dem Festnetz kann sie nur telefonieren, wenn sie ihren 14-jährigen Sohn aus dem W-Lan schmeißt, sonst sind die Zwischengeräusche so laut, dass man nichts versteht. Ihren Nachbarn gehe es nicht anders, erzählt Pauli.

Im Herbst wurde ihr Anschluss auf IP umgestellt, seitdem hat sich die Situation noch verschlechtert: 90 Kilobyte Datenvolumen, damit lässt sich nicht viel anfangen, an Streamen ist gar nicht zu denken. Dafür zahlt Petra Pauli monatlich 35 Euro bei der Telekom. Pauli: „Mein Partner lebt in Schleswig-Holstein, Telefonate über Whatsapp sind eine große Herausforderung. Und auch den Vater meines Sohnes können wir nur schwer erreichen.“

„Mein Sohn hat von der Schule keinerlei Aufgaben bekommen.“ – Petra Pauli

Eine unbefriedigende Situation, doch Petra Pauli hat ein Stück weit aufgegeben. Seit 2006 lebt sie in Breetze, liebt das beschauliche Landleben hier, „aber das ist wirklich eine Zumutung“. Gerade in Zeiten der Coronakrise hat sie Sorge, wichtige Informationen zu verpassen. „Bislang bin ich immer mal zu Freunden nach Bleckede gefahren, um dort das Internet zu nutzen, Onlinebanking zu machen und ähnliches. Aber das kann ich in der aktuellen Situation doch niemandem zumuten.“ Morgens zwischen 5 und 6 Uhr sei die Internetverbindung oft ganz gut, dann wieder ab 22 Uhr. Was Pauli momentan besonders ärgert: „Mein Sohn hat von der Schule keinerlei Aufgaben bekommen. Ich dachte erst, er würde mich anflunkern, aber er sitzt wirklich komplett auf dem Trockenen.“ Sie fühlt sich von der Landesschulbehörde in dieser schwierigen Situation allein gelassen.

Wieder bricht die Verbindung ab, Petra Pauli versucht noch einmal vom Festnetz aus, die LZ zu erreichen.

Von Bekannten weiß sie, dass viele Schulen es anders handhaben, es außerdem viele digitale Lernangebote gibt, beispielsweise das Schulfernsehen von ARD-Alpha, Youtube-Videos. Zu Weihnachten hat Pauli ihrem Sohn ein Tablet geschenkt, weit kommt er damit bislang nicht. „Ich möchte meinem Sohn doch nur das ermöglichen, was andere jetzt machen können, zumal er sich ohnehin schwer tut mit dem Lernen. Er fängt doch sonst wieder bei Null an, wer weiß, wie lange die Kinder noch zuhause bleiben müssen.“ Wegen des schlechten Internets kann Petra Pauli dieser Tage auch nicht ins Homeoffice wechseln. Pauli: „Ich arbeite in einem Handwerksbetrieb. Meinen Chef würde es sehr entlasten, wenn ich von zuhause arbeiten würde, er würde mir auch alles einrichten. Aber so, keine Chance.“

Zwei bis vier weitere Wochen

Ursprünglich hatte die Telekom ihr versichert, dass das Netz bei ihr ab 31. März besser ausgebaut sei, die Aussage aber schon wieder revidiert.
Auf Nachfrage der Landeszeitung hieß es seitens der Pressestelle der Telekom: „Die Adresse von Frau Pauli ist tiefbau- und montagetechnisch komplett fertig. Jetzt finden wichtige Arbeiten in der Dokumentation und in unseren Kundensystemen statt, damit die Kundin das Produkt auch beauftragen kann. Wir gehen davon aus, dass in zwei spätestens in vier Wochen soweit ist.“

Bis dahin heißt es für Petra Pauli weiterhin abwarten.

 

Von Lea Schulze