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Das „Elterntaxi“ ist bequem, birgt aber Gefahren wegen des zusätzlichen Verkehrs rund um die Schulen wie hier im Roten Feld. Foto: t&w

Gefährlicher Schulweg

Lüneburg. Die Zahl der Verkehrsunfälle hat im vergangenen Jahr in Stadt und Kreis im Vergleich zu 2018 um mehr als sieben Prozent zugenommen – mit schwerwiegenden Folgen: 116 Menschen erlitten schwere Verletzungen, 2018 waren es 82, als leicht verletzt galten 709 Personen (633). Sieben Menschen starben an den Folgen eines Unfalls, einer mehr als im Jahr zuvor. Hauptunfallursachen waren zu geringer Abstand und falsches Einschätzen beim Abbiegen. Die Polizei veröffentlichte gestern die aktuelle Verkehrsunfallstatistik.

Der zuständige Sachbearbeiter, Andreas Dobslaw, hat keine eindeutigen Erklärungen für die Zunahme. So gebe es – bis auf Ausnahmen – keine eindeutigen Unfallschwerpunkte samt naheliegender Ursachen. Generell habe die Polizei den Eindruck, dass immer mehr Lastwagen und Autos über die Straßen rollen. Das gelte beispielsweise für die B 4 in Richtung Uelzen. Bekanntlich kam es dort im vergangenen Jahr zu mehreren tödlichen Unfällen, unter anderem bei Grünhagen. Eine psychologische Vermutung: „Der Druck steigt, man überholt riskanter, will schneller nach Hause fahren oder zur Arbeit.“

Eine andere Erklärung: Fahr- assistenzsysteme machen Autos zwar erst einmal sicherer, doch es gebe auch die Versuchung, zu schauen, ob beispielsweise eine Stabilisierung, die bei 120 km/h funktioniere, auch bei Tempo 140 oder 160 noch greife – im Zweifel ließen sich allerdings die Gesetze der Physik nicht aushebeln.

Ein Mensch kam ums Leben

Eine Zunahme gebe es bei Unfällen in der Altersgruppe ab 65 Jahre. Die Zahl stieg von 703 auf 777. Das erklärt Dobslaw mit einer älter werdenden Gesellschaft und mit Menschen, die sich auch noch hochbetagt hinters Steuer setzen, deren Reaktionsfähigkeit aber nachlasse.

Zudem setze sich mancher Rentner auf ein bis zu 25 km/h schnelles Pedelec. Auch hier der Eindruck: Nicht jeder von ihnen beherrsche das Gefährt, auch sei es ein Unterschied, ob man mit vielleicht zehn oder eben 25 km/h fahre – und das oftmals ohne Helm. Bei den Pedelec-Unfällen stieg die Zahl bei den Schwerverletzten von 29 auf 51, bei den Leichtverletzten von 28 auf 41. Ein Mensch kam ums Leben.

Dobslaw formuliert einen Wunsch in Richtung Politik: Die möge sich überlegen, abgestufte Lösungen zu finden. Das könnte so aussehen, dass Ältere die nicht mehr so gut im Dunkeln sehen, nur tagsüber mit dem Auto zum Einkauf oder Arzt fahren dürften. Sinnvoll seien auch Geschwindgkeitsvorgaben.

Unfallfluchten können seltener geklärt werden

Zugenommen haben überdies die sogenannten Schulwegunfälle, hier verdoppelte sich der Wert auf 31, drei Kinder und Jugendliche wurden schwer verletzt. Dobslaw appelliert an Mütter und Väter: „Die Sicherheit des Schulwegs ist nicht nur eine staatliche Aufgabe. Auch Eltern sind gefordert, ihr Kind mal zu begleiten oder eine Begleitung zu organisieren.“ Und er macht darauf aufmerksam, dass Mädchen und Jungen erst „im Alter von zehn Jahren motorisch in der Lage sind, auf eine Gefahr zu reagieren, also etwa an einem Überweg zurückzutreten, wenn ein Auto kommt“. Gleichwohl setzten seine Kollegen einen Schwerpunkt darauf, an Schulen zu kontrollieren oder Zebrastreifen zu sichern.

Die Zahl der Fluchten nach einem Unfall blieb mit 1131 relativ konstant, ein Plus von eineinhalb Prozent. Die Aufklärungsquote sank hingegen deutlich von 64 auf 51 Prozent.

Von Carlo Eggeling