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16 Mieter der Wohnanlage Am Weißen Turm wurde vor Kurzem der Mietvertrag gekündigt. Zusammen mit dem Mieterbund und einem Anwalt gehen sie nun gegen die Kündigung vor. Eine betroffene Mieterin ist Nicola Mahnke, sie wohnt in dem Haus Am Weißen Turm . Foto: t&w

Bangen um das eigene Zuhause

Lüneburg. Wie viele Tage sie wohl noch in ihrer Wohnung bleiben darf? Nicola Mahnke weiß es nicht. Seit 13 Jahren lebt die Lüneburgerin in der Wohnanlage Am Wei ßen Turm. Nun erhielt sie von der Verwaltung eine fristlose Kündigung – wie auch 15 weitere Mieter. Zusammen mit dem Lüneburger Mieterbund geht sie dagegen vor.

Mehr als eine Monatsmiete auf zwei aufeinanderfolgenden Terminen sei Nicola Mahnke laut Kündigungsschreiben im Rückstand. Weniger als zwei Wochen habe sie Zeit auszuziehen, hilfsweise auch fristgemäß bis Ende Mai. „Das war ein Schock!“, erzählt sie. Schließlich sei sie sich keiner Mietschulden bewusst. Die Minussalden auf ihrem Mietkonto erklärt sie mit einem anderen Grund: Seit Jahren wehrt sie sich gegen fehlerhafte Nebenkostenabrechnungen.

Unterstützung erhält Nicola Mahnke vom Mieterbund. Dieser überprüft jedes Jahr die Betriebskostenabrechnungen. Wenn dabei herauskommt, dass etwas nicht stimmt, geht Mahnke wie folgt vor: Sobald die Frist für eine Korrektur vonseiten der Verwaltung verstrichen ist, zahlt sie entweder entsprechende Beträge nach – oder zieht sie von der Miete ab. Darauf folgende Mahnungen von den Verwaltungen schmettert der Mieterbund ab.

„Ich halte die Kündigungen für eine weitere Provokation“

Seit 2018 verwaltet die Hamburger Grundstücksverwaltung KBB die Wohnanlage Am Weißen Turm – es ist die vierte Verwaltung seit Mahnke dort wohnt. Die KBB errechnete nun einen Betrag von mehr als 3000 Euro, den Mahnke nicht gezahlt habe. Dabei beruft sie sich unter anderem auf Sollsalden, die sie noch von der vorherigen Immobilienverwaltung übernommen hat. Davon betroffen ist nicht nur Nicola Mahnke: Insgesamt kündigte die KBB 16 Bewohnern aufgrund von Zahlungsrückständen das Mietverhältnis.

Für die Mieter stellt sich die Frage, ob die Maßnahme der Verwaltung rechtens ist. Philipp Aderhold, Rechtsanwalt des Lüneburger Mieterbundes, wies die Kündigungen zurück. Er sagt: „Ich halte die Kündigungen für eine weitere Provokation, um den Mietern Druck zu machen, dass sie zahlen.“ Ein Argument sei, dass der Minusbetrag in den Kündigungen nicht erklärt wird. Dort steht zwar das Sollsaldo von der vorherigen Verwaltung – wie es zustande kam, wird allerdings nicht belegt. Laut Aderhold müsse die Verwaltung nun nachweisen, dass es sich bei dem geforderten Betrag tatsächlich um Mietschulden handelt. Auch gelte es zu beachten, ob die Ansprüche nicht schon verjährt sind.

Keine überzeugenden Gründe für eine Mietminderung?

Rechtsanwalt Arne Carstens spricht für die Grundstücksverwaltung KBB. Er verweist auf die Pflicht der Mieter. Die seien bereits vor Ausspruch der Kündigungen angeschrieben und um eine Erläuterung der Rückstände gebeten worden. Laut Carstens war die Resonanz darauf eher zurückhaltend: „So wurden keine Überweisungsträger übersandt, mit welchen die Mietzahlungen hätten bewiesen werden können. Auch zu etwaigen Mietminderungen wurden keine überzeugenden Gründe vorgetragen“, erklärt der Rechtsanwalt. Grundsätzlich sei die Verwaltung aber am Fortbestand der Mietverträge interessiert.

Wie die Entscheidung ausgehen wird, ist derzeit ungewiss. Noch gibt es keine Räumungsklage – und es besteht die Möglichkeit eines außergerichtlichen Kompromisses. Nicola Mahnke hat ihre Koffer deshalb noch nicht gepackt. Sie sagt: „Wir müssen nun erst einmal abwarten, was passiert.“

Von Franziska Ruf