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Sigrid Caro-Gan (vorne) und Kerstin Gersmeier gehören zum Team des Seniorentelefons. Foto: t&w

Ein offenes Ohr für Ängste

Lüneburg. Nur noch für knapp eine Woche habe sie ein wichtiges Medikament, das sie täglich einnehme. Bei ihrem Arzt habe sie telefonisch um ein Rezept gebeten, die Praxis habe ihr erklärt, dass es mit der Post rausgegangen sei, erzählt die ältere Dame am Seniorentelefon Sigrid Caro-Gan. Doch bis dato sei nichts angekommen, sie sei deshalb in Sorge – auch weil in Zeiten von Corona vieles beizeiten geregelt und bedacht werden müsse. Da die Apotheken zurzeit bei einigen Medikamenten Lieferschwierigkeiten haben, rät Sigrid Caro-Gan ihr, sich in der Apotheke rückzuversichern, dass das Medikament auch vorrätig ist. Sollte das Rezept in drei Tagen immer noch nicht mit der Post gekommen sein, möge die Frau entweder selbst oder durch jemand anderen das Rezept noch einmal direkt in der Praxis bestellen und abholen.

Viele Senioren nutzen das neue Angebot

Es ist ein kleiner Tipp, der aber bei der Anruferin für große Erleichterung gesorgt haben mag. Denn die Corona-Krise führt bei vielen Menschen zu Verunsicherungen, Fragen und Sorgen. Seit Dienstag, 17. März, ist das Seniorentelefon geschaltet. Es ist ein Angebot, das die Stadt mit dem Senioren- und Pflegestützpunkt zusammen eingerichtet hat. Ansprechpartner sind dort die Mitarbeiterinnen des Beraterteams, die sich am Seniorentelefon abwechseln. Nachdem das Angebot seit einer Woche läuft, schaute die LZ am Mittwoch dort vorbei.

In den ersten zwei Tagen, nachdem das Telefon freigeschaltet worden sei, habe es sehr viele Anrufe gegeben. Viele Senioren und Seniorinnen sind verunsichert, wie man sich in verschiedenen Situationen richtig verhalten soll. „Da gab es Fragen wie: Soll ich zum Hausarzt gehen, weil ich Schnupfen und Halsschmerzen habe? Oder: Wann darf ich mich testen lassen?“ , berichtet Caro-Gan. Aber mancher wollte auch wissen, ob er einen Kontrollbesuch beim Arzt, einen Physiotherapietermin oder Fußpflegetermin noch wahrnehmen soll und kann.

Interesse auch in der Region

„Wir haben dann erklärt, dass alles, was ohne großen gesundheitlichen Schaden abgesagt werden kann, abgesagt werden sollte. „Ob die Notwendigkeit eines Arztbesuchs erforderlich ist, sollte im Vorfeld telefonisch mit der Arztpraxis abgestimmt werden“, sagt Kerstin Gersmeier. Das gelte besonders für Risiko-Patienten mit Herz- oder Atemwegserkrankungen oder immungeschwächte Patienten.
Inzwischen seien jedoch viele Bürger durch die Aufklärungskampagnen der Medien, von Bund, Land und Kommunen gut informiert – zumindest, was Verhaltensregeln angeht. Das Seniorentelefon bleibt aber für ältere Bürger weiter eine wichtige Adresse – sogar über den Landkreis hinaus. Die Beraterinnen berichten: Ein Mann aus Zeven wollte zum Beispiel wissen, ob er einen Facharzttermin in Lüneburg wahrnehmen soll. Übers Internet ist er aufs Seniorentelefon aufmerksam geworden. Gersmeier rät, mit der Praxis abzuklären, ob der Termin stattfinden muss oder nicht verschoben werden könnte. Eine Anruferin aus dem Landkreis Harburg wollte wissen, ob sie ihren Eltern in Lüneburg – beide über 70 – Lebensmittel bringen dürfe. Bitte nur vor die Haustür stellen, ist die Antwort am Telefon.

Sorgen nehmen und Kontakte vermitteln

Darüber hinaus wenden sich an die Beraterinnen aber inzwischen auch tief verzweifelte Menschen. Sigrid Caro-Gan erzählt vom Anruf einer Frau, Mitte 50, chronisch erkrankt und stark eingeschränkt. „Wer kümmert sich um mich, wenn ich erkranke? Ich bin alleinstehend.“ Oft entlaste den Anrufer schon, wenn er im Gespräch seine Ängste mitteilen könne, ist die Erfahrung der beiden Beraterinnen. Da sie und ihre Kolleginnen in ihrer täglichen Arbeit Experten rund um das Thema Pflege und bei der Unterstützung von älteren Menschen sind, können sie Tipps und Hilfe zu weiteren Unterstützungsangeboten in akuten Situationen bieten. „Wir verweisen darauf, dass man uns dann anrufen kann. Wenn jemand alleine lebt, schauen wir auch, welcher Ansprechpartner aus dem bestehenden Netzwerk unterstützen kann.“

Umgehend einen Platz in einem Seniorenheim oder in der Kurzzeitpflege finden, sei allerdings schwierig. „Wir haben Listen von Einrichtungen und geben deren Telefonnummern weiter. Vorhin rief ein Mann an, dass er dadurch kurzfristig einen Platz gefunden habe“, sagt Kerstin Gersmeier. Eine solche Resonanz freut sie. Oder wenn es heißt: Gut, dass ich mit Ihnen reden konnte.

Von Antje Schäfer

Zur Sache

Beratung und Beistand

Die Mitarbeiterinnen des Seniorentelefons sind unter (04131) 3093370 und 3093717 zu erreichen. Ältere Menschen erhalten dort montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr sowie freitags von 8 bis 12 Uhr Informationen zum Umgang mit dem Coronavirus, Beratung und Beistand.