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Sabine Block (l.) und Karin Greve-Krause freuen sich, dass soviele Landfrauen beim Mundschutz-Nähen dabei sind. Foto: t&w

Sie sorgen einfach selbst für Nachschub

Lüneburg. Ein Mundschutz kann dafür sorgen, dass sich die Verteilung von Coronaviren durch Tröpfchen in die Umgebung und auf Kontaktpersonen verringert. Doch in zwischen sind diese Mangelware. Dabei sei der Bedarf in Arztpraxen, Pflegediensten oder für Risikopersonen groß, hat vergangene Woche auch der niedersächsische Hausärzteverband mitgeteilt und eine Nähanleitung für „Behelf-Mund-Nasen-Schutz“ veröffentlicht. Inzwischen gibt es in Lüneburg wie bundesweit viele Initiativen, die nähen und dadurch etwas für den Schutz des Gegenübers tun.

Rund 70.000 Mitglieder zählt der Niedersächsische Landfrauenverband (NLV), in 269 Ortsvereinen und 38 Kreisverbänden sind sie organisiert. Zum Kreisverband Lüneburg gehören 2200 Mitglieder, die ersten haben sich an die Nähmaschine gesetzt. Aus Hannover kam ein Aufruf zur „Aktion Mundschutz – Landfrauen helfen.“ Dazu gab es eine Nähanleitung, die Vorstandsmitglieder des NLV auch auf Basis der Vorlage des Hausärzteverbandes Niedersachsen erstellt haben. Sabine Block, Vorsitzende des Kreisverbandes der Landfrauen, war sofort von der Idee begeistert: „Mit so einem Mundschutz schützt man beim Niesen sein Umfeld.“ Da zurzeit alle gehalten seien, zu Hause zu bleiben, um so die Kontakte zu minimieren, „kann man sich doch an die Nähmaschine setzen.“

„Es hat auch Skeptiker gegeben“

Gesagt, getan – Karen Greve-Krause und ihre Schwägerin Karin Krause vom Landfrauenverein Echem produzierten schon mal flugs Prototypen. „Aus Amelinghausen hat mir eine Landfrau mitgeteilt, dass sie Stoff zur Verfügung stellen könne“, berichtet Sabine Block. Der Landesverband stellt sogar 10.000 Euro für die Aktion zur Verfügung, um Landfrauen entstehende Auslagen zu erstatten. Eine Frage für Sabine Block war jedoch, wie ließen sich die Behelfs-Mundschutze verteilen. Eine zündende Idee dazu kam von Kerstin Uffmann, Inhaberin der Grapengießer Apotheke.

Durch den Kontakt zu verschiedenen Arztpraxen erfuhr sie, „dass deren Mitarbeiter und Patienten hohen Bedarf an Mundschutz haben“. Übers Internet war die Apothekerin auf die Aktion der Landfrauen aufmerksam geworden und rief Sabine Block an. Die beiden Frauen überlegten, dass genähte Masken an Block oder die Vorsitzende des jeweiligen Landfrauenvereines abgegeben werden könnten und diese dann zu einer Apotheke vor Ort als Verteilerstelle gehen könnten.

Neetzerin Helga Kiehn hilft ihrer Enkelin Mascha Tetau beim Nähen. Foto: t&w

Mundschutze genäht und im Bekanntenkreis verteilt hat auch Inke Michaelis aus Brietlingen. Die meisten fanden das gut, „aber es hat auch Skeptiker gegeben, die meinten: das bringt doch nichts“. Doch wer einen Mundschutz trage, schütze sein Gegenüber und werde selber geschützt, wenn das Gegenüber einen Mundschutz trägt, macht die Brietlingerin deutlich. Inzwischen werde dieser Gedanke von vielen geteilt. „Wenn jeder einen Mundschutz trägt, tut er in diesen Zeiten für die Gesundheit der Gesellschaft etwas. Und für Mitarbeiter in Geschäften oder Praxen sowie Risiko-Patienten bedeutet das ein sicheres Gefühl.“ Um das Ganze noch voranzutreiben könnte sie sich eine Solidaritäts-Aktion in der Art „Lüneburg zeigt Respekt“ vorstellen.

Die Nachfrage ist groß

Auch Rentnerin Helga Kiehn ist im Mundschutz-Fieber. Bislang hat sie viele Körnerkissen genäht, ein solches wollte sich ihre Nichte, Ärztin in Scharnebeck, neulich abholen. „Eigentlich bräuchten wir andere Dinge gerade viel mehr“, erzählte sie ihrer Tante, die aus allen Wolken fiel, als sie von den Mundschutz-Engpässen in den Arztpraxen im Landkreis hörte. Seitdem ist sie dabei.

Hilfe bekommt Helga Kiehn von ihrer Tochter und ihrer Enkelin. „Anfangs wollte ich nur Masken für die Gemeinschafts­praxis meiner Nichte in Scharnebeck nähen, aber dann kam eins zum anderen“, berichtet Helga Kiehn. “Freundinnen, deren Männer zur Risikogruppe gehören, kamen auf mich zu, die Alternative Pflege in Bleckede fragte an. Und jetzt nähen wir weiter, solange wir Stoff haben.“ Seit sie bei Facebook Bilder postete, wird Kiehn überrannt von Praxen und Pflegediensten. Zuviel wird das der 68-Jährigen nicht, sie freut sich, ihren Beitrag leisten zu können in dieser schweren Zeit. 55 Masken sind schon fertig, sogar kochen kann man den Baumwollstoff. „Die meiste Arbeit macht das Schrägband“, erklärt Kiehn. „Dafür schneiden wir mit einem Rollschneider vier Zentimeter breite und 90 Zentimeter lange Streifen zu, die Kanten müssen dann jeweils festgebügelt werden.“ Helga Kiehn verspürt gerade Zuversicht und Sorge gleichermaßen. „Das ist eine ganz neue Situation, niemand weiß, was kommt. Aber wenn wir jetzt alle gut mitarbeiten, dann schaffen wir es, Corona zu besiegen.“ Das Engagement von Helga Kiehn und vielen anderen Menschen im Landkreis unterstützt auch Oliver Christoffers, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Lüneburg: „Von vielen werden die Schutzmasken belächelt, aber das ist keine vegebene Liebesmüh.“

Von Antje Schäfer und Lea Schulze

  • Das Bürgertelefon zum Corona-Virus ist unter der (04131) 26-1000 zu erreichen.
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Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet