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Die Verpackungen von Matthias Hebrok sind gefragt – unter anderem die renommierte Firma Dräger Medizintechnik zählt zu seinen Kunden. Foto: t&w

Solidarität in schwerer Zeit

Lüneburg. „In der Krise zeigt sich der wahre Charakter“, sagte einst Altkanzler Helmut Schmidt. Ein Satz, der in Corona-Zeiten keineswegs nur auf die Politik zu trifft, sondern auf alle Lebensbereiche. Es ist die Zeit, Klartext zu reden. Und so hört man in diesen Tagen auch vom Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes (AV) Lüneburg-Nordostniedersachsen ungewöhnlich deutliche Töne. „Dass einige diese Situation eiskalt ausnutzen und zum Beispiel Atemschutzmasken überteuert verkaufen, empört mich zutiefst“, sagt Bernd Wiechel. In einer solchen Krisensituation sei die Erwartung, dass man fair miteinander umgeht. Manche Vorgänge, wie etwa die Ankündigung von Adidas und Deichmann, vorerst keine Mieten zu zahlen, „haben uns sehr aufgestoßen“. Auch wenn die Politik dieses Schlupfloch ermöglicht habe, „so etwas macht man einfach nicht“.

Dass man auch Solidarität beweisen kann statt Konkurrenzdenken, zeigt sich in einer Branche, ohne die kein Beatmungsgerät ausgeliefert, kein Atemschutzgerät in die Kliniken gebracht werden kann. Während zahlreiche Betriebe Kurzarbeit anmelden müssen, suchen die Hersteller von Verpackungen derzeit händeringend Personal. 250 Mitarbeiter beschäftigt im Lüneburger Hafen Matthias Hebrok in seinen Firmen Cartoflex, Kartosoft und Lünewell. „30 bis 40 weitere könnte ich gebrauchen“, sagt der Geschäftsführer. Doch er findet keine.

In der Branche ist ein großer Zusammenhalt entstanden

Die Firmeneingänge sind verrammelt, jeder, der hinein will, muss erst einmal Fieber bei sich messen lassen. Denn wenn hier nichts mehr geht, gerät die Versorgungslage in Deutschland ins Stocken. Produzenten aus der Lebensmittelindustrie und der Medizintechnik bestellen im Hafen die Verpackungen für ihre Waren und Geräte. Wenn etwa Atemschutzgeräte in Krankenhäusern nicht eingesetzt werden können, weil sie auf dem Transportweg durch mangelhafte Verpackung beschädigt wurden, wäre das für Kliniken und Patienten eine Katastrophe.

Hebrok hat alle nur denkbaren Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Gearbeitet wird bei der Verpackungsproduktion in zwei Schichten, damit im Fall einer Corona-Infektion nicht plötzlich die gesamte Belegschaft ausfällt. Doch es gibt noch einen zweiten doppelten Boden – und der heißt Solidarität. „In der Branche ist hier in Norddeutschland ein großer Zusammenhalt entstanden“, schildert der Lüneburger.

Zusammenhalt ist heute wichtiger denn je

Im Umkreis von 200 Kilometern hat er die anderen Produzenten von Verpackungsmaterial angeschrieben, zumeist Familienbetriebe. „Und wir sind überein gekommen, dass wir einander aushelfen, wenn es Probleme gibt.“ Aufträge werden in einem solchen Fall von Kollegen übernommen, man springt ein, wenn ein Produktionsstandort womöglich ganz ausfällt.

Verantwortung für die Bevölkerung zu übernehmen, statt die Notsituation schamlos auszunutzen – Bernd Wiechel hofft, dass solche Beispiele Schule machen. „Dieser Zusammenhalt ist heute wichtiger denn je, zumal ja die Rettungsschirme der Politik aktuell über den kleinen Betrieben und den großen Konzernen aufgespannt werden“, betont der AV-Geschäftsführer. „Die mittelständischen Betriebe können bei Bedarf ihre Personalkosten über das Kurzarbeitergeld abfedern, weitere Liquiditätshilfen sind für sie im Moment nur über Kredite zu erhalten.“

Von Thomas Mitzlaff

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Wer Hilfe anbieten möchte oder Unterstützung sucht: www.coronahilfe.bfw-design.de oder www.lebendiges-lueneburg.de/solidaritaet