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Volker Mennerich und Tierarzt Stephan Schlawinsky (r.) begutachten die gerissenen Schafe. Foto: t&w

Wolf verliert die Scheu

Ahndorf/Boitze. Für den Landwirt Volker Mennerich war es ein Schock, als er am Dienstag morgen auf den Hof trat, um mit der Arbeit zu beginnen: Zwei tote Schafe erblickte er auf der Wiese, gerissen von einem Wolf. Der hatte noch ein drittes erwischt. Kehlbiss. Ob es durchkommen wird ist noch unklar.

Volker Mennerich betreibt Ackerbau und ist Hobbyhalter, sechs Kamerun-Schafe hatte er bis zu dem Zwischenfall auf seinem Hof, die seine etwa 2000 Quadratmeter große Rasenfläche sauber hielten. Im Grunde genommen Haustiere. „Die Tiere liegen mir sehr am Herzen, natürlich ist das was anderes, als wenn man 800 Stück im Stall stehen hat“, sagt er bedauernd. Es ist nicht das erste Mal, dass er auf diese Weise Tiere verliert. Im Jahr 2017 riss ein Wolf vier seiner Schafe. Mennerich reagierte, baute einen wolfssicheren Zaun. So blieb er in den letzten Jahren verschont, bis jetzt. „Der Wolf ist da einfach darübergeklettert. Das war ein Knotengeflecht aus Draht, das hat er mit seinem Eigengewicht runtergedrückt“, erklärt er.

„Wir wohnen mitten im Dorf“

Der 64-Jährige ist zwiegespalten: „Wir alle wollen den Wolf haben, er soll leben, frei sein. Aber wenn er so dicht ans Haus kommt, gibt mir das schon zu denken. Wir wohnen mitten im Dorf, die Schafe stehen keine 20 Meter vom Haus. Wenn die Tiere hungrig sind, kennen sie keinerlei Scheu.“

Eine Entwicklung, die auch Mennerichs Tierarzt Stephan Schlawinsky kritisch sieht. „Wenn der Wolf immer näher kommt, könnte das in der Konsequenz schon bedeuten, dass Hobbyhalter wie Herr Mennerich ihre Tiere abschaffen. Er hatte ja schwer aufgerüstet nach dem letzten Vorfall und dafür richtig Geld in die Hand genommen, im Endeffekt für die Katz. Hobbyhalter bekommen ja auch keine Entschädigung, von dem emotionalen Schaden mal ganz abgesehen.“

Wie Schlawinsky von Wolfsbeauftragten hört, haben die Übergriffe zugenommen. „Für die ist es auch unbefriedigend, immer wieder an diese Tatorte zu kommen. Problemwölfe müssen beseitigt werden.“ Stephan Schlawinsky ist selbst Jäger, er geht davon aus, dass einzelne Wölfe im Landkreis Lüneburg bald zum Abschuss freigegeben werden, wie es im Nachbarkreis Uelzen bereits der Fall ist. „Der Tag wird kommen, an dem auch mal ein totes Fohlen auf der Weide liegt.“ Dem schwer verletzten Schaf von Volker Mennerich kann er nicht helfen, das Tier ist so panisch und verschreckt, dass es sich nicht behandeln lässt.

Risiko einer Narkose zu hoch

„Die Tiere waren handzahm, zutraulich, haben sich streicheln lassen“, erinnert sich Mennerich traurig. Daran ist jetzt nicht mehr zu denken. „Der Wolf muss sie dermaßen getrieben haben in dem Areal, sie sind völlig panisch, wir kommen nicht an sie ran.“

Stephan Schlawinsky hat schon über einen Narkoseschuss nachgedacht, „aber das Tier ist so gestresst, das Risiko ist groß, dass es an der Narkose verendet.“ Es röchele, habe schwere Schmerzen. „Es besteht eine kleine Chance, dass es von alleine gesund wird.“

Volker Mennerich hat den Zaun wieder in Ordnung gebracht und will es weiter versuchen. „Vier beziehungsweise drei Schafe schaffen die Fläche alleine nicht. Bald werden es wieder sechs sein und hoffentlich bleiben.“

Von Lea Schulze