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Die Sanitärcontainer werden auf dem Campingplatz Artlenburg aufgestellt. Foto: t&w

Warten auf die Urlauber

Alt Garge/Artlenburg/Wohlenbüttel. Die Signale aus Hannover verbreiten Zuversicht. Auch wenn der Fahrplan noch nicht steht, mit dem das Land dem Tourismus nach dem Zwangsstopp wegen der Corona-Pandemie wieder Leben einhauchen möchte. Dennoch bereiten sich Betreiber von Campingplätzen, Ferienwohnungen und Häfen zwischen Elbe und Heide auf den verspäteten Saisonstart vor, nachdem für sie schon das Ostergeschäft nicht stattfand.

Die Hoffnung ist nun groß, dass der Mai die Wende bringt und es bereits Pfingsten für den Fremdenverkehr läuft. Denn für viele Anbieter ist die Saison begrenzt, sie machen ihre Umsätze nur von Ostern bis Oktober.

Auf eine abschließende Entscheidung wartet Ulrike Stegen sehnsüchtig. „Eigentlich müsste es doch gehen, dass wir spätestens in 14 Tagen wieder Gäste begrüßen können“, sagt sie. Ulrike Stegen ist Gastgeberin auf dem Mühlenhof in Wohlenbüttel bei Amelinghausen und bietet Heidetouristen Ferienwohnungen an.

„Eigentlich müsste es doch gehen, dass wir spätestens in 14 Tagen wieder Gäste begrüßen können.“ – Ulrike Stegen, Gastgeberin auf dem Mühlenhof in Wohlenbüttel

Die fünf Apartments sind im Erdgeschoss des großen Bauernhauses untergebracht, das Teil des Hofes mit seiner restaurierten Wassermühle im Luhetal ist, mitten im Grünen zwischen Wald, Feldern und Wiesen. „Der Tourismus auf dem Lande müsste differenziert betrachtet werden“, fordert sie für den Neustart. Denn die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln seien kein Problem, da draußen auf dem Land viel Platz sei. Anders als in Städten. „Außerdem fallen unsere Wohnungen großzügig aus und unsere Gäste sind fast ausschließlich Selbstversorger“, erklärt sie am Beispiel ihres Mühlenhofes. Somit sei Kontakt zu den anderen Besuchern auf dem Hof leicht zu vermeiden.

Ulrike Stegen erwartet sehnsüchtig die ersten Gäste in den Ferienwohnungen auf dem Mühlenhof in Wolfenbüttel. Foto: t&w

Unterdessen arbeitet die Tourismusgesellschaft Lüneburger Heide mit den Landkreis- und Städteorganisationen an einer Bewertung des Tourismus unter den aktuellen Hygieneauflagen. Dabei werden Informationen über machbare und kritische Punkte auch an die Politik weitergeleitet, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Gesundheit steht an erster Stelle

Der Tourismus sei ein sehr starker Wirtschaftsfaktor in der Region und lebe durch das breite Angebot der Akteure, die es zu unterstützen gilt: vom Ferienwohnungsbetreiber, Hotelier und Gastronomen, bis zu Anbietern von Familien-, Gesundheits- und Freizeitangeboten, Kutschenunternehmen, Freizeitparks, Reiterhöfen, erklärt der Verband. „Von der Anreise, über den Bezug der Unterkunft, mögliche Ausflüge, Stadtführungen, Restaurantbesuche oder Naturerlebnisse, überall prüfen die Touristiker, ob und wie die aktuellen Vorschriften eingehalten werden können. Das kann sich in Ferienwohnungen ganz anders darstellen, als in einem Hotel.“ Dabei werde behutsam vorgegangen, denn die Gesundheit stehe an erster Stelle.

Doch nicht nur in der Heide wird der Neustart herbeigesehnt, an der Elbe ebenfalls. Der Campingplatz in Alt Garge bleibt voraussichtlich bis mindestens Sonntag, 3. Mai, geschlossen. Wann die fast 250 Stellplätze von Dauercampern und Touristen tatsächlich wieder genutzt werden dürfen, sei offen, sagt Regional-Managerin Karina Lorenz, die für den KNAUS Campingpark Bleckede/Elbtalaue zuständig ist. „Wir halten uns strikt an die Erlasse und Verordnungen.“

„Es wird schon werden.“ – Karina Lorenz, Regional-Managerin

Bereits am 1. März hätte die Saison auf dem Campingplatz beginnen sollen. „Aus wirtschaftlicher Sicht wird es jetzt Zeit, dass es losgeht“, meint Karina Lorenz. Maximal einen Tag Vorlauf benötige ihr Team für den Neustart. „Der Platz ist vorbereitet und bezugsfertig.“ Ihre Prognose für die diesjährige Saison, wenn sie dann bald gestartet wird, fällt verhalten optimistisch aus: „Es wird schon werden. Wenn die Monate Juli, August und September gut sind, dann werden wir mit zwei blauen Augen davonkommen.“

Noch ist nichts los im Hafen von Artlenburg. Foto: t&w

Einige Kilometer weiter elbabwärts laufen die Vorbereitungen, um möglichst bald Camper und Freizeitkapitäne in Artlenburg begrüßen zu können. Die Kommune betreibt Campingplatz und Hafen. Dort kommt langsam Leben ins Deichvorland. „Wir warten auf Lockerungen, denn die Leute werden nervös. Der Druck steigt“, beschreibt Bürgermeister Rolf Twesten die Lage. Er hat Mieter von Bootsliegeplätzen angeschrieben und ihnen mitgeteilt, dass die Tonnen zur Hafenzufahrt in der Elbe liegen. Der Hafen werde daher nun eingeschränkt geöffnet, damit Schiffe zu Wasser gelassen werden und fahren können. „Übernachtungen sind aber weiterhin verboten, ebenfalls wird das Duschen untersagt“, unterstreicht der Bürgermeister.

Verzögerter Start reißt Loch in die Kasse

Nebenan auf dem Campingplatz baut die Gemeinde die Versorgung mit Strom und Wasser für die Gäste auf. Sanitärcontainer werden aktuell angeliefert und per Kran an die für sie vorgesehenen Standorte gehievt. „Die Hygienevorschriften könnten ein Problem werden“, meint Twesten. Müssten es aber nicht. „Wir klären derzeit, wie wir die Sanitäranlagen entsprechend umbauen können, sodass warmes Wasser auch an den Waschbecken fließen kann. Das ist mit Hilfe von kleinen Durchlauferhitzern und Boilern machbar.“ Bei den Duschen funktioniere es genau so. Überdies sollen Spender für Desinfektionsmittel angebaut werden.

Der verzögerte Saisonstart werde wohl ein Loch in der Kasse des Fleckens Artlenburg reißen, glaubt der Bürgermeister. „Ich gehe davon aus, dass ab Juli mehr Betrieb ist. Tagesgäste und Wohnmobilfahrer werden wohl am Anfang nicht kommen dürfen. Aber es wäre hilfreich, wenn unsere Dauercamper ihre Wagen jetzt bald beziehen dürfen und Übernachtungen an Bord der Boote und Schiffe erlaubt werden“, meint Twesten.

Denn genau das wären die Signale aus Hannover, die ihn und die anderen Betreiber von Campingplätzen, Ferienwohnungen und Häfen zwischen Elbe und Heide zuversichtlich machen würden.

Von Stefan Bohlmann