Aktuell
Home | Lokales | Ein Geschenk an die Natur
Landwirt Stephan Hillmer hat auf knapp zehn Hektar Land eine Blühpflanzenmischung ausgesät – freiwillig, wie er betont. Damit will er einen Beitrag für den Naturschutz leisten. Foto: t&w

Ein Geschenk an die Natur

Lüneburg. Wenn Stephan Hillmer im Sommer seine Felder rund um Rettmer und Oedeme abwandert, hört er es oft vom Rand aus brummen. Das kommt nicht etwa vom Treckermotor, sondern von den Bienen, die in den seitlichen Blühstreifen nach frischem Nektar suchen. Zwischen Klee und Sonnenblumen, weiß der Landwirt, ist immer etwas los. Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Vögel: „Da fühlen sich alle Tiere wohl.“ Und Hillmer fühlt sich wohl damit, neben dem Anbau von Raps und Roggen, Kartoffeln und Zuckerrüben auch einen Beitrag für den Naturschutz zu leisten. Auf knapp zehn Hektar Land hat er eine Blühpflanzenmischung ausgesät – freiwillig, wie er betont.

Blühmischungen auf 5800 Hektar

Ob an Ufer-, Feld- und Wegrändern, auf Brachflächen oder Streuobstwiesen, Hecken oder Biotopen – allein in Nordostniedersachsen brachten die Bauern 2019 nach Angaben des Bauernverbandes Nordostniedersachsen (BVNON) auf etwa 5800 Hektar ein- oder mehrjährige Blühmischungen aus. Noch nicht in der Rechnung berücksichtigt seien die rund 3000 Hektar Brachland sowie eine Ortolanfläche von aktuell rund 1340 Hektar im Landkreis Lüchow-Dannenberg, so Sprecherin Katja Ahnfeldt-Timm.

Im Rahmen einer Aktionswoche des niedersächsischen Landvolks, zu dem auch der BVNON zählt, weisen Landwirte aus ganz Niedersachsen derzeit auf ihre Aktivitäten für Naturschutz und Biodiversität hin – mit Videos und Fotos im Internet zum Thema „Artenvielfalt und Blühstreifen“ sowie mancherorts Infotafeln auf Feldern und Wiesen. Auf der Facebookseite und dem Instagram-Account des BVNON etwa werden die ganze Woche über – rund um den Weltbienentag (20. Mai) und den Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am Freitag – Beiträge von Landwirten und anderen Aktiven der Branche zum Thema hochgeladen.

An der Aktion beteiligen sich neben Landwirten aus Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Uelzen auch öffentliche Einrichtungen, die gemeinsam mit dem BVNON in verschiedenen Projekten Naturschutz fördernd verbunden sind. In den Projekten und den dazu erstellten Videobeiträgen geht es zum Beispiel um den Hochwasserschutz mit Unterstützung von Tierhaltern oder auch den Schutz von Kiebitzküken, die auf dem Feldboden brüten und nach getaner Feldarbeit wieder ausgesetzt werden.

„Ein Geschenk an die Natur“

Stephan Hillmer muss fünf Prozent seiner Ackerfläche für so genannte Greening-Maßnahmen zur Verfügung stellen. Dort kann er zum Beispiel Zwischenfrüchte und Leguminosen anbauen, die den Boden natürlich mit Stickstoff anreichern. „Aber zu den Blühstreifen wird niemand gezwungen“, erklärt Hillmer. Dafür bekomme er zwar Geld – schätzungsweise 800 Euro pro Hektar –, das entspreche aber nicht im Ansatz dem, was er im Normalfall auf den Flächen verdienen könnte.

Allein für die Anschaffung des Saatguts und die Ausbringung ginge die Hälfte der Zahlung drauf. „Das ist ja nichts, das wir hier rumliegen haben und einfach auf den Boden pfeffern.“ Gern würde er sogar noch weitere Flächen mit Blumen versehen, aber mehr als zehn Hektar bekommt er von der EU nicht gefördert.

Noch sind die Blühstreifen nicht unbedingt als solche erkennbar. Manchmal erwischt Hillmer Kinder oder Spaziergänger, die sich auf den wiesenähnlichen Flächen aufhalten. Denen erklärt er dann, dass sich das Niederwild, das sich dort versteckt, vom Trubel gestört fühlt. „Blühstreifen machen keinen Sinn, wenn sich die Leute darin aufhalten. Blühstreifen sind ein Geschenk an die Natur.“

Von Anna Petersen