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Die Fassade des fast fertig sanierten Gärtnerhauses mit neuer Farbgestaltung nach historischen Vorbild. Foto: Gedenkstätte

Bildungszentrum der Euthanasie-Gedenkstätte Lüneburg trotz Corona fast fertig

Lüneburg. „Wie bitte, schon fertig?“, diese Frage hört Dr. Carola Rudnick, Leiterin der „Euthanasie“-Gedenkstätte Lüneburg, in diesen Tagen häufig, wenn sie über den Stand des Bildungszentrums für die Gedenkstätte berichtet. Seit etwa einem Jahr wird das ehemalige „Gärtnerhaus“ auf dem Gelände der Psychiatrischen Klinik Lüneburg für rund 730.000 Euro denkmalgerecht saniert und eingerichtet – betreut durch das Architektenbüro Henschke, Schulze & Reimers. Dass die Arbeiten inzwischen nahezu abgeschlossen sind, grenzt an ein kleines Wunder. „Denn es lief in den letzten Monaten nicht immer alles wie am Schnürchen“, berichtet Rudnick.

Das Gebäude wurde einst im Jahr 1832 errichtet

Wenige Wochen nach Sanierungsbeginn und dem Abtragen nicht denkmalgerechter Bauteile des 1832 errichteten Gebäudes entdeckte Architekt Henryk Reimers einen Schädlingsbefall. Um den buntgescheckten Nagekäfer, der bei einzelnen Bauteilen bereits bis zum Kernholz vorgedrungen war, zu bekämpfen, wurde das gesamte Gebäude in Folie eingehüllt und für acht Stunden auf 80 Grad erhitzt. Die dadurch entstandenen Mehrkosten von rund 30.000 Euro konnten im Wesentlichen durch eine Erhöhung der zugesicherten Förderung der Hermann Reemtsma Stiftung sowie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gedeckt werden. Nur so konnte das Projekt fortgeführt werden. „Dann fiel ein Handwerker krankheitsbedingt mehrere Wochen aus“, erzählt Rudnick.

Erst nachdem er sich erholt hatte, konnten die Arbeiten fortgesetzt werden. Im September 2019 folgten viele interessierte Bürgerinnen und Bürger der Einladung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zum „Tag des offenen Denkmals“. An diesem Tag konnten erstmals Gruppen durch das Haus bzw. die Baustelle geführt werden. Dabei bemerkten Dr. Sebastian Stierl, 1. Vorsitzender des Trägervereins der Gedenkstätte, und Carola Rudnick, dass trotz vorhergehender statischer Prüfung große Teile des Fußbodens im Obergeschoss plötzlich zu schwingen begannen und er das Gewicht der Menschen nicht zu tragen schien. Also musste vorsorglich dort eine neue Unterkonstruktion eingezogen werden, wo die alte zu schwach geworden war.

Neue Farbgestaltung nach historischem Vorbild

Im März 2020 begann die Corona-Krise und es folgte der „Shutdown“. Obwohl die Psychiatrische Klinik Lüneburg in Zeiten einer Pandemie besondere Herausforderungen zu bewältigen hat, unterstützt sie den uneingeschränkten Fortgang der Bauarbeiten am Gärtnerhaus auf ihrem Gelände. „Während ich ins Homeoffice wechselte, blieben die Handwerker auf der Baustelle. Und zur Einhaltung der erforderlichen Hygienemaßnahmen wurde die Endmontage der Sanitäranlagen einfach vorgezogen“, berichtet Rudnick.

Nach knapp 14 Monaten Bauzeit sind inzwischen nur noch wenige handwerkliche Arbeiten zu erledigen. Schon seit mehreren Wochen erstrahlt die Fassade in neuer Farbgestaltung nach historischem Vorbild. Jetzt stehen nur noch letzte Tischlerarbeiten und Endmontagen an. Für den Abschluss dieses zweiten Bauabschnitts bewilligte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bereits im März dieses Jahres weitere 50.000 Euro. „Seitdem warten wir täglich auf den Fördervertrag, um die letzten Rechnungen bezahlen zu können“, berichtet Rudnick. Damit gehört das ehemalige „Gärtnerhaus“ auch in diesem Jahr zu den insgesamt 430 Projekten, die die Deutsche Stiftung Denkmalschutz bislang unterstützt.

Mitte Juli öffnet die Dauerausstellung

Stierl und Rudnick planen derweil den Einzug. Möbel, IT-Technik und die Einrichtung einer Teeküche werden bestellt. Mitte Juli nimmt die Gedenkstätte zunächst ihre samstägliche Öffnung der Dauerausstellung im ehemaligen Badehaus am Wasserturm (Haus 34) wieder auf. Im September startet der Seminarbetrieb – dann erstmals im neuen Bildungszentrum im ehemaligen „Gärtnerhaus“ (Haus 43). Für die verschiedenen Angebote wurde ein Hygiene-Konzept erarbeitet, das die allmähliche Wiederaufnahme des Gedenkstättenbetriebes ermöglicht. Dazu gehört auch die Einweihung des „Gärtnerhauses“, die für Ende August geplant ist – wegen der Corona-Pandemie allerdings nur in kleinerem Kreis.

Nach der Einweihung schafft das Bildungszentrum nicht nur Raum für die zukünftigen Seminar- und Workshop-Angebote der Gedenkstätte. Es wird auch ein Ort sein, an dem Sonderausstellungen der Gedenkstätte gezeigt werden. „Die erste wird das Thema ‚Erinnerungsräume‘ aufgreifen“, verrät Rudnick. Doch damit ihr Plan aufgeht, sind noch einige Handgriffe zu tun.

Weitere Informationen unter www.pk.lueneburg.de/gedenkstaette.