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Heinz-Jürgen Raulf
Heinz-Jürgen Raulf gehört gleich zu mehreren Corona-Risiko-Gruppen. (Foto: t&w)

Die Sorgen der Risikopatienten

Lüneburg/Neetze. Was sich trotz aller gesellschaftlicher Lockerungsübungen bei den Corona-Beschränkungen nicht geändert hat: Chronisch kranke und ältere Menschen haben weiterhin ein erhöhtes Risiko, im Falle einer Covid-19-Infektion einen schweren Verlauf zu erleiden, der tödlich enden kann. Doch im Zuge der Lockerungen nehmen offenbar immer mehr Menschen weniger Rücksicht auf die Risikogruppen, Maskentragen und Abstandhalten gilt immer mehr als lästig. Das treibt auch Heinz-Jürgen Raulf (73) aus Neetze die Sorgenfalten auf die Stirn. Nach einer überstandenen Krebsoperation ist er eigentlich umso mehr auf die Rücksicht seiner Mitmenschen angewiesen. Grund für eine besondere Besorgnis sieht derweil das Kreisgesundheitsamt derzeit aber nicht.

Raulf hat acht Enkelkinder. Keines von ihnen hat er seit Anfang März mehr in die Arme geschlossen. Das ist hart, aber selbst seine älteren Enkel achten darauf, ihrem Opa nicht näher zu kommen. Denn er gehört gleich mehreren Corona-Risiko-Gruppen an. Neben seinem Alter haben Raulf eine Brustkrebs-Operation und eine erlittene Lungen­embolie vorsichtig werden lassen, um sich keinesfalls mit Covid-19 anzustecken. Allerdings wird der Alltag für ihn im Zuge der Lockerungen der Corona-Beschränkungen immer ungemütlicher.

Der Wunsch nach Normalität

Raulf sagt: „Wir halten uns strikt an die Abstandsregelungen und wir gehen auch nicht unnötig raus.“ Doch bei manchen Mitmenschen vermisst er zusehends die notwendige Disziplin. Der Vorsitzende des Sozialverbands (SoVD) in Neetze sagt: „Für manche Leute sind diese schnellen Lockerungen nicht gut, manche denken wohl, wir sind schon wieder clean und werden gleichgültiger und rücksichtsloser.“ Beispielsweise wenn sich Menschen im Supermarkt am Gemüsestand ohnehin schon zu nahe kommen und sich dann noch eine weitere Person dazwischen drängelt. Raulf schätzt grundsätzlich das Miteinander, aber nicht so.

Auch das Tragen von Masken scheint immer mehr Menschen lästig. Dass der Wunsch nach Normalität hingegen immer größer wird, zeigte jetzt auch die als Kundgebung getarnte Techno-Party im Lüneburger Liebesgrund. Rund 200 Teilnehmer feierten dabei ohne Mundschutz und Abstand (LZ berichtete). Das stößt nicht nur bei den Behörden auf Kritik. Der Lüneburger Jens Buchholz (66) sagt: „Ich habe kein Verständnis für diese Uneinsichtigkeit.“ Der Rentner, der selbst akribisch aufs Abstandhalten achtet, sagt: „Die gehen doch ein größeres Risiko ein, nicht nur sich, sondern auch andere anzustecken.“ Die Reaktion für Corona-Risikopatienten könne angesichts solcher Entwicklungen nur bedeuten, sich weiter gesellschaftlich zurückzuziehen. Dabei spricht die aktuelle Lageeinschätzung des Kreis-Gesundheitsamtes eine andere Sprache.

„Wir haben die Lage im Griff, weil sich zum einen die Menschen und die Einrichtungen im Landkreis Lüneburg an die Regeln halten …“ – Dr. Marion Wunderlich , Leiterin Kreisgesundheitsamt

Dr. Marion Wunderlich, Leiterin des Gesundheitsamtes, sagt auf LZ-Nachfrage: „Die Corona-Situation im Landkreis Lüneburg ist seit Wochen stabil, zudem hat kein einziger Infektionsfall in einer Gemeinschaftseinrichtung zu Ansteckungen weiterer Personen geführt.“ Das zeige laut Wunderlich: „Wir haben die Lage im Griff, weil sich zum einen die Menschen und die Einrichtungen im Landkreis Lüneburg an die Regeln halten. Zum anderen aber auch, weil wir durch ein straffes Management aller Beteiligten effektiv und präventiv vorgehen: Diagnosezen­trum, Bürgertelefon und Gesundheitsamt sorgen gemeinsam dafür, dass wir zeitnah reagieren und so mögliche Infektionsketten schnell unterbrechen können.“ Hinzu komme, dass verschiedenste Einrichtungen schon seit mehreren Jahren im Rahmen des Hygienenetzwerkes entsprechend aufgestellt seien. Wunderlich: „Dazu kommen aktuell Schulungen, zum Beispiel in Kitas und bei Tagesmüttern. Damit die Lage so bleibt, müssen diese Strukturen unbedingt aufrechterhalten bleiben.“

Die LZ wollte zudem wissen, ob angesichts von zirka 30 Corona-Tests pro Tag bei mehr als 180 000 Einwohnern von einer Dunkelziffer auszugehen ist. Dazu schreibt Kreissprecherin Urte Modlich: „Der Landkreis ist aktuell Corona-frei. Eine Dunkelziffer ist natürlich grundsätzlich nicht auszuschließen.“ Dafür habe das Gesundheitsamt aber derzeit keine Anhaltspunkte.

Von Dennis Thomas

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