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Einst wurde vom Grenzturm in Neu Bleckede die innerdeutsche Grenze an der Elbe überwacht. Künftig sollen sich Besucher den Turm vielleicht von innen ansehen können. Foto: t&w

Geschichte und Natur an Grenztürmen

Bleckede. Aschfahl steht er am Deich. Als stummer Zeitzeuge an der Stelle, an der die innerdeutsche Grenze einst verlief und heute die Elbfähre „Amt Neuhaus“ Ost und West miteinander verbindet: der graue Grenzturm in Neu Bleckede.

Er ist Relikt einer schauderhaften Epoche und Mahnmal der Unterdrückung zugleich, denn von dem Turm aus hielten bewaffnete Grenzsoldaten die deutsch-deutsche Trennlinie an der Elbe im Blick und trugen so dazu bei, dass Menschen die ehemalige DDR nicht verlassen konnten.

Das war einmal. Nun soll der Grenzturm, der zwar rechtselbisch steht, aber aufgrund der Entwicklung nach der Wiedervereinigung 1993 in das linkselbische Stadtgebiet Bleckede eingegliedert wurde, eine neue Aufgabe bekommen. „Der Grenzturm soll für die Menschen erlebbar werden“, erklärt Nadine Erdmann vom Bauamt der Stadt Bleckede.

Mit ihm zusammen auch die beiden Grenztürme in Darchau und Popelau, die in der Gemeinde Amt Neuhaus erhalten geblieben sind. „Grenzgeschichten Bleckede, Popelau, Darchau“, heißt das Projekt, für das zurzeit die Stadt Bleckede, die Gemeinde Amt Neuhaus und der Landkreis Lüneburg die Weichen stellen, das noch in den Kinderschuhen steckt. „Eine Arbeitsgruppe hat die erste Peilung vorgenommen“, sagt Dennis Neumann, Bürgermeister von Bleckede.

„Der Grenzturm soll für die Menschen erlebbar werden.“ – Nadine Erdmann , Stadt Bleckede

Ziel ist es, ein zusammenhängendes Bewusstsein über die Bedeutung der Grenztürme, aber auch der besonderen Lage von Elbe und Naturschutzgebiet am damaligen Grenzstreifen für die Öffentlichkeit herzuleiten. Die drei Bauwerke sollen saniert, für Touristen, Einheimische, Schulklassen und Interessierte zum Teil geöffnet werden.

Am Turm in Neu Bleckede wird die innerdeutsche Grenze im Mittelpunkt stehen. Das Bauwerk ist derzeit nicht betretbar. Das ändert sich jedoch. „Ausstellungen über die Grenze sind künftig dann darin denkbar“, sagt Nadine Erdmann. Der Grenzturm in Popelau wird nicht für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Er soll weiterhin der Natur gehören, als Quartier für Vögel, Insekten und Fledermäuse“, berichtet sie. Infos rund um die Themen Grenze und Natur wird es deshalb dann außen rund um das Gebäude geben.

Der Turm in Darchau liegt im Gebietsteil C des Biosphärenreservats Niedersächsische Elbtalaue, der die besonders schutzwürdigen Teile des Biosphärenreservats einschließt und die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes erfüllt. Daher soll am und im Turm ein besonderes Augenmerk auf das Thema „Verbindung von Landschaft, Natur- und Artenschutz“ gerichtet werden. „Er bietet er sich als Anlaufpunkt für Naturbeobachtungen bei Führungen an“, meint Dennis Neumann.

„Das ist ein ambitionierter Plan.“ – Dennis Neumann, Bürgermeister Bleckede

Die Stadt Bleckede hat die Projektschirmherrschaft übernommen und wird durch einen städtischen Bauingenieur fachliches Wissen einbringen. Bereits 2022 sollen die Grenztürme in neuem Glanz erstrahlen. „Das ist ein ambitionierter Plan“, räumt Bleckedes Bürgermeister ein.

Aus diesem Grund haben sich die Projektbeteiligten dann auch schon darüber verständigt, in welcher Form sie die Türme sanieren wollen. Es gibt erste Überlegungen, aber noch keine Details. In gemeinsamen Arbeitsrunden erarbeiten Vertreter der beiden Kommunen und des Landkreises demnächst Vorschläge für die Realisierung. Fest steht aber schon jetzt, dass auf Anbauten außen an den Türmen, wie etwa Plattformen oder eine massive Treppe, verzichtet wird.

Alle an der Sanierung der Grenztürme Beteiligten sind sich einig, dass die Vorhaben ohne Eigenmittel nicht zu wuppen sind. Dieser Anteil soll allerdings möglichst gering ausfallen, sämtliche denkbaren Finanzierungsquellen sollen angezapft werden.

Das Projekt „Grenzgeschichten“ der Metropolregion Hamburg biete sich an, aber auch Töpfe des niedersächsischen Umweltministeriums kämen infrage, erklärt Dennis Neumann. „Die vielen spannenden Geschichten und Themen rund um die drei Grenztürme sind geradezu auf diese Förderungen zugeschnitten.“

Von Stefan Bohlmann