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Gelber Richard
Winfried Marx (l.) und André Hildebrandt geben den Betrieb des Cafés „Gelber Richard“ und der Event-Diele wieder auf. (Foto: t&w)

„Schwerste Entscheidung meines Lebens“

Konau. Wer in diesen Tagen einmal mehr auf der Terrasse des Gelben Richard sitzt und den Blick über das historische Gebäudeensemble von Konau 11 schweifen lässt, kann schon ins Schwelgen geraten ob der Natur und der guten Dinge, die Wirt André Hildebrandt serviert. Im April 2019 hat er das Hofcafé und die Event-Diele übernommen, gemeinsam mit Koch Winne Marx ein Konzept aus der Region für die Region umgesetzt. Der Zuspruch aus der Region sowie weit über die Elbe hinweg, bei Radlern, Wanderern und jenen, die gerne feiern, war groß. Jetzt verkündet Hildebrandt: Ende August schließt der „Gelbe Richard“ – eine Entscheidung, die weitreichende Folgen für Konau 11 haben könnte. In einem Schreiben an alle Freunde und Gäste des Gelben Richards teilt Hildebrandt mit: „Das ist wohl die schwerste Entscheidung meines Lebens. Gerade, weil es nach dem Corona-Lockdown wieder langsam anläuft.“ Immer mehr Gäste aus der Region und Touristen, die den Ort am Elbradwanderweg mit dieser Einkehr lieben, seien wiedergekommen. Mit Veranstaltungen auf der Diele habe man gehofft, den Ausfall aufgrund des Lockdowns zu kompensieren. Doch in den vergangenen vier Wochen taten sich mehrere „Baustellen auf, sodass wir unser Projekt Gastronomie beenden müssen“.

Ohne Veranstaltungen ist es nicht wirtschaftlich

Problem eins: Hildebrandt hat händeringend Personal für die Küche gesucht. Unbedingt auch einen zweiten Koch, der sich wie Winne Marx zur Aufgabe gemacht hat, möglichst nur saisonale Produkte aus der Region zu schmackhaften, bodenständigen Gerichten zu verarbeiten. Doch der Fachkräftemangel machte einen Strich durch die Rechnung.

Problem zwei: Die Diele wurde für Familienfeiern, Hochzeiten, Betriebsfeste und andere Veranstaltungen gerne gebucht. Da ging es natürlich fröhlich und lauter zu. Nachbarn fühlten sich gestört, es kam zu Einsprüchen. „Zwar werden die Terrasse und à la Carte sehr gut angenommen, aber das reicht nicht, um wirtschaftlich zu arbeiten und Arbeitsplätze zu sichern“, sagt Hildebrandt, der Betriebswirt ist. „Veranstaltungen sind aber unabdingbar für den Gelben Richard.“ Außerdem gab es eine Behördenauflage für die Vergrößerung des Parkplatzes und zur Gestaltung des Grundstücks. Dennoch, es fällt kein böses Wort vom Wirt. Vielmehr verweist er darauf: „Wir haben von Anfang an gesagt, wir müssen gucken, was wirtschaftlich geht.“ Zwei, drei Jahre habe man sich für eine Entscheidung gelassen, nun fällt diese früher.

Dreiklang Natur, Kultur und Gastronomie

Das Gebäudeensemble von Konau 11 gehört der Sparkassenstiftung, die es ab 2012 sensibel sanieren ließ. Getragen wird es von dem Dreiklang Natur, Kultur und Gastronomie. Der Verein Konau 11 ist hier angesiedelt, der sich der Pflege und dem Erhalt alter Obstbäume verschrieben hat. In der Ausstellung „Grenzgänge“ erfahren die Besucher viel über das Leben in den Elbdörfern Konau, Popelau und Darchau zwischen 1945 und heute. Handfeste Köstlichkeiten erwarten einen im Hofcafé. Ein Mix, der Menschen von nah und fern anzieht, weiß Carsten Junge, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung. Die Tenne, Ort für größere Feierlichkeiten, wurde zuletzt renoviert.

Für Junge ist Konau 11 immer ein Herzensprojekt gewesen. „Eine Perle für die Region und den Radtourismus.“ 2019 seien insgesamt 20 000 Besucher gezählt worden, die in die drei Themen eintauchten. Junge schätzt das Duo Hildebrandt/Marx, das neue kulinarische Akzente setzt: „Ein wirklich großartiges Team.“ Fürs kommende Jahr habe es bereits Dutzende Anfragen für kleinere und größere Feiern gegeben. Doch damit wird es nun nichts aufgrund der Einsprüche. „Ohne die Veranstaltungen lässt sich Hofgastronomie aber nicht wirtschaftlich bestreiten“, sagt auch er und macht deutlich, dass Gastronomie dort grundsätzlich sehr schwierig sein wird. Und es geht um noch mehr. Im Herbst wolle er sich mit dem Verein Konau 11 zusammensetzen, um zu schauen wie es weitergehen könnte. „Alles ist offen – vom Öko-Hof bis zum Verkauf des Komplexes.“

Von Antje Schäfer