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Gaben den Menschen auf dem Marktplatz gestern die Möglichkeit, sich über ein Leben nach Corona Gedanken zu machen, diese zu Papier zu bringen und am Regenbogen zu befestigen: Marlene Herbold, Andrea Voit von der Greenpeace-Ortsgruppe Lüneburg und Lea Pöllmann. Foto: t&w

Ein Regenbogen voller Gedanken

Lüneburg. Es ist ein Spagat zwischen zu viel und zu wenig, zwischen der Anwendung korrekter Schutzmaßnahmen und der langsamen Rückkehr zur Normalität. Doch wie wird diese aussehen? Eine solche Frage stellen sich derzeit viele – und so manche auch öffentlich: Mit einer bundesweiten Aktion will Greenpeace noch bis zum 4. Juli erfahren, wie sich die Menschen das Leben nach Corona vorstellen, was sie erwarten, was sie sich wünschen. Gestern war die Aktion zu Gast in Lüneburg.

Seit dem 30. Mai touren die Umweltschützer mit einem drei Meter großen Regenbogen durch das Land, geben den Menschen in 31 Städten Gelegenheit, sich zum Thema „Life after corona“ Gedanken zu machen und zu diskutieren, ihre Ideen zu Papier zu bringen und dieses dann an den bunten Halbkreis zu kleben. Marlene Herbold, Koordinatorin der Lüneburger Ortsgruppe und Mitorganisatorin der Aktion auf dem Marktplatz, erklärt: „Wir wollen wissen, was die Bürger bewegt, was sie kritisieren, welche Erfahrungen sie aus der Krise mitnehmen und welche Vorstellungen sie von der Zukunft haben.“ Und der Gesprächsbedarf ist offenbar überaus groß.

Seit dem 30. Mai im Land unterwegs

Frank Weisse, Mitglied bei Greenpeace in Hamburg, hat bereits einige Stationen der Tour begleitet und Erkenntnisse gesammelt: „Viele Menschen stehen erst da und versuchen zu verarbeiten, was sie erlebt haben“, so seine Beobachtungen, „wenn wir sie dann aber ansprechen, kommt plötzlich ganz viel aus ihnen heraus, das ist schon faszinierend.“

Kinder, Jugendliche und Erwachsene – die unterschiedlichsten Altersgruppen mit den unterschiedlichsten Eindrücken und Visionen hat der Umweltaktivist bereits erlebt. „Während die Kleinen ganz konkrete Wünsche haben, ihre Freunde wiedersehen oder die Großeltern besuchen wollen, machen sich die Älteren natürlich auch ganz andere Gedanken“, sagt er. Ob mehr umweltpolitischer Unterricht an den Schulen, eine anhaltende Reduzierung des Flugverkehrs oder der stärkere Fokus auf ein Miteinander: Viele hätten ihre Lehren aus der Corona-Zeit gezogen – und liegen damit wohl im Trend, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag von Greenpeace untermauert.

Pandemie stößt Mentalitätswechsel an

Die Pandemie habe in der deutschen Bevölkerung einen Mentalitätswechsel angestoßen, so das Fazit der Erhebung. Zwar fehle 51 Prozent der Befragten die Möglichkeit zu reisen, auf das Fliegen könnten aber 81 Prozent verzichten, 88 Prozent begrüßten den Rückgang des Autoverkehrs, 79 Prozent wünschten sich neue Radwege. Grundsätzlich hätten die Menschen Werte wie Solidarität und Mitgefühl entdeckt, um aus der Krise zu kommen, hätten den Blick für das Wesentliche geschärft. Und das manifestiert sich auch auf den vielen bunten Blättern am Regenbogen.

„Energiepolitik umweltgerechter gestalten“, „Mehr Achtsamkeit, mehr Rücksichtnahme, mehr Verantwortung“ oder „Mehr Familienzeit“ – die Forderungen und Wünsche der Deutschen sind vielfältig und so umfangreich, dass die Aktion einen zweiten bunten Halbkreis geordert hat, um alle niedergeschriebenen Ideen platzieren zu können. Am 4. Juli endet die Tour mit einer Abschlussveranstaltung bei den Hamburger Landungsbrücken, im Anschluss sollen die farbigen Halbbögen dann für einige Wochen in Berlin Tempelhof stehen, dort, wo die Reise am 30. Mai begann.

Was von all den Vorsätzen bleibt, steht derzeit aber in den Sternen. Und auch Frank Weisse ist da skeptisch: „Die Städte werden schon wieder voll, die Menschen weniger achtsam, das ist bedenklich. Und wenn ich dann die langen Schlangen vor den Schuhgeschäften sehe und zudem lese, dass die Politik die Mehrwertsteuer senkt, um den Konsum anzukurbeln, dann mache ich mir so meine Gedanken.“

Von Ute Lühr

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