Donnerstag , 19. Oktober 2017
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Der Libeskind-Bau auf dem Uni-Campus besticht durch aufsehenerregende, aber auch teure Architektur. Foto: t&w

Libeskind-Bau: für ein paar Millionen Euro mehr

Lüneburg. Die Kosten fürs Zen­tralgebäude der Uni Lüneburg übersteigen das zuletzt genehmigte Budget von gut 72 Millionen Euro um viele Millionen. Das ist seit Monaten eigentlich bekannt. Aber in einem aktuellen wie vertraulichen Statusbericht ist jetzt von einem Plus von 24,5 Prozent oder 17,7 Millionen Euro die Rede. Das wieder ist deutlich mehr als bisher gedacht, und mehr als zurzeit auf Basis eines neuen Uni-Papiers vom Wissenschaftsministerium geprüft wird.

Prognosen und Risiken kennen nur eine Richtung

Laut Statusbericht aus der Steuerungsgruppe für den Libeskind-Bau liegen die Ist-Kosten jetzt bei rund 90 Millionen Euro. Dazu kommen prognostizierte Mehrkosten und Risiken. Summa summarum 97,8 Millionen, die womöglich finanziert werden müssen. Denn bisher kennen Prognosen und Risiken zum Zentralgebäude nur eine Richtung, sie verschieben sich zu den Ist-Kosten hin. Bei 57,7 Millionen Baukosten hat es angefangen. 40 Millionen Euro mehr könnten es nun werden. Und wer schultert die Mehrkosten?
Uni-Sprecher Henning Zühlsdorff sagt: Die Uni habe beim genehmigten Budget von 72,3 Millionen Euro schon früh auf die Kostenrisiken hingewiesen. „Das Land hat angekündigt, es wolle sicherstellen, dass die Finanzierung des Baus nicht zu Lasten von Forschung und Lehre gehe.“

Das steht im Statusbericht

  • Genehmigtes Budget: bisher: 72,3 Mio.€
  • Mehrkosten: 17,74 Mio.
  • Kostenstand Ist: 90 Mio.
  • Prognose: 96,3 Mio.
  • Ist/Prognose/Risiken: 97,8 Mio.

Im Wissenschaftsministerium sagt Sprecher Jan Haude: Die zweite Nachtragsplanung betrage rund 87,2 Millionen Euro Prognosen und Risiken nicht eingerechnet. Im Anschluss an die Prüfung der Unterlage durch die Oberfinanzdirektion sei der Landesrechnungshof an der Reihe. Haude: „Das Ministerium hat das Ziel, dem Haushaltsausschuss noch in diesem Jahr eine Beratungsunterlage vorzulegen.“ Gleichwohl räumt Haude ein: „Die nach Vorlage der zweiten Nachtragsplanung entstandenen weiteren Mehrkosten bilden einen Zwischenstand ab. Diese Kosten sind nicht Inhalt der zweiten Nachtragsplanung, da sie zu einem späteren Zeitpunkt entstanden sind. Folglich sind diese bislang nicht vom Ministerium geprüft worden.“ Kurzum: Die Bauunterlage, die jetzt geprüft wird, ist im Grunde schon veraltet, die Kosten sind höher.

Kritischer Eröffnungstermin

Die Lüneburger sind längst neugierig, wie es im Libeskind-Bau aussieht, dessen Zink-Außenhaut schon in der Sonne leuchtet. Regelmäßig empfängt die Uni Besuchergruppen im Rohbau des neuen Zen­tralgebäudes. Die staunen allerdings nicht nur über die Größe und architektonische Verwegenheit, sondern auch über den ehrgeizigen Termin, Ende Januar in Betrieb zu gehen. Angesichts der Kabelage an der Decke und des Gewusels, glaubt das nicht jeder Gast. Uni-Sprecher Zühlsdorff versichert: „Wir liegen im Zeitplan. Ende Januar 2017 soll das Gebäude in Betrieb genommen werden.“

„Das Ministerium hat das Ziel, dem Haushalts-ausschuss noch in diesem Jahr eine Beratungs-unterlage vorzulegen.“
Jan Haude, Wissenschaftsministerium

Anhaltspunkte, dass es anders kommen könnte, bietet der Statusbericht. In der Ablaufplanung findet sich hinter dem Übergabetermin in Klammern das Wort „Prognose“ und eine rote Raute. In der Legende des Plans als „kritischer Meilenstein“ bezeichnet.
Berichte über Mehrkosten, Klagen über Verzögerungen, Kritik an Vergaben, ja, die Betrugsbekämpfer der EU im Haus. Mit der schrillen Begleitmusik lebt die Leuphana, seit mit dem Libeskind-Bau begonnen wurde. Mal klagt der Landesrechnungshof (2011), der Bau sei für reine Uni-Zwecke viel zu teuer, dann schlussfolgern die Betrugsbekämpfer der EU (2012), an der Uni habe man eine Ausschreibung bewusst umgangen, um die Libeskind-Ideen zu verwirklichen.

Den Aufwand massiv unterschätzt

Die Oberfinanzdirektion prophezeit in einem nicht-öffentlichen Bericht 2014: Träten alle Risiken ein, könnten es 125 Millionen Euro Baukosten werden. „Die Kosten für die Aufwendungen im Rohbau infolge der komplizierten Gebäudegeometrie sowie die Kosten für die hohe technische Ausstattung des Gebäudes wurden massiv unterschätzt.“ Mal ist es das Land selber, das im Sommer 2015 vertraulich klagt, Finanzierungsmodelle, die die Uni vorlege, um Mehrkosten zu decken, seien „ausnahmslos bloße Hoffnungspositionen“ ohne belastbare Grundlage.
Die Kosten führen derweil ein Eigenleben. Immer wenn das Ministerium sie fixieren will, sind sie schon wieder entwischt nach oben.

Auch sie zahlen für Libeskind-Bau

  • Land: bisher 21 Mio. €
  • EU: rund 14 Mio.
  • Stadt: 5 Mio.
  • Kreis: 2 Mio.
  • Bund/Wirtschaft: 3,4 Mio.
  • Kirchen/Klosterkammer/Sponsoren: rd. 1 Mio.

24 Kommentare

  1. Liebe Heidi, die Campus GmbH macht einen Quantensprung, wenn die Hoppe-Arena kommt. Ich werde im ganzen Land darauf angesprochen. Eher nebensächlich sind daher die Kosten, wichtiger die Bedeutung für mein Renommee. Bei der Elbphilharmonie redet auch niemand mehr über Geld. Und auch ob die Spoun- und Eventhalle auf dem Bockelsberg jetzt nochmal zehn oder zwanzig Millionen Euro teurer wird, sollten wir nicht mehr diskutieren !

    Vgl.: unseren Oberbürgermeister am 6. Juli 2016 vor riesengroßem Publikum im 3. Absatz dieser Eloge: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/343403-leuphana-feiert-akademischen-jahresabschluss

    • Ich bin etwas überrascht Frau Mädle und amüsiert zugleich, dass Sie mich direkt ansprechen obwohl ich hier noch keinen Kommentar geschrieben habe. Ich vermute Sie beziehen sich auf meinen ersten Kommentar bei Baubeginn dieser Raumstation, in dem ich die Kalkulation von Beginn an in Zweifel gezogen hatte. Der Zweifel war – wie wir alle wissen – berechtigt. Deshalb hat mich auch der obige Artikel in keiner Weise überrascht. Im Gegenteil. So eine Meldung musste kommen. Ich habe regelrecht darauf gewartet.

      Die Kosten sind insofern auch kein Diskussionsgegenstand mehr für mich. Was ich mich frage ist vielmehr ob diese (vorhersehbare) Entwicklung ohne Folgen für die Verantwortlichen bleiben kann, bzw. darf. Die Geldgeber – und das sind zu annähernd 100% die Steuerzahler – werden die ganze Zeit von der Unileitung wie an einem Ring durch die Manege geführt. Und was ich dabei noch weniger verstehe ist, dass sie dabei von vielen Seiten auch noch Rückendeckung und Lobeshymnen erhalten. Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen.

      Und da Sie einen netten Verweis mittels Link angefügt haben hier auch noch zwei für Sie (und andere).

      http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/leuphana-universitaet-lueneburg-13290491-p3.html

      http://www.dielinke-lueneburg.de/nc/presse/detail/browse/2/zurueck/aktuell-3afa4c9de1/artikel/viva-holm-keller-kommentar-zum-ruecktritt-des-leuphana-vize/

  2. Jetzt kommt besimmt gleich wieder der studierte Buchhaltungs- und Rechenkünstler Jörg Hillmer (http://www.az-online.de/uelzen/stadt-uelzen/aufruhr-revier-1242876.html) umme Ecke rumgeschossen und schreit: „Alarm! Alarm!“ Der Suderburger Selfie-Weltmeister unter den jagenden christdemokraten (https://www.landeszeitung.de/blog/newsticker/146900-schlagabtausch-ueber-libeskind-bau-im-landtag) entwickelt nämlich immer dann den Ehrgeiz mit einer neuen Krawatte vor die Pressefotografen zu tänzeln, wenn er meint, Gabriele Heinen-Kljajić wieder einmal so richtig vorführen zu können. Denn die Grüne Gabi ist für das schwarze Jörscheli ein rotes Tuch, weil sie — und nicht er, die Brain-Kapazität, — seit dem 19. Februar 2013 als niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur amtiert.

    Für Jörg Hillmer den Experten und Denker in Personalunion stellte sich nämlich schon am 21. Februar 2014 die Frage, wie die damals neuen, auch schon saftigen Mehrkosten gedeckelt werden könnten. Im Haushaltsausschuss habe es, teilte er mit, aus den Reihen der SPD-Fraktion geheißen: „Für die Leuphana wird es KEINEN WEITEREN EURO geben.“ Damals stand fest, das Land beteiligt sich mit 21 Millionen Euro am Bau und das ist es. Punkt, aus. In einer Vorlage des Wissenschaftsministeriums sind „erhebliche Mehrkosten“ aber immer erneut als „sehr wahrscheinlich“ eingestuft worden. Doch wer soll sie tragen? Die Uni selbst sieht keinen Puffer mehr, die Landesregierung wird nicht nachschießen, „da kommt was auf Stadt und Landkreis zu“, vermutete Hillmer. Ministeriums- oder Hochschulverantwortliche würden schon sehr bald das Gespräch mit Landrat und Oberbürgermeister suchen. (https://www.landeszeitung.de/blog/lokales/luneburg/145341-stadt-und-kreis-gefordert)

    Kann man diese Hillmersche Entschiedenheit von vor knapp drei Jahren als eine Aussage abtun, die nicht nur jedes Vorstandsmitglied der Jagdgenossenschaft Suderburg, sondern auch Herr Mädge wie Herr Nahrstedt „fassungslos vernehmen angesichts der Tatsache, dass der Landtagsabgeordnete Hillmer Betriebswirtschaftslehre studiert hat und Vorsitzender des CDU-Landesfachausschusses für Wirtschaft ist“?

    Unwillkürlich denkt man in diesem Zusammenhang wieder an die frei verfügbaren 12 Millionen Euro für die Hoppe-Bahlburg-Sallier-Sparkassen-Arena: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/370346-neuer-versuch-fuer-die-elbbruecke#comment-73122

    Siehe auch hier: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/354324-neue-mehrheit-fuer-arena-lueneburg

    • „Und was ich dabei noch weniger verstehe ist, dass sie dabei von vielen Seiten auch noch Rückendeckung und Lobeshymnen erhalten“. Genau auf diesen Satz ist mein Link zur FAZ bezogen. Ich denke Sie haben das auch so verstanden. Und wenn sie den Artikel der FAZ (am Erscheinungsdatum waren zudem die letzten Kostensteigerungen noch nicht bekannt) ganz gelesen haben wird Ihnen auch nicht entgangen sein, dass ab Seite -2- durchaus auch die Kritiker Gehör finden und ihre Argumente in dem Artikel genannt wurden.
      Insgesamt halte ich es für einen objektiven Artikel in dem zwischen den Zeilen aber eher Skepsis und Zweifel an dem Projekt zu lesen sind.

      • Liebe Heidi,
        in Uelzen spricht man schon von einem „überirdischen Gleißen“, welches die übereinander herkegelnden, sich quasi wie entfesselt und von ganz alleine gen Sonne emporschleudernden Mehrkosten-Protuberanzen begründen soll. Irgendwie ist es doch aber auch schön, dass in dem scientology-ähnlichen Kontroll- und Überwachungsregiment der leuphanatischen Bildungsoptimierer und Verwertungstechnokraten wenigstens die einander im Wochentakt überholenden Nachtragsplanungen sich einen Rest an naturwüchsiger Autonomie bewahrt zu haben scheinen.

        Hach, ist das nicht alles irrsinnig aufregend?

        Vgl.: https://www.az-online.de/uelzen/stadt-uelzen/ploetzlich-sind-millionen-6863184.html

  3. Heidi, »Präsident Spoun«, steht in dem lobhudelnden FAZ-Artikel vom Dezember 2014, den Sie uns empfehlen, und der das wolkige Lüneburger Nachhaltigkeitsgeblubber nachgurgelt, als sei Autor Marvin Milatz vom Leuphana-Präsidium für diese Veröffentlichung bezahlt worden, »Präsident Spoun begegnet seinen Kritikern mit Gelassenheit: „Bei einem öffentlichen Bau dieser Größe muss man Kritik aushalten.“ Das Geld [d.i. das Steuergeld von sehr wahrscheinlich weit über hundert Millionen Euro (zunächst noch ohne die gigantischen jährlichen Betriebs- und Erhaltungskosten)] sei gut investiert, „Das neue Zentralgebäude hat einen großen Wert für die Universität und die Stadt“, verteidigt der Präsident das Bauvorhaben. „Wir wollten nicht nur ein funktionales Gebäude bauen, sondern ein Bauwerk, für das es sich einzustehen lohnt und das Studierende wie Forschende über Fachgrenzen hinweg auf dem Campus zusammenführt.“«

    Woher nimmt dieser Mann seine »Gelassenheit« angesichts der katastrophalen Kette ungeheuerlichster Schlampereien bei der Planung des Libeskind-Baus?

    Und dann: »Das neue Zentralgebäude hat einen großen Wert für die Universität und die Stadt«?

    Und außerdem: Es handle sich um »ein Bauwerk, für das es sich einzustehen lohnt« ?

    Ist es nicht, als würde man Wanka, Althusmann, Mädge oder Nahrstedt quatschen hören? Seit der Grundsteinlegung am 8. Mai 2011 ist von diesen Leuten geschätzte 125 Millionen Male die immergleiche Phrase vom »überregionalen Wert« dieses lachhaften Unglücksbaus wiederholt und in irgendwelche Mikrofone geleiert worden. Aber WARUM es sich lohnt, soviel fremdes Geld für einen solchen monströse Architekturkitsch auszugeben und WORIN sein Wert »für die Universität und die Stadt« genau bestehen könnte, hat mir bis heute noch niemand erklärt. Ist ein Universitätsbetrieb denn eine Kirmesveranstaltung? Wird aus einem Würstchen eine Wurst, wenn man ihm eine Swarovski-Krone aufsetzt? Hat eine Hochschule etwa die Aufgabe, den Fremdenverkehr zu fördern? ALLE bedeutenden wissenschaftlichen Leistungen in der gesamten Menschheitsgeschichte sind in irgendwelchen völlig unscheinbaren Behausungen hervorgebracht worden. Weder Archimedes noch Newton oder Einstein waren bei ihrer Arbeit auf die stimulierenden Wirkungen futuristischer Luxusbauten angewiesen. Kann Frau Dr. Wanka oder können die Herren Althusmann, Mädge, Nahrstedt oder Dr. Spoun mir erklären, warum »ein funktionales Gebäude« eigentlich »Studierende wie Forschende über Fachgrenzen hinweg auf dem Campus« NICHT sollte zusammenführen können?

    • in einem schiefen gebäude, denken studenten besonders kreativ geradeaus. schmunzel.

    • Zitat: „Wird aus einem Würstchen eine Wurst, wenn man ihm eine Swarovski-Krone aufsetzt?“

      Ja, genau das scheint in Lüneburgs regierender Ratsmehrheit erster Glaubensartikel zu sein. Michael (Kommentar unten vom 20. Oktober 2016 at 12:29) hat ihn sich zu eigen gemacht, ohne zu wissen oder sagen zu können, warum (was dem zweiten Glaubensartikel entspricht).

    • Darf man solchen Würstchen den Titel »Pralhanseaten« geben? Oder existiert da schon eine treffendere Bezeichnung?

  4. Die Kosten sind sicher ärgerlich. Stimulierend, für akademisch Interessierte, und die arbeiten nun einmal an einer Universität, ist der Bau aber schon. Er hebt sich markant von der düsteren Wehrmachtsarchitektur der ehemaligen Kasernengebäude aus dem Jahr 1936 ab und zeigt jedem deutlich, daß an der Lüneburger Universität Platz für Ideen ist. Und die Entwicklung von Ideen ist das einzige echte Kerngeschäft einer Universität, sonst kann man sie sich auch sparen. Zwei Fachhochschulen wie früher bräuchten einen solchen Bau sicher nicht.

    • Die Kosten sind sicher ärgerlich.
      ach woher denn? das geld ist ja nicht weg, hat jetzt nur ein anderer. und wenn geld verschwendet wird, ist es ja egal wo, oder?

    • „Und die Entwicklung von Ideen ist das einzige echte Kerngeschäft einer Universität, sonst kann man sie sich auch sparen.“
      Wenn es um Forschung und Lehre geht stimme ich ihnen uneingeschränkt zu. Nicht aber wenn es um einen maßlos übertriebenen, protzigen Prestigebau geht der sich in keiner Weise in die Umgebung von düsterer Wehrmachtsarchitektur integrieren lässt, sondern in dieser Umgebung eher wie ein mißlungener Fremdkörper wirkt und nach meiner Auffassung nur dazu dient Eitelkeiten zu befriedigen. Von den Kosten, der mehr als geschönten Kalkulation und anderen Umständen bei diesem Bauvorhaben völlig abgesehen.

  5. Michael, mit Verlaub, Sie sind ein Phrasendrescher. Sie repetieren den offiziösen wortnebelumwogten Reklame-Schwulst, wie er auf inhaltsleere Weise von Herrn Spoun, Art von Herrn Achatz von Müller (http://www.zeit.de/2013/28/leuphana-libeskind-lueneburg) und läppisch von den 27 Marketingmitarbeitern „des Hochschulpräsidiums“ seit Jahren verlautbart wird.
    (A) „Die Kosten sind sicher ärgerlich“? Sie sind, weil Sie die veranschlagte und vereinbarte Summe von 57 Millionen um höchstwahrscheinlich 70 Millionen überschreiten werden und weil zu dem Endpreis von knapp 130 Millionen noch (bisher gar nicht einkalkulierte) Betriebskosten hinzukommen, ein veritables Desaster mit unabsehbaren Folgen für alle Geldgeber.
    (B) Was heißt, „ein Bau“ sei „stimulierend“? Licht, frische Luft, angemessener Komfort (anthropometrische Platzgestaltung) und der Austausch mit Studierenden und Mitarbeitenden, das sind neben Zweckmäßigkeitsgesichtspunkten die entscheidenden Faktoren, um von der Umgebung unbelastet seinen akademischen Aufgaben gerecht werden zu können. Was – und vor allem WIE – trägt ein zinkverkleidetes dysfunktionales Betonmonument, das wie ein auf Grund gelaufener Flugzeugträger in ein architektonisch relativ homogenes Backsteinensemble getürmzwängt worden ist, dazu bei, der Lehre, der Forschung sowie dem Denken und dem Lernen bzw. dem Erkennen dienliche Prozesse und Befindlichkeiten anzuregen? (Ich bitte um eine floskelfreie, also um eine präzise Antwort.)
    (C) Der Neubau „hebt sich markant von der düsteren Wehrmachtsarchitektur der ehemaligen Kasernengebäude aus dem Jahr 1936 ab“? Das Wort „markant“ ist sicher (siehe punkt (B)) eine Untertreibung. Aber dass die Universität (heißt: deren „Studierende“, „Lehrende“ und „Verwaltende“) das zu Beginn der 1990er Jahre freigewordene „Gelände des 1935 geschaffenen Kasernenareals“ gerne nutzte(n), um dort ihren zentralen Campus einzurichten, der bis vor kurzem im Selbstvermarktungstamtam der Leuphana noch als vorbildliches und „bundesweit einmaliges“ Exempel von aufwendigster, gelungener und „nachhaltiger Konversion militärischer Liegenschaften zu Hochschuleinrichtungen“ galt und „mit sehr großer Freude“ bezogen wurde, haben Sie zu erwähnen vergessen. Die „düstere Wehrmachtsarchitektur“ ist nach dem Verständnis aller Beteiligten und Betroffenen schon 1997 bei der Ansiedlung der Uni zumindest baulich „nur“ noch Historie gewesen (Siehe: https://kobra.bibliothek.uni-kassel.de/bitstream/urn:nbn:de:hebis:34-2010122135251/1/DissertationFlebbe.pdf). Und wer heute, ohne Empfinden dafür, welches unausdrückbare Ausmaß an Leid er vor seine Werbekutsche zu spannen versucht, von den Segnungen des „kontrastiven“ Arrangements faselt, um die unserer Hochschule mit ihrem Umzug „aufgebürdete geschichtliche Last der Kasernierung und Militarisierung zu brechen“ (von Müller), der sollte uns wenigstens einen einzigen winzig kleinen Fingerzeig geben, WIE „der Lüneburger Entwurf“ das sollte fertig bringen können.
    (D) Der Libeskind-Bau „zeigt jedem deutlich, daß an der Lüneburger Universität Platz für Ideen ist“? WIE DAS? So wie dies die armselige Garage von Paul und Clara Jobs in Los Altos tut, in welcher der kleine Steve (angeblich) ganz alleine die weltumstürzenden Konzepte des digitalen Zeitalters entwickelte? Lieber Michael, wenn Sie mehr sein wollen als ein Papagei, durch dessen „Kommunikationsapparatur“ die dullen Marketingslogans des „Studienmodells neuen Typs für die Zivilgesellschaft des 21. Jahrhunderts“ floaten, dann sollten Sie sich angewöhnen nachzudenken, bevor Sie einen Leser-Kommentar für die Nachwelt ins LZ-Forum versenden. Was sind Ideen? Das Wort (von altgriechisch ἰδέα idéa: „Gestalt“, „Erscheinung“, „Aussehen“, „Urbild“) wird allgemeinsprachlich als ein Gedanke aufgefasst, nach dem man handeln kann, oder als ein „Leitbild“, an dem man sich orientiert. Ist nicht das schöne an Gedanken, lieber Michael, dass man, sofern man welche hat, sie überall haben kann? WIE also, Michael, zeigt ein Gebäude auch nur einer Person deutlicher als ein anderes Gebäude, dass in ihm Platz für Ideen ist? Wie macht es das? (Ich bitte auch hier um eine floskelfreie, also um eine präzise Antwort.)
    (E) „Das einzige echte Kerngeschäft einer Universität“ ist NICHT die Entwicklung von Ideen, wenn damit wirschaftlich verwertbare Konzepte und „Studien“ oder „Gutachten“ gemeint sind. Universitäten (vom lateinischen „universitas magistrorum et scolarium“), die „Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden“, sind Hochschulen, die der Pflege und Entwicklung der Wissenschaften durch Forschung, Lehre und Studium dienen, aber ihren Studenten auch praxisorientiert Berufsqualifikationen vermitteln sollen.
    (F) Weder eine Universität noch zwei Fachhochschulen „brauchen“ einen solchen Bau. „Dieser Bau muss“ nur für gernegroße Pralhänse und Renommisten „sein“, die tatsächlich daran glauben, dass Quantität in Qualität umschlägt, und die vergessen haben, dass kein Anzug aus einem Narren einen Weisen machen, aber jeder Anzug aus einem Weisen einen Narren machen kann.

    • Dietrich Burkhardt

      Keller und Spoun werden — wie Dottore und sein Diener Brighella in der „Commedia dell’arte“ (= Berufsschauspielkunst) — als die größten Spaßvögel unseres ratsherrlichen Ohnsorg-Theaters in die lustige Geschichte Lüneburger Finanzskandale eingehen. Auch Mädge, Pols, Althusmann, Porwol und Narrstedt ist längst mehr als eine Fußnote darin sicher. Klaus Hoppe, Andreas Bahlburg und Klaus-Dieter Salewski bemühen sich noch (mit sehr guten Erolgsaussichten) um Aufnahme in den Kreis der unbedingt Erwähnenswerten.

  6. Liebe Lüneburger,
    Ich werde das Thema demnächst in meine Sendung,Mario Baaart deckt auf aufnehmen und Eure Stadt in gaaanz Deutschland bekannt machen,damit alle was zum lachen haben und es sich auch lohnt.
    Ich hoffe, der Bau wird vorher nicht wegen Pfusch am Bau stillgelegt und abgerissen.
    Obwohl,ist ja eigentlich egal,der POSITIVE EFFEKT bleibt ja der gleiche (für meine Sendung).

    Mein LIBESKIND damit kann ich ja meine ganze Sendung füllen.

    Euer Marioo Baaart

    PS.
    wenn ich eine ernst gemeinte Meinung zu einem Thema habe,schreibe ich natürlich mit meinem Klar Namen.

  7. Liebe Herren Häuslebauer,

    Ihre Entschuldigungen für jahrelange Beschimpfungen all jener, welche die erwartbar hohen Baukosten zutreffend vorhergesagt haben, sind angenommen. Sinngemäß: Absurdes Theater, Nestbeschmutzer, üble Verleumdung … all diese Ausfälle seien vergeben und vergessen.

    Achso, Sie haben sich ja gar nicht entschuldigt. DAS wäre ja nun auch eine wirkliche Überraschung gewesen.

  8. Sehr geehrter Herr Karlheinz Fahrenwaldt

    als Experte für satirische Themenplakate und deren wirkmächtige baufotografieverzierte Bildmotive werden Sie wissen, dass die Höhle in Lüneburg und Reppenstedt als das Urzeugnis oder als historisches Zentralgebäude jeglichen architektonischen Gestaltungswillens gilt. Nun sind aber Beate Slominski und Hartmut Böhme – und nicht etwa Alexandra Spoun und Frank Soldan (»Die Zahnaufhellung«) – Herausgeber eines im Verlag Wilhelm Fink – und nicht bei Leuphana Press – erschienenen Bandes mit dem Titel »Das Orale. Die Mundhöhle in Kulturgeschichte und Zahnmedizin« (http://dasorale.de/), was wir – wenn auch leider gerade in der analen Phase steckenden – Lesefreunde völlig in Ordnung finden. Über das mehr als naheliegende Grundlagenkapitel »Einführung in die Mundhöhle« haben wir genausowenig zu maulen wie über den Aufsatz »Ethik in der Zahnheilkunde« oder die Beantwortung der bohrendsten Fragen »zur Traumsymbolik von Zähnen«. Mit offenen Mündern saßen wir über den Texten »Ästhetik und Anästhetik des Mundraums«, »Zähne in der Literatur« und »Schlingen und Würgen im Werk von Christoph Schlingensief«. Als wir schließlich den Rausschmeißer »Die Zähne fressen das Orale. Marshall McLuhans Update des Kadmos-Mythos« durchgekaut hatten, waren zwar unsere Speichelkanäle versiegt, doch wußten wir so sicher wie nie: Im Wissenschaftsbetrieb wird noch die abstruseste Quatschidee mit Zungenkußhand genommen und publiziert. Lipp-lipp, hurra!

    Zwei Fragen haben wir aber noch, Karlheinz:

    1. Meinen Sie, es wird ein Hörbuch geben? Sinnlich eingesprochen, ja: -geschmatzt und mit unbearbeiteten Kau-, Beiß- und Schnalzgeräuschen als Bonustracks? Das wäre doch ausgesprochen köstlich! (Als den universitären Studien- und Gutachtenabsatz fördernden Berieselungssound im Raum der Stille unseres neuen Audimax könnten wir uns das sehr gut vorstellen.)

    2. Sagen Sie »Aaaaaa« mit uns?

    Ihre Leuphana-Combo

    • Liebe Leuphana-Combo
      ihr solltet mich fragen, schmunzel. schließlich habe ich mehrere jahre in verschiedenen dental-laboren gearbeitet und kenne mich mit blendwerk gut aus. schmunzel. gerade was studenten unter spaß verstehen, ist mir bestens bekannt. ich verrate aber nicht, woher. schmunzel. googel kann es auch nicht verraten, ha ha.

      • Lieber Klaus Bruns, nicht nur Blendwerk, auch der Innenausbau von steilen Zinkzähnen sowie stockende Zeitpläne (Wußten Sie, daß halterlose Netz- und Seidenstrümpfe im Englischen als „stockings“ bezeichnet werden?) können Multimillionenkosten verursachen, wie die Mensa-Problematik am Bockelsberg in Lüneburg und die im Moorfeld von Deutsch Evern beweisen. Alleen, nur sük ofjagen un bannig susen, is man ok keen Pläseer nich — und kann außerdem beim Handanlegen sogar unerwünschte Nebenfolgen zeitigen. Beispielsweise hat eine Kassiererin eines Supermarktes bei Kempten (Schumi) so dermaßen schnell gearbeitet, daß sie Zeit regelrecht eingearbeitet hat und auf diese Weise in ihre eigene Vergangenheit zurückgereist ist: Die 59jährige ist nun wieder 21 Jahre alt, erhält zahlreiche vielsagende Blicke und verschiedene „Andeutungen“ betreffs ihrer Zähne und ihrer sonstigen körperlichen Konstitution, was sie alles sehr, sehr vom ordentlichen Arbeiten ablenkt. Un dat köst denn slichtweg wedder Tied un de Deiten.

        Stellen Sie sich bloß mal vor, dem Tandem Mädge-Nahrstedt würde so etwas beim Kohle in die Leuphana-Baustelle Schwemmen passieren.

        • Meine liebe Doris
          Stellen Sie sich bloß mal vor, dem Tandem Mädge-Nahrstedt würde so etwas beim Kohle in die Leuphana-Baustelle Schwemmen passieren.

          es ist doch schon passiert. der grund ist einfach zu erklären. wer stört wem beim steuergelderverschwenden? selbst wenn die opposition alarm schlägt, es wird sich nichts ändern. niemand ist hier für etwas haftbar zu machen. die gesetze haben eben lücken und dafür sorgen die politiker und die wirtschaft, die daran interesse haben. die partei spielt dabei keine rolle. ach ja ,halterlose strümpfe werden gern von der damenwwelt benutzt, um die sogenannten herren der schöpfung nicht nur zu begeistern, sondern auch einzufangen.am ende kann das sehr teuer werden. schmunzel.

  9. Uni braucht neues Finanzierungskonzept

    „Die Gesamtfinanzierung in Lüneburg gehört neu auf den Prüfstand“, sagte Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) im Landtag nach der Kritik in den aktuellen Berichten von EU-Ermittlern und Landesrechnungshof am 58 Millionen Euro teuren Libeskind-Bau auf dem Leuphana-Campus. Wegen Unschärfen und vielen Fragen bei der Finanzierung des Prestigebaus könnte die Lüneburger Universität vor großen Finanzierungssorgen stehen.
    Denn für den Bau gibt das Land rund 21 Millionen Euro, die Europäische Union mehr als zehn Millionen. STADT; LANDKREIS, Kirchen und Sponsoren SOWIE DIE UNI stehen für den Rest gerade.

    Quelle: http://www.landeszeitung.de/blog/lokales/78695-uni-braucht-neues-finanzierungskonzept-fur-audimax

  10. „Wie Kinder den Libeskind-Bau sehen“ lautete die Überschrift der Landeszeitung am 9. Juni 2014. Das ist eine hübsche Aufgabe für Erwachsene: Einmal wie Kinder auf den Libeskind-Bau schauen, ohne das ganze hanebüchene Gebrabbel, das sich darüber und drum herum gelegt hat wie eine meterdicke Schicht aus altem Staub und ranzigem Fett. Das Gleiche ließe sich natürlich auch mit LZ-Überschriften selbst machen. Was würden Kinder denken, wenn sie die Titelzeilen bloß der letzten drei Jahre über den Artikeln zum Audimax oder Zentralgebäude der Leuphana läsen? Hier sind sie in aufsteigender Chronologie:

    Musterverträge sehen anders aus (LZ, 14. April 2013)

    Bauen, Bildung und Schulden (LZ, 14. Mai 2013)

    Ein Aufpasser für die Uni? (LZ, 25. Mai 2013)

    Schlag ins Kontor für den Audimax-Bau (LZ, 29. Mai 2013)

    Uni braucht neues Finanzierungskonzept für Audimax (LZ, 30. Mai 2013)

    EU-Bericht enthält Anhaltspunkte für Untreue (LZ, 26. Juni 2013)

    Geldpuffer für Unibau (LZ, 4. Juli 2013)

    Rat muss mal wieder übers Audimax reden (LZ, 30. August 2013)

    Libeskind-Bau teurer als erwartet (LZ, 9. Oktober 2013)

    Neuer Kostenschub am Uni-Bau? (LZ, 5. Februar 2014)

    Prüfbericht bestätigt schwere Fehler bei der Planung des Libeskind-Baus (LZ, 14. Februar 2014)

    Schlagabtausch über Libeskind-Bau im Landtag (LZ, 26. Februar 2014)

    Land will Libeskind-Bau der Uni trotz schwerster Bedenken weiterbauen (LZ, 27. März 2014)

    Prüfer rütteln an Uni-Titel (29. März 2014)

    Rücktrittsforderungen an die Uni-Spitze (LZ, 4. April 2014)

    Staatsanwälte stellen Ermittlungen gegen Holm Keller ein (LZ, 14. April 2014)

    Haushaltsausschuss gibt Landesmittel für Libeskind-Bau frei (LZ, 21. Mai 2014)

    Leuphana geht leer aus – Uni-Pleite bei Milliarden-Projekt (LZ, 12. Dezember 2014)

    Ministerin zu Richtfest für Libeskind-Bau: Spektakuläres Gebäude, kritischer Zeitplan (LZ, 15. Januar 2015)

    „Es gibt immer einen kritischen Punkt“ – Interview mit Daniel Libeskind (LZ, 21. Januar 2015)

    Maschinenhalle der Leuphana: Ministerium lehnt Keller-Pläne ab (LZ, 16. Februar 2015)

    Lüneburgs Stadtrat und Kreistag bürgen mit für den Erfolg des Leuphana-Libeskind-Abenteuers (LZ, 17. März 2015)

    Libeskind-Bau: Kostensprünge als Konstante (LZ, 8. Juni 2015)

    Spannend ist es auch immer hinter der Bühne des Leuphana-Theaters (LZ, 22. Juni 2015)

    Libeskind-Bau +++ Erneute Kostenspekulation +++ Wissenschaftsministerium soll von knapp 90 Millionen Euro ausgehen (LZ, 5. August 2015)

    Leuphana sagt: Alles im Plan beim Libeskind-Bau (LZ, 7. August 2015)

    Libeskind-Bau: 15 Prozent höhere Kosten (LZ, 9. Dezember 2015)

    Vizepräsident Keller verlässt Uni Lüneburg +++ mit Video (LZ, 8. Januar 2016)

    Libeskind-Bau zehn Millionen Euro teurer (LZ, 3. Februar 2016)

    Libeskind-Bau kratzt an 90 Millionen (LZ, 2. Juni 2016)

    Noch kein Vertrag in Sicht (LZ, 6. Juli 2016)

    Libeskind-Bau: für ein paar Millionen Euro mehr (LZ, 19. Oktober 2016)

    • Der Film wird garantiert nicht kinder- und jugendfrei, sollte man aus dieser langen Liste von grellen Horrormeldungen und den darunter beschriebenen erschreckenden Gruselclownerien tatsächlich mal einen machen.