Aktuell
Home | Lokales | Dahlenburg | Die Postbank packt in Dahlenburg ein
Edeka-Chef Detlef Hartmann steht vor dem Postschalter in seinem Markt in Barendorf. Auch hier will die Post die Postbank-Leistungen streichen. Immerhin konnte Hartmann eine Fristverlängerung bis zum 30. Juni 2017 erreichen. Foto: be

Die Postbank packt in Dahlenburg ein

Dahlenburg. Die Kündigung kam schriftlich und überraschte nicht nur Sky-Marktleiter Thomas Scholle, sondern verprellt nun auch etliche langjährige Kunden: Zum 31. Oktober wird die Postbank in Dahlenburg ihre Leistungen einstellen. Gleiches plant das Unternehmen offenbar in Barendorf, wo die Postagentur vom dortigen Edeka-Markt betrieben wird. Hier läuft die „Gnadenfrist“ vorerst bis zum 30. Juni 2017. Helga Welling aus Barendorf ist empört: „Gerade die älteren Kunden auf dem Land sind mit dieser Konzern-Entscheidung angeschmiert“, schimpft die 64-Jährige: „Um Geld abzuheben, Überweisungen zu tätigen oder Geld aufs Sparbuch einzuzahlen, müssten wir künftig bis nach Lüneburg.“
In das Postbank-Finanzcenter an der Sülztorstraße. Doch das ist schon jetzt mächtig überlastet (LZ berichtete).

Über den Umgang mit den Kunden und die Informationspolitik der Postbank ist auch Kristina Otten verärgert: „35 Jahre bin ich jetzt Postbank-Kundin“, berichtet die Marienauerin. Erfahren habe sie von der Herausnahme der Postbank-Leistungen aus der Postagentur in Dahlenburg aber nur durch Zufall: „Ich hatte das zuerst für einen Scherz gehalten“, gesteht die 54-Jährige. Als sie sich via Internet bei der Postbank beschwerte, ploppte zu allem Überfluss in ihrem Rechner ein Fenster im Bildschirm auf, in dem sie sich zur Kundenzufriedenheit äußern sollte. „Na, denen habe ich was erzählt“, sagt Otten.

„Eine absolute Frechheit“ 

Auch mit ihren Geschäftspartnern geht die Postbank wenig zimperlich um: Detlef Hartmann, Inhaber des Edeka-Aktiv-Marktes in Barendorf, sagt. „Was die Post macht, ist eine absolute Frechheit: Als ich die Kündigung in Händen hatte, war ich richtig pissig.“ Der Barendorfer Kaufmann will das so nicht akzeptieren: „Wenn die tatsächlich nur die Postbank-Leistungen streichen wollen, dann mache ich die ganze Postagentur in meinem Laden dicht“, kündigt er an. Die „Drohung“ zeigte offenbar Wirkung: Nachdem die Postbank-Dienstleistung auch hier zum 31. Oktober gestrichen werden sollte, konnte Hartmann nach Gesprächen mit den Verantwortlichen die Frist bis 30. Juni hi­nausziehen. „Dann sollen erneut Gespräche stattfinden.“ Postsprecher Martin Grundler bestätigt: „Beim Standort Barendorf gibt es noch keine Entscheidung.“

Anders in Dahlenburg: „Die einseitige Kündigung durch die Post wurde zum 31. Oktober ausgesprochen“, bedauert der dortige Sky-Marktleiter Thomas Scholle. Auch wenn es sich „nur“ um die Herausnahme von Postbankleistungen handle, die Post-agentur selbst bestehen bleibe, kann Scholle den Ärger seiner Kunden gut verstehen. Nicht nur er stellt sich die Frage: Welche Strategie fährt die Postbank?

„Wir überprüfen Filialstandorte und ihr Serviceangebot auch unter dem Kriterium der Wirtschaftlichkeit“, sagt Post-Specher Martin Grundler. Generell sei im Bankengeschäft festzustellen, dass die Nachfrage aufgrund geänderten Kundenverhaltens rückläufig sei. Grundler: „Viele Kunden nutzen vermehrt Online- und Telefonbanking.“

Erst der Anfang vom Ende auf dem Land?

Dahlenburg ist wohl erst der Anfang vom Ende von Postbankleistungen bei Partnerfilialen auf dem platten Land. Ob es demnächst weitere Schließungen geben wird? „Ich kann das nicht ausschließen“, sagt Grundler, der noch einen „Tipp“ parat hat für Kunden, die nun bald ohne Postbankfiliale dastehen: „Die nächstgelegene Filiale mit Postbankleistungen finden Kunden unter www.postfinder.de oder durch einen Anruf beim Kundentelefon unter Tel.: (0228)4333112.“

Das sagen die Bürgermeister

Dahlenburgs Samtgemeindebürgermeister Christoph Maltzan ist sauer über das Vorgehen der Postbank: „Die Entscheidung, die Postbankdienstleistung aus Dahlenburg abzuziehen, kann nicht in unserem Interesse sein“, macht der Verwaltungschef deutlich. Auch wenn Post und Postbank inzwischen keine staatlichen Unternehmen mehr seien, „aber sie haben noch immer ein gewisses Ansehen – gerade auf dem Lande“.

In einem Schreiben an die Verantwortlichen der Postbank will sich Maltzan für den Erhalt der Postbank-Dienstleistung in Dahlenburg einsetzen. Außerdem will er das Thema auch in der Runde der Hauptverwaltungsbeamten ansprechen. Diesen Vorschlag unterstützt sein Amtskollege Norbert Meyer, Samtgemeindebürgermeister in Ostheide: „Wenn sich jetzt auch die Banken aus der Fläche zurückziehen, ist das ein echter Verlust für den ländlichen Raum. Vor allem für die ältere Generation.“ kre

2 Kommentare

  1. Wie schon einige Male angemerkt:

    Hier geht es nur noch um Wirtschaftlichkeit und Gewinnmaximierung für den Aktionär. Aber das war damals ja so gewollt, als das Staatunternehmen „Deutsche Bundespost“ zerschlagen wurde.

    Gleiches lässt sich auch im Gesundheitswesen beobachten: Schließung von Krankenhäusern auf dem „flachen Lande“, Patienten frisch operiert als geheilt entlassen und so weiter.

    • Nicht zu vergessen dass die Postbank zu 100% eine „Tochter“ der Deutschen Bank ist. In welchem schwierigen und unruhigen Fahrwasser sich die Deutsche Bank zur Zeit befindet und Stellenabbau in großem Umfang betreibt ist ja bekannt. Dazu gehören eben auch Filialschließungen. Verdammt Kundenfreundlich. Aber es gibt ja auch noch andere Banken und Sparkassen. Doch leider stehen auch die ausnahmslos unter Kostendruck und müssen rationalisieren. Der Gewinn steht immer an erste Stelle. Service und Kundenfreundlichkeit… denken wir drüber nach wenn Zeit ist. Aber ein wenig lässt sich der „schwarze Peter“ auch noch weiter schieben. Es ist natürlich auch eine Folge der andauernden Niedrigzinspolitik der EZB.