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Florian Kienast grenzt mit den Fingern den Bereich ein, für den er die künstlerische Oberleitung hat: die Gas­tronomie in den Geschossen 5,6 und 8, zusätzlich für die siebte Etage, in der sich unter anderem die Toilettenanlagen, Service- und andere Räume befinden. Foto: t&w

Elbphilharmonie: Gastronomie made in Lüneburg

Von Rainer Schubert
Lüneburg/Hamburg. „Die Elbphilharmonie wird mit das bedeutendste Konzerthaus der Welt, auf einer Stufe mit Sydney und New York. Sie hat Weltklasse­niveau.“ Das sagt ein Lüneburger, der seit einigen Wochen fast täglich auf der Baustelle ist: Florian Kienast ist verantwortlich für die Innenarchitektur des über drei Stockwerke führenden Gastro-Bereichs, der neuen Hamburger Top-Location mit Blick aufs Hafenpanorama, die am 4. November eröffnet wird. Der Auftrag war für ihn ein Glücksfall: „Vom zeitlichen wie auch vom Investitionsvolumen her unser größtes Projekt.“ Ein Glücksfall, den sich der Design-Dirigent allerdings hart erarbeitet hat.

„Egal, was der Gast sieht, es muss für ihn ein Erlebnis sein“

Mit seinem siebenköpfigen Team des Unternehmens formwaende aus Innenarchitekten, Produkt- und Grafikdesignern hat der 40-Jährige das komplette Konzept entwickelt und umgesetzt: „Wir haben nicht nur Fußboden und Gardinen ausgesucht, sondern wir haben die künstlerische Oberbauleitung vor Ort, entscheiden, welche Oberflächen Gegenstände erhalten, welche Farbtöne.“ Da wird das Augenmerk aufs kleinste Teil gelegt: „Das fängt bei der Tischdekoration an und geht auch bis zur Bekleidung der Mitarbeiter. Egal, was der Gast sieht oder wo er hinfasst, es muss für ihn ein Erlebnis sein — und da haben wir unseren Blick drauf.“ Auch bei der Wahl der Zulieferer für den Innenausbau vom Fliesenleger bis zum Maler galt das Wort aus Lüneburg.

Mehr darf Kienast aktuell über das Konzept für den knapp 1000 Quadratmeter großen Bereich noch nicht erzählen, denn die Gastronomie Störtebeker Elbphilharmonie stellt das Design-Konzept offiziell erst am 2. November beim „Pre-Opening“ vor, ab 4. November ist der Gastro-Bereich dann für die Öffentlichkeit zugänglich. Betreiber ist die Störtebeker Elbphilharmonie GmbH, hinter ihr stehen die Hamburger east-Gruppe und die Störtebeker Braumanufaktur aus Stralsund.

Der formwaende-Geschäftsführer ist gebürtiger Hamburger

Der formwaende-Geschäftsführer ist gebürtiger Hamburger, lernte im Schneverdinger Ortsteil Heber Tischler, machte sein Fach-Abi nach und wirkte als Geselle in einer Bremer Tischlerei. „Ich absolvierte dann eine Weiterbildung zum Techniker an der Fachschule für Technik und Gestaltung in Flensburg.“ Dort fand er schnell Freunde, einige hatten Kontakte nach Lüneburg: „Mit zwei von ihnen gründete ich 2001 im e.novum das Innenarchitekturbüro formwaende. Den Begriff Start-up gabs da noch nicht.“

Das Team blieb nur etwas mehr als ein Jahr in den Räumen am Munstermannskamp, seine Karriere hat Florian Kienast auch dem Chef von Dedon, dem in Lüneburg ansässigen Hersteller exklusiver Outdoor-Möbel, zu verdanken: „Eines Tages klopfte es, in der Tür stand Bobby Dekeyser. Er sagte: ,Ihr seid die jungen Kreativen. Damit begann die Erfolgsgeschichte.“ Seither hat das Kienast-Team mehr als 250 Projekte realisiert, zu den Referenzen gehören unter anderem die Restaurants Heritage und Clouds sowie das Hotel east in Hamburg, die Showrooms und Luxus-Gartenmöbel von Dedon in Lüneburg und Barcelona sowie ­Gastronomiekonzepte von Sylt bis Mallorca.

Projekt lag durch längere Bauzeit drei Jahre auf Eis

Der Lüneburger, der gerne Rennrad fährt, kam vor 13 Jahren mit Vertretern der east-Gruppe zusammen, die Chemie, „das Persönliche stimmte“, die Partner ergänzten sich, etliche Ideen wurden umgesetzt: „Vor acht Jahren kam dann das Angebot mit der Elbphilharmonie, wir haben sofort ein Design-Konzept auf Basis des Food- und Gastro-Konzepts von Störtebeker gestrickt.“ Und das gefiel. Weniger gefielen den Lüneburgern die Diskussionen um die Kostenexplosionen, die Bauzeitverlängerungen und der zwischenzeitliche Baustopp: „Wir legten das Projekt drei Jahre lang zur Seite.“

Nun aber steht das Großprojekt vor der Vollendung, das ihn viel Zeit gekostet hat: „Für meine Frau und meine drei kleinen Kinder aber habe ich mir meine Zeit genommen.“ Und vielleicht tritt Florian Kienast, der seit 26 Jahren Schlagzeug spielt, ja selbst mal in der Elbphilharmonie auf der Bühne auf — mit der Lüneburger Band Somebody & Soul, bei der er seit acht Jahren an den Drums sitzt.

Drei Konzepte für drei Geschosse

Das formwaende-Team hat seine Konzepte entsprechend dem jeweiligen Gastro-Angebot angepasst. Und das wird laut Florian Kienast auf den drei Etagen serviert:

5. Obergeschoss: Restaurant- und Barbereich. Unter dem Motto „Beer & Dine“ gibt es nordische Küche nach dem Foodpairing-Prinzip: „Serviert werden innovative Gerichte aus der gehobenen Küche mit saisonalen Zutaten, perfekt abgestimmt auf die Störtebeker-Brauspezialitäten.“

6. Obergeschoss: Shop- und Tastingbereich. Unter dem Motto „Taste & Shop“ gibt es Verköstigung und Verkauf. Neben exklusiven Jahrgangs- und Spezialbieren sowie 20 Bieren vom Fass gibt es mit Biersommeliers täglich Bier-Verkostungen und kulinarische Köstlichkeiten.

8. Obergeschoss: Snackbereich. Unter dem Motto „Deck & Deli“ werden unter anderem Gebäckspezialitäten, Sandwiches sowie Eiscreme auf der Plaza angeboten, ebenso Erfrischungsgetränke, Wein und Kaffeespezialitäten.

One comment

  1. Klasse Projekte, Hut ab, das Glück ist mit den Tüchtigen.