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Zuletzt leitete der Hamburger Hochbau-Ingenieur Dr. Akbar Nassery das Bauamt der Stadt Diepholz. Jetzt soll er frischen Wind in die Bauverwaltung des Landkreises Lüneburg bringen. Foto: dth

Der Neue beim Landkreis: Bürger sollen sich „wohlfühlen“

Von Dennis Thomas

Lüneburg. Der Hochbau-Ingenieur Dr. Akbar Nassery (38) ist der neue Mann an der Spitze des Fachdienstes Bauen des Landkreises Lüneburg. Der aus Afghanistan stammende Hamburger, aufgewachsen in Großhansdorf, hat an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Architektur studiert und schließlich an der Hafencity Universität promoviert zum Thema „Erdbebengerechtes Bauen mit Lehm“. Zunächst war Nassery für das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein in Lübeck tätig, war dort zuständig für Landes- und Bundesliegenschaften. Zuletzt war er vier Jahre lang Bauamtsleiter der Stadt Diepholz. Jetzt übernimmt er in der Lüneburger Kreisverwaltung die Leitung eines Amtes, das sich auch unter Bürgermeistern den Ruf einer „Bauverzögerungsbehörde“ erworben hat. Mit der LZ sprach Nassery über seine Ambitionen und die neue Herausforderung.

Interview

Herr Dr. Nassery, was zieht Sie nach Lüneburg?
Dr. Akbar Nassery: Ich komme ja aus der Metropolregion Hamburg und mein Ziel war es, wieder hierherzuziehen. Für mich ist es ein Privileg in der Metropolregion Hamburg zu arbeiten, als einer der wenigen wachsenden Regionen in Europa. Ich möchte hier meinen Beitrag leisten, dass sie weiter wächst und noch stärker wird. Auch die Nähe zu meiner Heimat Hamburg spricht für Lüneburg. Der Umzug steht aber noch bevor. Noch komme ich jeden Morgen aus Bremen hierher.

In der Bauverwaltung des Kreises herrscht, von außen betrachtet, nicht gerade eitel Sonnenschein. In den Kommunen wird längst von der Bauverhinderungs- oder Bauverzögerungsbehörde gesprochen. Wie werden Sie damit umgehen?
Wer bei der Bauaufsicht arbeitet, ist immer im Fokus der Öffentlichkeit. Das ist kein einfacher Job. Aber ich habe nicht den Eindruck gewinnen können, dass unser Fachdienst Bauen eine Bauverhinderungsbehörde ist. Es ist leicht zu urteilen, dass die Behörden immer alles verhindern. Doch wir müssen bedenken, müssen Gesetze umsetzen, die wir vorgeschrieben bekommen. Dafür haben wir als Beamte einen Schwur geleistet. Nach meinen Erfahrungen, die ich jetzt in meinen ersten zwei Wochen im Amt gemacht habe, habe ich eine hochmotivierte Mannschaft. Die Kollegen des Fachdienstes sind sehr gewillt, so schnell wie möglich zu arbeiten. Aber Sie wissen: Die Metropolregion Hamburg wächst und die Anzahl der Bauanträge wächst damit auch. Da bitte ich die Antragsteller, etwas Rücksicht darauf zu nehmen. Unsere Behörde arbeitet auf Hochtouren, aber wir können nicht alles zeitgleich bewältigen. Diesen Ruf, der unglücklicherweise entstanden ist

… darf ich kurz ein Beispiel einwerfen: Wenn Behördenmitarbeiter mehr als 200 Jahre alte Gebäude als Schwarzbau einstufen, weil keine Bauunterlagen dafür vorliegen und gegenüber Kommunalvertretern laut über Abriss nachdenken, hat der Ruf wenig mit Unglück zu tun.
Ich rede ungern von Schwarzbauten. Gerade bei solchen historischen Bauwerken, die sehr alt sind, ist es manchmal schwer nachvollziehbar, ob es zu diesem Zeitpunkt eine Baugenehmigung oder überhaupt eine Baugenehmigungsbehörde gegeben hat. Und wenn ein Objekt da ist und zum Beispiel unter Denkmalschutz steht, dann ist es das oberste Gebot, das nicht als Schwarzbau abzustempeln, sondern zu sichern und zu erhalten als Stück der Baukultur.

Was wird in den nächsten Wochen und Monaten für Sie die größte Herausforderung?
Eine große Herausforderung wird es sein, Land und Leute im Landkreis Lüneburg kennenzulernen. Ich habe vor, mich bei den Kollegen in den Kommunen persönlich vorzustellen. Das wird viel Zeit kosten. Aber ich mache das gerne. Ich will ja auf der kommunalen Ebene arbeiten, weil ich die Nähe zu den Menschen brauche. Ich bin ein Freund von persönlichen Gesprächen und nicht von großen Aktenvermerken und langen Briefen. Dafür ist auch eine neue Struktur und ein neues System im Bauamt notwendig, damit unsere Arbeit den Kommunen und den Bürgern zugutekommen kann.

Das heißt, Sie sind kein klassischer Paragraphenreiter?
Wir müssen uns natürlich an die gesetzlichen Vorgaben halten. Aber es ist die Frage, wie man Paragraphen reitet und welche Stellschrauben man noch drehen kann. Ich möchte, dass sich auch die Bürger bei uns wohlfühlen wie in ihren eigenen vier Wänden.

One comment

  1. Fragen Sie doch bitte mal die Sparkasse Lüneburg zum Thema Bauverhinderungsbehörde. Fast alle Projekte im landkreis Lüneburg werden mit Knüppeln beworfen und blickiert. und das, wo der Bedarf an Wohnraum größer ist als jemals zuvor. Weldfremd nenne ich das und das Glück der Bürger ist hier offensichtlich sehr vielen egal!!!!!