Aktuell
Home | Lokales | Eisbrecher für Lauenburg
Unter anderem der 1954 gebaute Eisbrecher Steinbock soll ersetzt werden. Wie die Schwesterschiffe kommt er seit Jahrzehnten auf Elbe, Elbe-Lübeck-Kanal und Elbe-Seitenkanal zum Einsatz. Foto: tja

Eisbrecher für Lauenburg

Geesthacht. Millionen-Segen für die Eisbrecher-Flotte des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Lauenburg: Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat im Haushalt für 2017 die ersten 500.000 Euro von vorgesehenen sechs Millionen Euro für zwei moderne Eisbrecher eingestellt. „Das sollen möglichst Mehrzweckschiffe werden, die nicht nur zum Eisaufbruch genutzt werden können“, berichtet Norbert Brackmann. Der CDU-Bundestagsabgeordnete aus Lauenburg hatte sich die teilweise veraltete Flotte der Spezialschiffe 2014 angesehen und sich für den Ersatz eingesetzt.

Ersetzt werden sollen die Eisbrecher „Stier“ (Baujahr 1951) und „Steinbock“ (Baujahr 1954). „Die entsprechen ja nicht mehr den heutigen Anforderungen“, meint Brackmann. 2011 hatte das WSA mit dem „Keiler“ erstmals seit 1987 wieder einen neuen Eisbrecher in Dienst gestellt. Fünf Millionen Euro hatte der Eisbrecher damals gekostet. Allerdings ist er mit 33,21 Metern Länge größer als die jetzt vorgesehenen Modelle mit nur 22 Metern.

Mehrzweckschiffe sollen zum Einsatz kommen

Auf der Lauenburger Hitzler-Werft werden seit Jahren Eisbrecher und Mehrzweckschiffe gebaut, zuletzt für die Hamburger Hafenbehörde. Foto: tja
Auf der Lauenburger Hitzler-Werft werden seit Jahren Eisbrecher und Mehrzweckschiffe gebaut, zuletzt für die Hamburger Hafenbehörde. Foto: tja

Insgesamt zehn Eisbrecher sind im Geesthachter WSA-Hafen stationiert. In den vergangenen Jahren waren sie massiv gefordert, zuletzt 2012, als sich von Kirchwerder bis weit die Elbe hinauf eine Eisbarriere gebildet hatte und der Wasserabfluss blockiert war. Es bildete sich ein dramatisches Hochwasser, gerade noch rechtzeitig gelang der Durchbruch bis zum Stauwehr an der Geesthachter Elbbrücke, so dass das Eis aus dem Oberlauf der Elbe abfließen konnte.

„Bei unserer Entscheidung war uns wichtig, nicht nur für einen 1:1-Ersatz, also neue Eisbrecher für die alten Eisbrecher, zu sorgen. Vielmehr wollen wir gerne Mehrzweckschiffe in Dienst stellen, die man auch im Sommer für andere Aufgaben nutzen kann“, berichtet Brackmann. Die Hamburger Hafenbehörde HPA hatte in den vergangenen Jahren vier solche Mehrzweckschiffe für den Einsatz im Hafen der Metropole auf der Lauenburger Hitzler-Werft bauen lassen. Die Werft verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen im Bau von Eisbrechern und anderen Spezialschiffen für Behörden.

Die „Arbeitsschiffe mit Eisbrecheigenschaften“ genannten neuen Schiffe sind in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) bereits 2006 durch die Bundesanstalt für Wasserbau Hamburg entwickelt und der Auftrag zum Bau eines ersten Prototypen an eine Firma in Wilhelmshaven erteilt worden.

Schiffe im Sommer für andere Aufgaben nutzen

Da es sich um einen Prototypen für eine Reihe neuer eisbrechender Arbeitsschiffe handelte, mussten neben der umfangreichen Entwicklungsarbeit während der Bauzeit etliche technische Herausforderungen bewältigt werden. Nach einer Erprobungsphase im Binnen- und Seebereich und der Durchführung weiterer technischer Verbesserungen, wurden diese Arbeitsschiffe bei den Ämtern Rheine, Meppen, Magdeburg und Braunschweig in Dienst gestellt.
„Das WSA Lauenburg wird nun der nächste Standort der WSV sein, der über dieses moderne Arbeitsschiff verfügen wird. Es ist leistungsstark, sehr manövrierfähig und verfügt über ein sogenanntes Stülpsteuerhaus. Das heißt, das Steuerhaus ist in der Höhe verstellbar, um auch unter niedrigen Brücken durchfahren zu können“, erklärt Brackmann. Die Beschaffung der beiden neuen Schiffe soll im Zeitraum 2017 bis 2019 erfolgen.

Von Timo Jann