Donnerstag , 20. September 2018
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Arbeitseinsatz für Schafe, Wolf und Nutztierhalter: Peter Probst (v.l.), Ralf Hentschel, Thomas Mitschke, Christine Pätzold, Uwe Martens, Klaus Todtenhausen, Antje Oldenburg, Solveig Hecht, Lilith und Levin sind mit Eifer und Spaß dabei. Foto: cw

Zaun hilft Schaf und Wolf

Reinstorf. „Ich kenne diese Leute gar nicht, aber ich bin so froh, dass es sie gibt und dass sie mir helfen, meine Weide sicherer zu machen.“ Solveig Hecht schaut über die Streuobstwiese des Wirtschaftskreises Reinstorf, auf der sie ihre rauwolligen pommerschen Landschafe weiden lässt. Rundherum sind Menschen damit beschäftigt, einen Zaun zu bauen. Nicht irgendeinen Zaun, sondern einen, der Wölfe abhalten soll. Die Menschen, die ihr dabei helfen, kommen aus allen Teilen Niedersachsens und gehören zu der Initiative Wikiwolves und dem Freundeskreis Wolf.

Mit Schaufeln und Bagger im Einsatz

„Wir begrüßen die Rückkehr des Wolfes und wollen den Nutztierhaltern helfen“, erklärt Antje Oldenburg das Engagement der Ehrenamtler. Sie ist gemeinsam mit Klaus Todtenhausen aus einem Ort an der Aller angereist mit Fahrrad und Zug. Um fünf Uhr morgens sind sie aufgestanden, um einer ihnen wildfremden Frau zu helfen. „Ich finde es gut, wenn die Halter sich rechtzeitig um solche Zäune bemühen, damit gar nicht erst etwas passiert“, betont Antje Oldenburg.
Solveig Hecht ist glücklich, dass ihr so schnell geholfen wurde. „Ich hatte von den Wolfsrissen in der Nachbarschaft gehört und wollte wissen, was ich tun kann“, erzählt sie. Freunde brachten sie auf Wolfsberater Uwe Martens, der dann Wikiwolves, den Freundeskreis Wolf und den Nabu Lüneburg mit ins Boot holte. „Ich wollte eigentlich nur wissen, was ich tun kann, und plötzlich waren da all diese Kontakte und die Freiwilligen.“

Solveig Hecht hatte ihre Weide schon mit Strom abgesichert, aber „eben oben statt unten“. Was viele nämlich nicht wissen: Der Wolf geht unter den Zäunen durch, nur ganz selten springt er. „Deshalb muss der Zaun auch gar nicht so hoch sein“, erklärt Uwe Martens. Viel wichtiger seien 20 Zentimeter Zaun, die im Boden als Untergrabungschutz dienen und eine Stromleitung am Boden. Dafür buddelten die Freiwilligen mit Schaufel und später sogar mit einem Bagger.

Angebot besteht seit einem Jahr

Es ist die erste Zaunbauaktion im Landkreis Lüneburg und erst die zweite in Niedersachsen, obwohl das Angebot, Nutztierhaltern beim Bau der Zäune zu helfen, schon seit einem Jahr besteht, wie Christine Pätzold von Wikiwolves berichtete. Sie ist Ansprechpartnerin für Arbeitseinsätze in ganz Niedersachsen und koordiniert die Freiwilligen.
„Dabei ist es so wichtig vorzubeugen“, sagt sie. „Wenn es erst einmal einen Riss gegeben hat, dann schlagen die Wogen wieder hoch.“ Normalerweise reißen Wölfe kaum Nutztiere, sondern bevorzugen Rehe, Rothirsche oder Wildschweine. Auch Nabu-Chef Thomas Mitschke betont: „Risse dürfen nicht zur Tagesordnung gehören.“ Ihm ist sehr daran gelegen, die Akzeptanz des Wolfes zu erhöhen. „Die Zäune helfen den Haltern, den Weidetieren und dem Wolf.“

Viele Nutztierhalter wissen gar nicht um die Initiativen, die sich mit solchen Einsätzen für den Wolf und die Halter starkmachen. „Das ist total schade, denn so kann man einfach und schnell etwas unternehmen“, sagt auch Klaus Todtenhausen.
Doch die Wolfsfreunde brauchen auch noch Unterstützer: Menschen, die einen Tag lang eine Schaufel in die Hand nehmen und Zäune ziehen. „Je mehr wir sind, desto besser und schneller können wir helfen“, sind sich alle Beteiligten einig. Infos gibt es unter www.wikiwolves.org im Internet.

Von Claudia Wesch