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Der Hörsaal ist voll: 180 Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren machen mit bei der Kinder-Uni. Foto: t&w

Leuphana Uni Lüneburg: Kleine forschen wie die Großen

Von Carlo Eggeling
Lüneburg. Zahnbürste, Flaschen, Verpackungen, Fahrradhelm, Möbel Plastik ist überall im Alltag zu finden. Und wenn Mädchen und Jungen darüber nachdenken, kommen sie auf eine Menge Beispiele, wo das Material eine Rolle spielt. Prof. Dr. Simone Abels spannte am Sonnabend in ihrem Eröffnungsvortrag einen breiten Bogen, um den Zuhörern, die zur Kinder-Uni in die Leuphana gekommen waren, die Bedeutung von Plastik zu erklären. Die Juniorprofessorin unterrichtet die Didaktik der Naturwissenschaften, sie hilft also, das Lernen zu lernen.

Mit der Kinder-Uni versucht die Hochschule, sich schon den Jüngeren zu öffnen und ihnen die Faszination von Forschung zu vermitteln. Rund 180 Mädchen und Jungen im Grundschulalter saßen gespannt im Hörsaal1, die meisten begleitet von ihren Eltern. Das Konzept der aktuellen Kinder-Uni hat Prof. Dr. Matthias Barth mit seinen Kolleginnen Sabine Richter und Kirsten Bruhn erarbeitet, einige andere Wissenschaftler und Studenten helfen bei der Umsetzung. An insgesamt vier Vormittagen treffen sich die Teilnehmer, um in zehn Seminaren Fragen auf den Grund zu gehen und Grundzüge wissenschaftlichen Arbeitens kennenzulernen. Am 3. Dezember sollen die Ergebnisse dann präsentiert werden. Ein Motor der Veranstaltungsreihe ist die Universitätsgesellschaft um den Lüneburger Unternehmer Klaus Bergmann, die das Ganze finanziell unterstützt.

Flaschen in Seen und Flüssen sind eine Gefahr für Fische

Leuphana
Prof. Dr. Simone Abels nahm die jungen Forscher mit auf eine Wissensreise.“ Foto: t&w

Zurück zum Plastik. Simone Abels erklärte den Kindern, dass in der Regel Erdöl die Basis für Kunststoff bildet. Das wird aufgespalten, um Fasern zu gewinnen. Das Material hat viele Vorteile: Es kann hart und weich sein, starr und flexibel, es lässt sich beliebig formen und ist leicht. Da Erdöl nicht unbegrenzt zur Verfügung steht, nutzen Forscher inzwischen auch Pflanzen, um ähnliches Material zu gewinnen. Auch Kautschuk, also der Saft von Gummibäumen, wird seit langem verarbeitet. Das Wort findet sich zum Beispiel wieder bei Gummistiefeln.

Doch so viel Kunststoff bringt auch Probleme mit sich: Müll. Da nicht alle sorgsam damit umgehen, landen Flaschen und Verpackungen in Flüssen und Meeren. Eine Gefahr beispielsweise für Vögel und Fische, die Plastik fressen oder sich darin verheddern und umkommen. Auch dauert es zum Beispiel 450 Jahre bis eine Flasche aus Plastik verrottet. Ein weiteres Stichwort ist daher Recycling, also die Mülltrennung und das Wiederverwenden von Kunststoff, der sich von einer Verpackung dann vielleicht in eine Regenrinne weiterverarbeiten lässt.
Welche Eigenschaften Kunststoff besitzt, konnten die Kinder ganz einfach erfahren: mit einem Luftballon. Der dehnt sich, verändert seine Temperatur, wenn man ihn zieht und wieder zusammenschnurren lässt ein erstes Experiment.

Nachwuchs geht auf Entdeckerreise

Damit ging es in die Seminare. Die nehmen den Nachwuchs mit auf Entdeckerreisen, zum Beispiel um zu erklären, dass Kunststoff auch aus Milch und Kartoffeln gewonnen werden kann und dann biologisch abbaubar ist. In einem anderen Kursus gehen die Forscher der Frage nach, warum Plastik im Duschgel und in ihrer Kleidung steckt, wieder andere beschäftigen sich damit, warum Legosteine aus einem anderen Material als Joghurtbecher gefertigt werden.

Aber Plastik bedeutet auch „Rhythmus, Klang und Musik“. 17 Mädchen und Jungen erarbeiten mit den Lehramtsstudentinnen Sarah-Sophie Meyer, Lisa Schloo und Hannah Lunderup, dass man Röhren und Gefäße aus Kunststoff als Instrumente nutzen und wie man damit trommeln, rasseln, klopfen kann. Emilia, Frederic, Henry und die anderen hatten in ihrem ersten Seminar viel Spaß. Und sie lernten: Wissenschaft ist eine tolle Sache.

4 Kommentare

  1. Werner Schneyder

    Im LZ-Artikel vom 28.9. steht: „Die Universitätsgesellschaft hat die Kinderuni 2016 angeregt und fördert sie, um zu zeigen, dass die Leuphana auch für kleine Menschen interessant sein kann.“ Die Kinder-Uni wurde aber bereits im Jahre 2004, intensiv von der LZ begleitet, an mehreren Samstagen unter der Leitung von Prof. Saldern durchgeführt. Die Resonanz war überwältigend und Kinder hörten auch nicht nur zu. Dies führte dazu, dass die KinderUni noch vier Jahre jährlich mit 5-6 Veranstaltungen durchgeführt wurde. Und dann landete das Raumschiff mit dem neuen Präsidium ….

    • Richtig, Werner Schneyder. Und mit zunehmender Fassungslosigkeit blicken deshalb auch heute manche Kolleginnen und Kollegen von Prof. Saldern in die Gesichter ihrer „Studierenden“, in denen sich Angst und Erwartung zu seltsamer Leere paaren. Die „wirtschaftsnah“ Bologna-Prozessierenden und das durch diese erzwungene „Studienmodell neuen Typs“ an der Leuphana haben aus der Universität ein Trainingscamp für Menschen gemacht, die sich bereits seit dem Kindergarten um das karrieretechnisch und kommerziell verwertbare Design ihrer Lebensläufe sorgen.

      • Paula
        ich verstehe ihre aufregung, meiner meinung nach haben sie recht. aber was ist mit den eltern und den jugendlichen, die sich die leuphana als uni ausgesucht haben? sind das alles menschen , die reinfallen, oder sind es welche, die unser wirtschaftssystem nur benutzen wollen ,um auf kosten anderer schneller reich zu werden? ob die ausbeutung so lieben, dass sie sich auch gern dabei selbst ausbeuten? schmunzel.

      • Von Studenten, die auf Kosten der Steuerzahler ein Studium absolvieren, erwarte ich das Erlangen eines kommerziell verwertbaren Abschlusses.