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Prof. Dr. Christian Weiß und Jörg Gerdes mit einer Box, in der Kunststoffdeckel gesammelt werden. Deren Erlös fließt in das Rotary-Projekt PolioPlus. Foto: be

Impfung ist der beste Schutz gegen Polio

Von Antje Schäfer

Lüneburg. „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam“ mit diesem Slogan nahm die Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1962 den Kampf gegen Kinderlähmung auf. Der Hintergrund: Im Jahr zuvor hatte es allein 4670 Neuerkrankungen gegeben, innerhalb von drei Jahren nach Beginn der ersten Impfkampagne war die Zahl der Neuerkrankungen auf 50 gesunken. Die letzten beiden durch Polio-Wildviren hervorgerufenen Fälle traten 1986 und 1990 auf. Am heutigen Welt-Polio-Tag, der erstmals 1998 durch Unicef und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ausgerufen wurde, soll an die Wichtigkeit von Impfungen erinnert werden. Denn weltweit ist die durch Polioviren hervorgerufene Infektionskrankheit noch nicht ausgerottet.

Eine Therapie gegen die Ursachen der Kinderlähmung gibt es nicht

Bei der von Viren ausgelösten Infektionskrankheit erfolgt die Ansteckung über die Aufnahme verschmutzter Lebensmittel oder Wasser beziehungsweise durch Schmierinfektion. Folge können vorübergehende oder anhaltende Lähmungen sein. Eine Therapie gegen die Ursachen der Kinderlähmung gibt es nicht. „Der beste Schutz gegen eine Infektion ist die vorbeugende Impfung“, sagen Prof. Dr. Henning Henningsen und Prof. Dr. Christian Weiß, Chefärzte des Lüneburger Klinikums. Henningsen ist Mitglied im Rotary Lüneburg, Weiß zurzeit Präsident des Rotary Lüneburg Hansestadt. Die beiden Clubs engagieren sich für das größte Projekt von Rotary International: Polio-Plus. Ziel ist es, die Krankheit weltweit auszurotten. (siehe Kasten)

In einer globalisierten Welt steigt Gefahr der Infizierung

Europa ist zwar seit 2002 „poliofrei“, doch Länder wie Nigeria, Pakistan und Afghanistan kämpfen weiter gegen diese tückische Krankheit. 2013 meldete die Weltgesundheitsorganisation den Ausbruch der Krankheit in Syrien, wo die letzte Infektion 1999 gemeldet worden war. Grund war die gesunkene Immunitätsrate. „In einer globalisierten Welt steigt die Gefahr der Infizierung unter anderem aufgrund der Reisefreudigkeit. Deshalb ist es wichtig, dass die Durchimpfungsrate bei uns in Deutschland weiter auf hohem Niveau gehalten wird. Gleichzeitig ist es aber unerlässlich, in Ländern, in denen die Infektionskrankheit noch auftritt, alles dafür zu tun, um sie Polio-frei zu machen“, so die Mediziner.

Das Robert Koch Institut weist darauf hin, dass eine Zirkulation des Poliovirus in Deutschland nur dann verhindert werden kann, wenn die Durchimpfungsrate bei mehr als 95 Prozent liegt. Eine Impfung sei so lange notwendig, bis der Krankeitserreger weltweit ausgerottet sei. Einer vollständigen Grundimmunisierung im Kindesalter sollte eine Auffrischungs­impfung im Alter von 9 bis 17 Jahren folgen.

Das größte Projekt von Rotary

Das größte Projekt, das Rotary International in seiner 111-jährigen Geschichte angepackt hat, ist PolioPlus. „Seit dem Start im Jahr 1985 konnten 99 Prozent der Aufgabe, die Welt von Polio zu befreien, erfüllt werden“, bilanzieren Jörg Gerdes, Präsident von Rotary Lüneburg, und Prof. Dr. Christian Weiß, Präsident von Rotary Lüneburg Hansestadt. 1,1 Milliarden Euro Spenden seien bisher zusammengekommen, mehr als zwei Milliarden Kinder konnten geimpft werden.

Dieser Erfolg sei gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation, dem Kinderhilfswerk Unicef sowie der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC erzielt worden. Ein weiterer wichtiger Partner: die Bill & Melinda Gates Foundation. „Bis 2018 hoffen wir, dass das Ziel erreicht ist: eine Welt ohne Polio.“

Eine von verschiedenen Aktivitäten, mit denen die beiden Lüneburger Serviceorganisationen das Projekt unterstützen, lautet: 500 Deckel. Es handelt sich dabei eine Sammelaktion von Kunststoff-Deckeln aus Polyethylen, dazu sind vielerorts Boxen aufgestellt. Die Deckel werden dann an eine Recyclingfirma verkauft, der Erlös geht zugunsten des Projekts PolioPlus. Mit je 500 Deckeln wird eine Schutzimpfung finanziert. Bei der letzten Sammlung kamen laut Prof. Weiß 1,6 Tonnen zusammen.