Aktuell
Home | Lokales | Gellersen | Kinderheim zu verkaufen
Das ehemalige Kinderheim an der Altenbrückertorstraße steht leer, die Bewohner sind umgezogen auf das Gelände der alten Schlieffenkaserne. Jetzt will die Stadt das Gebäude verkaufen. Foto: t&w

Kinderheim zu verkaufen

Lüneburg. Noch im August hatte die Stadt gesagt, dass sie keinen Druck sehe, das ehemalige Kinderheim an der Altenbrückertorstraße zu verkaufen. Über die Zukunft werde sie erst im nächsten Jahr nachdenken. Nun ist das anders: Bei einem Immobilienportal und auf ihrer eigenen Internetseite bietet die Stadt das gelbe Haus mit seinem markanten Türmchen an. Das Mindestgebot soll bei 500000 Euro liegen für eine Gesamtfläche im Gebäude von 658 Quadratmetern und dem knapp 1600 Quadratmeter großen Grundstück. Die vor Jahren in die Ilmenau geplumpste Kaimauer muss der Käufer aber ebenfalls mitsanieren.

Wie berichtet, hatte das Jugendamt dort über Jahrzehnte junge Leute untergebracht, zum Schluss minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Die zogen in Haus 40 aufs Gelände der alten Schlieffenkaserne um. Im August noch hatte Sprecherin Suzanne Moenck erklärt, trotz sinkender Flüchtlingszahlen wolle die Kommune Reserven behalten.

Käufer müsste Kaimauer ebenfalls sanieren

Die Kaimauer ist vor Jahren weggebrochen, vor drei Jahren haben Arbeiter Sicherungsarbeiten erledigt. Foto: A/t&w
Die Kaimauer ist vor Jahren weggebrochen, vor drei Jahren haben Arbeiter Sicherungsarbeiten erledigt. Foto: A/t&w

Im Exposé ist nachzulesen, dass die Stadt beim Verkauf nicht nur auf den Preis, sondern auch auf das vorzulegende Nutzungskonzept schaue: „Daraus macht sich die Stadt ein Gesamtbild und entscheidet dann, wer den Zuschlag erhält.“ Das Haus steht unter Denkmalschutz, der bezieht sich nicht nur auf die Fassade, sondern auch auf weite Teile des Inneren. Umbauten seien nur eingeschränkt möglich. So muss eine „repräsentative Holztreppe“ erhalten bleiben.

Nachbarn machen sich Sorgen, dass ein Käufer nicht nur die Villa im Blick hat, sondern auch den Garten als künftige Baufläche. Doch auch der müsse erhalten bleiben, heißt es im Angebot. So darf eine mächtige Rotbuche nicht gefällt werden, zudem gelte für das Ilmenauufer die höchste Naturschutz-Kategorie Flora-Fauna-Habitat. Das scheinen nicht alle Interessenten gelesen zu haben: So berichtet ein Anwohner, dass er eine Anfrage erhalten habe, ob man einen Weg in Richtung Garten für Baufahrzeuge nutzen dürfe.

Das würde aus seiner Sicht auch Sinn ergeben, denn die Sanierung der Kaimauer hatte die städtische Servicegesellschaft AGL vor drei Jahren mit 381000 Euro veranschlagt. Rechne man den Kaufpreis hinzu, komme man schnell auf eine Summe von mehr als 1,5 Millionen Euro: „Wie soll sich das amortisieren?“ Die Stadt verweist auf ihre Vorgaben.

Von Carlo Eggeling

Gelbe Villa

Das Gebäude, zwischen Lösegraben und Ilmenau gelegen, prägt den Weg in Richtung Stadtmitte. Als „Villa Olga“ wurde es 1894/95 von Albert Heyn erbaut, er war einer der Besitzer der Portland-Cement-Fabrik. Die zählte damals zu den wichtigsten Betrieben der Stadt. Der Unternehmer hatte das Ensemble mit dem langgestreckten Garten am Fluss auf dem Areal eines ehemaligen Gerber-Hofes errichten lassen. Nachdem Heyn die gelbe Villa verkaufte, wurde sie 1933 zum Zweifamilienhaus, berichtet Doris Böker in ihrer Denkmaltopographie.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges kam das Haus in städtischen Besitz, seit 1949 diente es als Kinderheim. Es ist nicht nur von außen ein markanter Punkt im Bild der Stadt, aus Sicht Doris Bökers hat es auch „innere Werte“, dazu gehören farbige Bodenfliesen und Stuckdecken: „Dieses Gebäude präsentiert in seiner Gesamtheit ein qualitätsvolles Beispiel großbürgerlicher Lebenskultur am Ende des 19. Jahrhunderts.“

2 Kommentare

  1. Darf ich mal raten wer dann den Zuschlage bekommt ?! Ich schreibe die 3 Namen hier mal auf den Zettel … und dann können wir ja gucken wer es am Ende wird (und ein „überzeugendes Konzept“ vorlegt).

    • Garantiert falsch, Ron, denn …

      I C H nehme die Villa. Doch nur, weil Haus und Garten nach meinen Vorstellungen, aber zu Lasten der Stadtkasse hochwertig saniert, renoviert und modernisiert sowie die Finanzierungs-, die Betriebs- und die Pflegekosten für mindestens neunzig Jahre von der öffentlichen Hand übernommen werden. Auch die erwartete Selbstverständlichkeit eines monatlich hohen sechstelligen Euro-Zuschusses zur Entlastung meiner Haushaltsmittel ist für den gleichen Zeitraum bereits fest abgemacht.

      Gewusst wie, gelle?