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Die Redner der dreistündigen Auftaktveranstaltung (v.l.): Abschnittsbrandmeister Thomas Ruß aus dem Heidekreis als Moderator, Bürgermeisterin Regina Baumgarten, Geschäftsführer Hans-Werner Lange, Vorsitzende Helga Neumann, stellvertretende Landrätin Elke Stange und Regierungsbrandmeister Dieter Ruschenbusch. Foto: be

„Woche für die Blinden 2016“

Von Rainer Schubert
Lüneburg. „Die volle Teilhabe der Behinderten ist eine Herzensangelegenheit der Sozialpolitiker.“ Das untermauerte Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, am Sonnabend in der Lüneburger Ritterakademie beim Eröffnungskonzert zur Sammlung der „Woche für die Blinden 2016“. Thematisch steht die Blindheit als Unfallfolge im Mittelpunkt.

Erhöhung des Blindengeldes in der Diskussion

„Ein Mensch, der an einer Augenkrankheit erkrankt, kann sich auf seine abnehmende Sehkraft einstellen“, sagte die Ministerin: „Kommt die Blindheit bei einem Unfall schlagartig, braucht er ein Leben lang Unterstützung.“ Und dafür werden nun bei der Haus- und Straßensammlung des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen bis zum 6. November Unterstützer gesucht. Ministerin Rundt: „Mit dem Geld werden die Beratung, die Betreuung von Behinderten, die Hilfe für die Selbsthilfegruppen und die Ausstattungen der Beratungsstellen gefördert.“ Die Ministerin äußerte, dass aktuell eine Erhöhung des Landesblindengeldes in der Diskussion sei. Zurzeit erhalten Blinde in Niedersachsen zum Ausgleich der durch die Blindheit bedingten Mehraufwendungen 320 Euro bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres und danach 300 Euro, sind sie in stationären Einrichtungen untergebracht, gibt es 100 Euro. Das Bundesteilhabegesetz beschäftigt auch die niedersächsische Landesregierung, Cornelia Rundt: „Alle Landesministerien sind gerade dabei, ein Aktionsprogramm zusammenzustellen für die Umsetzung der Inklusion.“

Hans-Werner Lange, Geschäftsführer des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen, erinnerte an die Anfänge der Sammlung. Direkt nach dem Krieg, „alle hatten Not“, wurde in der Weihnachtszeit Brennmaterial zusammengetragen: „Schon damals haben wir Mitverantwortung übernommen, wollten nicht alles dem Staat überlassen — dafür steht unser Verband.“ Schon schnell habe man mit den Feuerwehren starke Partner gefunden, die die Sammlungen unterstützen.

Das Augenlicht kann nur in den seltensten Fällen wiedererlangt werden

„Um einen erfolgreichen Lebensweg gehen zu können, muss die Behinderung akzeptiert werden“, sagte Lange und stellte die elementare Frage: „Wie geht es weiter, wenn die Welt dunkel geworden ist? Uns ist es wichtig, dass wir den Betroffenen Perspektiven zeigen, ihnen Mut machen.“ Er zog den Vergleich zwischen Menschen, die nach einem Unfall mit gebrochenem Arm ins Krankenhaus kommen und schnell geheilt werden können, und Menschen, die durch einen Unfall erblinden: „Das Augenlicht kann nur in den seltensten Fällen wiedererlangt werden.“ Als Skandal bezeichnete er es, dass es in Deutschland für solche Fälle keinen Kostenträger gibt: „Es muss ein Recht auf eine soziale Rehabilitation geben.“ Was sein Verband dank der Sammlung und anderer Spenden leisten kann, formulierte Lange so: „Wie kann ich meinen Haushalt führen? Wie kann ich zurück in den Berufsalltag finden? All das sind Fragen, bei denen unser Verband helfen kann.“

Die stellvertretende Landrätin Elke Stange, Bürgermeisterin Regina Baumgarten und Regierungsbrandmeister Dieter Ruschenbusch zollten den Sehbehinderten und Blinden Respekt dafür, wie sie ihren Alltag meistern. Elke Stange beispielsweise wies darauf hin, dass „Blindheit jeden treffen kann“. „Die Politik der Inklusion braucht die Unterstützung der Betroffenen“, sagte Stange und setzte sich für ein barrierefreies Leben ein, das aber auch Probleme aufwerfe: „Das barrierefreie Umrüsten von historischen Gebäuden wie in Lüneburg kostet viel Geld.“

Musikzug begeistert mit flotten Märschen

Für das Engagement aller Beteiligten bedankte sich die Hohns­torferin Helga Neumann, sie ist Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverbandes Niedersachsen.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen aber nicht die Reden, sondern die Musik des Musikzuges der Freiwilligen Feuerwehr Artlenburg. Die Musiker in Uniform präsentierten Märsche ebenso wie ein Stück aus dem Maffay-Kindermusical „Tabaluga“. Und sie ließen Winnetou und Old Shatterhand musikalisch durch die Ritterakademie reiten.

Der Verband

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BVN) unter Leitung von Helga Neumann aus Hohnstorf vertritt die Interessen und Belange blinder und sehbehinderter Menschen Niedersachsens in allen Lebensbereichen. Er hat 3500 Mitglieder und etwa 380 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter.

Der Verband stellt seine Arbeit auf eine breite Basis an Erfahrung und Kompetenz und wird so seinem Anspruch auf die Mitgestaltung eines sozial verantwortlichen Miteinanders behinderter und nicht behinderter Menschen gerecht. Er erfüllt seine Aufgaben durch Beratungs- und Betreuungsstellen seiner Regionalvereine und zahlreiche Bezirks- und Kreisgruppen.

Der Verband berät in Niedersachsen zu allen Fragen rund um die Themen Sehbehinderung und Blindheit. Er bietet speziellen Fach- und Interessengruppen Raum und er ist auf dem Weg zur Patientenorganisation, indem er mit von Ärzten und Psychologen geleiteten Veranstaltungen zu einer besseren medizinischen Aufklärung über Augenkrankheiten und den Umgang mit diesen beiträgt. Er spricht Menschen mit seinen unterschiedlichsten Freizeit- und Kulturangeboten an, er informiert über seine Print- und Hörmedien wie die Verbandszeitschrift „gemeinsam“, das BVN-Radio und nicht zuletzt auch über das Internet.