Donnerstag , 14. November 2019
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Sieben Windräder drehen sich bereits im Windpark am südlichen Ortsrand Südergellersens. Ein achtes soll dazu kommen. Foto: t&w

Weg frei für Windkraft in Südergellersen

Südergellersen. Das Thema Windkraft beschäftigt den Gemeinderat Südergellersen seit Jahren in regelmäßigen Abständen. Sieben Windräder drehen sich seit 2006 im Windpark am südlichen Ortsrand. Nun soll ein achtes hinzukommen. Und: In unmittelbarer Nähe schreiten in der Nachbargemeinde Oldendorf die Planungen für den Windpark Wetzen mit sieben Anlagen voran. Dessen Gebiet erstreckt sich wieder­um mit einer kleinen Teilfläche bis auf die Südergellerser Gemarkung.

Für beide Flächen hatte der Rat Bebauungspläne aufgestellt, die jetzt bei der Sitzung im Südergellerser Dorfgemeinschaftshaus auf der Tagesordnung standen. Die Politiker zogen einen Schlussstrich zum einen unter die laufende Legislaturperiode, zum anderen unter die Planentwürfe, die als Satzung bei einer Gegenstimme beschlossen wurden. Damit ist der Weg frei für die Pläne der Investoren.

Photovoltaik und Windkraft geplant

Südergellersen Bürgermeister Steffen Gärtner. Foto: t&w
Südergellersen Bürgermeister Steffen Gärtner. Foto: t&w

Der vorhabenbezogene Bebauungsplan Nr. 2 „Drögennindorfer Weg-Süd“ umfasst eine Fläche von rund elf Hektar im Süden des Windparks Südergellersen. Hier plant ein örtlicher Landwirt neben der vorhandenen Photovoltaikanlage den Bau einer weiteren Windenergieanlage (WEA), die mit einer Nennleistung von 3300 Kilowatt und einer Höhe von 200 Metern deutlich leistungsstärker und höher als die bestehenden ist. Beim B-Plan Nr. 3 „Wetzer Weg“ geht es ebenfalls um eine Anlage. Beide Standorte liegen rund 2000 Meter südlich des Ortsrands.

„Wenn wir Zweifel haben, ob die Schallgrenzen eingehalten werden, können wir das gutachterlich prüfen lassen.“
Steffen Gärtner (CDU)Bürgermeister Südergellersen

Ablehnende Stellungnahmen zu den Vorhaben hatten unter anderem der Naturschutzbund Lüneburg und die Bürgerinitiative BIWOS abgegeben, deren Sorge vor allem der Vogelwelt gilt: So sei ein in der Nähe brütendes Schwarzstorchpaar wie auch Fledermäuse, Rotmilan und andere Vogelarten durch den Bau der WEA, die sich insgesamt über drei Vorranggebiete (Südergellersen, Wetzen, Oerzen) erstrecken, bedroht.

Hierzu nahm der Verfasser des Umweltberichts, Günter Ratzbor, noch einmal in der Sitzung Stellung: Die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Lüneburg habe klargestellt, dass alle artenschutzrechtlichen Bedingungen sach- und fachgerecht abgearbeitet wurden. Das Schwarzstorchpaar sei leider in diesem Jahr während der Brutzeit aus seinem Horst verjagt worden. „Wir hoffen, sie kehren zurück“, sagte Ratzbor. Da das Plangebiet 1700 Meter nordwestlich des Brutplatzes liege und sich die Schwarzstörche eher in südlicher Richtung orientierten, stelle der Windpark keine Gefahr da.

Feste Rotationszeiten zum Schutze der Natur

Zum Schutz von Fledermäusen werden Abschaltzeiten beim Betrieb der Rotoren vorgeschrieben. Großes Lob gab es für die geplanten Ausgleichsmaßnahmen: So sollen die Fischteiche am südlichen Dorfrand zu einem „erlebbaren Biotop“ umgestaltet und ökologisch aufgewertet werden. „Das ist eine ideale Situation, denn der Landkreis hat hierfür ein Konzept, die Gemeinde nimmt das in die Hand“, sagte Ratzbor.

Aufgenommen wird auch eine Anregung der Bürgerinitiative: Mit der Anpflanzung einer hohen Hecke aus Büschen und Bäumen soll der Blick vom Dorf in Richtung Windpark unterbrochen werden. Die Kosten für die Kompensationsmaßnahmen tragen die Investoren. Bürgermeister Steffen Gärtner (CDU) wies auf eine weitere vertragliche Regelung hin: „Wenn wir Zweifel haben, ob die Schallgrenzen eingehalten werden, können wir das gutachterlich prüfen lassen.“

Insgesamt zeigte er sich zufrieden mit dem Ergebnis. „Wir haben versucht, viel Öffentlichkeit herzustellen und einen Bürgerdialog zu führen.“ Der Bürgerinitiative dankte er für ihre „konstruktive Mitarbeit“. Gärtner: „Wir wollten das Beste für die Gemeinde rauszuholen und haben am Ende auch viel erreicht.“

Von Ute Klingberg-Strunk