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Hermann Kraake ist Bauherr, seine Schwester Uta die Architektin. Die beiden sanieren das mehr als 300 Jahre alte geschichtsträchtige Fachwerkhaus im Herzen Dahlenburgs und bewahren es so vor dem Verfall. Foto: phs

Dahlenburg: 300 Jahre altes Fachwerkhaus saniert

Dahlenburg. Was treibt einen Berufsschullehrer dazu, ein großes, unter Denkmalschutz stehendes und zudem sanierungsbedürftiges Fachwerkhaus in Dahlenburgs exponiertester Lage zu kaufen? „Idealismus“, sagt Hermann Kraake, als sei das das Normalste der Welt: „Ich will etwas für den Ort machen und zeigen, dass auch in Dahlenburg etwas geht.“ Bei vielen Immobilien-Investoren mögen solche Worte zum Firmen-Image gehören, Hermann Kraake aber meint das genau so, wie er es sagt: Seit Jahren schon beobachtete er den fortschreitenden Verfall des Gebäudes.

Nach dem Tod des letzten Besitzers stand das Haus zum Verkauf da konnte der „Ur-Ellringer“, wie er sich selbst bezeichnet, nicht Nein sagen. Jetzt also ist er der Besitzer des zweit­ältesten Wohnhauses in Dahlenburg mit einer bewegten Vergangenheit.

Ehemaliges Rathaus zwischen 1670 und 1720 gebaut

„Errichtet wurde das Gebäude vermutlich zwischen 1670 und 1720“, berichtet Bauherr Kraake, genauer lasse sich das Datum nicht eingrenzen, „denn im Bauaktenarchiv des Landkreises wurden keine alten Akten oder Baupläne gefunden“, ergänzt Uta Kraake, Schwester des Bauherren und Architektin, die die Bauleitung innehat. Seit Sommer sind die Arbeiten im Gange und das ist deutlich sichtbar: Im ersten Bauabschnitt wurde bereits die Fassade zur Straßenseite und zum Marktplatz saniert. Konkret bedeutete das den Austausch von maroden Fachwerkhölzern von Schwellen, Stielen und Rähmen.

Gefache wurden neu ausgemauert, das Dach wurde neu eingedeckt, der alte, durch jahrelangen Wasser­eintritt marode Giebel durch einen neuen ersetzt. Außerdem wurde der Fassadenanstrich erneuert. Doch Hermann Kraake weiß: Das war nur der Anfang. In den nächsten Bauabschnitten sind die Restaurierung der alten Haustür, die Erneuerung der Treppenanlage und der Hofmauer geplant. Im Haus selbst befinden sich fünf Wohnungen. „Heizung, Elektrik und Bäder stammen aus den 1990er-Jahren und sind soweit noch in Ordnung“, sagt Kraake, „da gibt es auch keine Beschwerden von den Mietern.“

Kooperativer Denkmalschutz

Viele Bauherren und auch so mancher Bürgermeister im Landkreis hatte in der Vergangenheit lautstark über die Baubehörde des Landkreises geschimpft. Den negativen Eindruck kann Architektin Uta Kraake so nicht bestätigen, im Gegenteil: „Der Denkmalschutz zeigt sich sehr kooperativ.“ Zuspruch und Unterstützung erfahren die beiden aber auch von den Dahlenburgern selbst. „Die finden es gut, dass das Haus am Marktplatz wieder hergerichtet wird“, freuen sich die beiden Ellringer.

Und wie das so ist bei der Renovierung eines alten Gemäuers, von dem auch keine Pläne mehr existieren, stößt man auch immer wieder auf die eine oder andere Überraschung. Zum Beispiel auf viele alte Zeitungen „die älteste ist mehr als 120 Jahre alt“, berichtet Hermann Kraake. „Außerdem“, so der Bauherr, „soll es einen Tunnel geben, der vom Haus unter dem Marktplatz zur Kirche führt.“ So ist das eben mit alten Gemäuern. Sie machen viel Arbeit, sind aber auch voller Geheimnisse.

Von Klaus Reschke

Ein Haus mit Geschichte

Das Fachwerkgebäude am Dahlenburger Marktplatz hat im Laufe seiner mehr als 300-jährigen Geschichte bereits viele Besitzer erlebt. Belegt ist, dass das Haus bis 1783 als Rathaus genutzt wurde. Danach wechselten die Eigentümer, unter anderem befand sich im Erdgeschoss auch ein Kaufhaus.

1896 startete die neu gegründete Spar- und Darlehenskasse in der Immobilie, die von 1900 bis 1940 den Kaufmannsfamilien Rudolf und Ludwig Kamin gehörte. Ab 1940 bis 1974 war das Fachwerkgebäude wieder Rathaus, danach Arbeitsamt und Arzthaus der Familie von Dietz. Nach dem Umzug der Verwaltung in das neue Rathaus auf der gegenüberliegenden Straßenseite in den 1970er-Jahren wurde das freiwerdende Gebäude zunächst als Asylbewerberheim, dann als Mietshaus mit fünf Wohnungen genutzt.

Von 1978 an gehörte das Gebäude der Familie Hoyer aus Dahlenburg, die es jetzt an Hermann Kraake aus Ellringen verkauft hat. kre