Donnerstag , 15. November 2018
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Noch ist es Acker, doch geht es nach der Firma Manzke, soll auf der Fläche zwischen Lentenau und Scharnebeck (Blick aus Richtung Lentenau) in Zukunft Sand abgebaut werden. Foto: t&w

Sandabbau bei Scharnebeck?

Scharnebeck. Zwei aktive Bodenabbau-Gebiete gibt es bereits in der Samtgemeinde Scharnebeck. Nun könnte ein drittes dazu kommen und zwar direkt am Scharnebecker Ortsrand. Wie Geschäftsführer Dr. Matthias Krause bestätigt, will die Volkstorfer Firma Manzke auf einer Fläche von 9,1 Hektar zwischen Scharnebeck und Lentenau Sand abbauen. Ein entsprechender Antrag beim Landkreis Lüneburg ist gestellt, „und wir stecken gerade mitten im Genehmigungsverfahren“, sagt Kreissprecherin Katrin Holzmann.

Zehn aktive Bodenabbaugebiete gibt es aktuell im Landkreis Lüneburg, klarer Schwerpunkt: die Samtgemeinden Scharnebeck und Ostheide. Grafik: kleinebrahm
Zehn aktive Bodenabbaugebiete gibt es aktuell im Landkreis Lüneburg, klarer Schwerpunkt: die Samtgemeinden Scharnebeck und Ostheide. Grafik: kleinebrahm

Insgesamt gibt es im Landkreis Lüneburg aktuell zehn Bodenabbau-Gebiete, die noch aktiv sind. Dazu kommen eine Vielzahl ehemaliger Anlagen sowie zwei potenzielle Gruben in Dahlem/Harmstorf und Göddingen, deren Genehmigungsfähigkeit der Kreis derzeit ebenfalls prüft. Grundsätzlich erteilt die Behörde nur dort eine Abbauerlaubnis, „wo das Vorhaben mit den Belangen des Natur- und Wasserschutzes vereinbar ist“, erklärt Holzmann. „Gewährleistet sein muss zudem die Rekultivierung der Anlage.“

Die Planungen für den Sandabbau auf der Ackerfläche zwischen Scharnebeck und Lentenau laufen bei der Firma Manzke seit rund zwei Jahren. „Wenn uns eine Fläche als geeignet erscheint, müssen wir zunächst eine Kartierung machen“, erklärt Dr. Krause. Konkret bedeutet das, „dass wir eine Firma beauftragen, die gesamte Flora und Fauna auf dem Gebiet ein Jahr lang zu beobachten und zu erfassen“. Aufwendig, aber notwendig, um eine entsprechende Genehmigung vom Landkreis zu erhalten.

„Um die Grube ein wenig abzuschirmen, werden wir drumherum einen Erdwall aufschütten und bepflanzen.“
Dr. Matthias Krause, Manzke-Geschäftsführer

Erhält Manzke die beantragte Genehmigung, „wollen wir dort je nach Absatz 15 bis 20 Jahre lang Sand abbauen“, erklärt Krause. Insgesamt rund 450000 Kubikmeter. Verkauft werden soll der gewonnene Sand vor allem in der Region klassischerweise als Füllsand beim Haus- oder Straßenbau. Große Investitionen sind für den Abbau an sich nicht notwendig. „Um die Grube ein wenig abzuschirmen, werden wir drumherum einen Erdwall aufschütten und bepflanzen“, sagt der Manzke-Geschäftsführer. „Ansonsten wird nur ein Bagger benötigt, der je nach Bedarf Sand abbaut.“

Was mit der Fläche nach der Nutzung geschieht, muss der Investor schon im Genehmigungverfahren festlegen. Ebenso den konkreten Zeitplan. Wie ein Rekultivierungskonzept konkret aussieht, hängt von der Beschaffenheit der Fläche ab. „Grundsätzlich gilt: Der Eingriff in die Natur muss kompensiert werden“, erklärt Kreissprecherin Holzmann. Dazu werde mit dem abbauenden Unternehmen und dem Grundstücksbesitzer eine Ausgleichslösung im Sinne des Naturschutzes gefunden. „So kann zum Beispiel eine Grube durch die Anlage von Tümpeln oder Magerrasen wieder aufgewertet werden.“

Baut eine Firma auf einem ehemaligen Waldstück Boden ab, „muss dort danach wieder Wald angepflanzt werden“, sagt Krause. Bei der betroffenen Fläche in Scharnebeck handelt es sich aktuell noch um reines Ackerland, dort ist nach der Nutzung eine „Sukzession auf Sohle und Böschung“ geplant. Soll heißen: Das Gelände wird weitestgehend sich selbst überlassen. „Ein solcher Standort mit sehr nährstoffarmem Boden wird von vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten geschätzt“, sagt Krause.

Die Rekultivierung der Gruben erfolgt nach der Nutzung in enger Absprache mit den zuständigen Fachleuten des Landkreises Lüneburg. „Damit auch die Finanzierung einer Rekultivierung gesichert ist, müssen die Investoren zudem eine entsprechende Bürgschaft hinterlegen“, betont Katrin Holzmann.
Ob und wenn ja wann die Firma Manzke mit einer Genehmigung für den Sandabbau in Scharnebeck rechnen kann, ist derzeit noch nicht zu sagen. Beschäftigen wird das Thema zunächst noch einmal die Gemeinde Scharnebeck, die in dem Genehmigungsverfahren um eine Stellungnahme gebeten wurde. Geschäftsführer Dr. Matthias Krause zumindest setzt große Hoffnungen auf das Gebiet. „Ackerland, ein Standort außerhalb der Ortschaft, verkehrstechnisch gut zu erreichen mehr können wir uns eigentlich nicht wünschen“, sagt er.

von Anna Sprockhoff

Nachnutzung

Ein Beispiel dafür, was aus einer Sandgrube nach der Nutzung werden kann, ist die ehemalige Kiesgrube bei Wetzen. Dort hat sich bereits kurz nach dem Abschluss der Bodenentnahme eine Brutkolonie von bis zu 200 Uferschwalben gebildet, unter Anleitung des Fachdienstes Umwelt beim Landkreis Lüneburg ist das rund fünf Hektar große Gelände weiterentwickelt worden zum Spezialbiotop.

Der untere Bereich der Grube wurde mit lehmigem Boden neu aufgefüllt und modelliert, sodass bei Regen mehrere Kleingewässer entstehen. Optimale Bedingungen für die Kreuzkröte, in den naturbelassenen Randbereichen hat sich zudem eine vielfältige Vegetation ausgebildet.

2 Kommentare

  1. Ja, Scharnebeck liegt verkehrsgünstig – und erstickt schon jetzt im LKW Verkehr
    Renaturierung schön und gut, aber denkt eigentlich jemand auch mal an die Menschen, die hier leben?
    Schon jetzt donnern Kieslaster, Transporter und schwere Landmaschinen an manchen Tageszeiten im Minutentakt durch den Ort. Oft sind sie mit überhöhter Geschwindigkeit und gefährlich aggressiv in den engen, dicht befahrenen Straßen unterwegs, dass die Häuser zittern. Lärm so laut, dass man sich die Ohren zuhalten muss. Gefahrlos den Gehweg benutzen, als Radfahrer sicher unterwegs? Sicherer Schulweg? Fehlanzeige.
    Radfahren auf der Straße, in einigen Richtungen vorgeschrieben, ist lebensgefährlich, weswegen fast ausnahmslos alle die Gehwege benutzen und damit die Fußgänger gefährden.
    Und nicht nur das. Treffen LKW und andere breitere Fahrzeuge aufeinander, wird munter auf den Gehweg gebrettert, natürlich ohne die Bremse zu treten. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis hier ein Unglück geschieht.
    Sorry, aber verantwortungsvolle Infrastruktur-Planung und nachhaltige Verkehrspolitik sieht anders aus!
    Landmaschinen auf Landwege, LKW Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h im ganzen Ort. Das würde helfen. Aber darauf können die Bewohner des Ortes wohl noch lange warten. Die Gemeinde sieht die Verantwortung beim Kreis, weil die LKW ja hauptsächlich Kreisstrassen benutzen, und der Kreis? Der reagiert nicht auf Anfragen. Bis wirklich ein schwerer Unfall geschieht und das Geschrei groß ist.

    • Mann muss, bei allen Verständnis für die Anwohner, auch an die Menschen denken die jeden Tag arbeiten gehen. Ohne Wirtschaft gibt es auch keine Arbeit und ohne Arbeit nur Armut. Oder kommt in Scharnebeck das Geld einfach so aus dem Automaten?