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Der vermisste Ehering ist nach Monaten wieder aufgetaucht: in der Schachtel, in der er über Tausende Kilometer reiste. Marianne Glißmann ist glücklich, ihn wiederzuhaben. Foto: t&w

Die abenteuerliche Reise eines Eherings

Lüneburg. Der Ring war weg. Marianne Glißmann konnte ihn zu Hause nicht finden. Bei der Arbeit halfen ihre Kollegen bei der Suche, doch keine Spur vom Ehering mit der Gravur Hans-Werner 4.8.72. Es war ein Schock für die 62-Jährige, denn diesen Schmuck trägt sie ja aus Verbundenheit und das seit mehr als vier Jahrzehnten. „Ich wusste nicht, wo ich ihn verloren hatte“, sagt die Lüneburgerin, die in den Werkstätten der Lebenshilfe am Vrestorfer Weg arbeitet. Ein knappes Jahr später hat Marianne Glißmann ihren Ring wieder. Nach einer langen und weiten Reise. Rund 9000 Kilometer hin und 9000 zurück. Und vor allem durch Menschen, die ein großes Herz haben müssen.

Geschenk in einer kleinen Schachtel

Marianne Glißmann und Bettina Rusch vom Sozialdienst der Lebenshilfe erzählen die kuriose Geschichte. Marianne Glißmann hatte vor sieben Jahren einen Schlaganfall und sitzt seitdem im Rollstuhl. Da sie gerne arbeiten möchte, hat sie eine Stelle bei der Lebenshilfe. Mit ihren zehn Kollegen fädelt sie zum Beispiel Etiketten für eine Modefirma ein. Doch sie haben auch andere Aufträge: Für eine Firma verpacken sie besondere Filter für Kaffeemaschinen. Immer zwei kommen in eine Schachtel. Und so eine Schachtel kam jetzt zurück, gefüllt mit Seidenpapier und einem kleinen Säckchen, in dem der vermisste Ring lag.

Die Filter waren in Kalifornien gelandet. Als ein Kunde einen Filter in seine Kaffeemaschine setzen wollte, fiel ihm der Ring entgegen. Dem Amerikaner war offensichtlich klar, wie wichtig der Ehering ist. Er rief die Filter-Firma an. Dort traf er auf den „freundlichen John“, der helfen konnte: Die kleinen Kartons tragen eine Chargennummer und über die lässt sich nachvollziehen, wo die Filter produziert und verpackt wurden. Die Spur führte nach Lüneburg.

Ein netter Mann wird zum Detektiv

Der Mann in Kalifornien hat einen netten Brief geschrieben und erklärt, wie er den Weg des Ringes verfolgte und dass es ihm wichtig ist, dass der Reif wieder am richtigen Finger steckt. Das tut er nun, und Marianne Glißmann strahlt: „Mein Mann und ich sind überglücklich, dass sich die Leute so viel Mühe gemacht haben und ich den Ring nun wieder tragen kann. Das bedeutet mir viel.“
Natürlich hat Marianne Glißmann gemeinsam mit den Kollegen einen Brief mit einem dicken Danke geschrieben, der ist auch ins Englische übersetzt. Der soll dann nach Kalifornien gehen. Samt des Artikels in der LZ: „Die sollen sehen, wie wichtig das für uns ist.“ Ach ja, den Ring streift sie jetzt vor der Arbeit ab und passt gut auf ihn auf.

Von Carlo Eggeling