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Von außen sieht es aus wie alt: Mareike und Benjamin Weißenborn haben das alte Bauernhaus entkernt und saniert und dabei die Fassade gerettet. Dafür erhalten sie heute einen Preis. Foto: t&w

Radenbeck: 110 Jahre altes Backsteinhaus ausgezeichnet

Hannover. 15 Monate hat es gedauert dann hatten Benjamin und Mareike Weißenborn ihr Traumhaus fertig. Gebaut wurde es schon 1906, doch Weißenborns Heim teilt mit dem 110 Jahre alten Bauernhaus nur noch die Außenfassade. Von innen ist es komplett entkernt und saniert worden, nach energietechnisch höchsten Standards.

Den Radenbeckern ist das so gut gelungen, dass sie dafür nicht nur eine „Grüne Hausnummer“ (siehe Infobox) erhielten, sondern am Sonnabend von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel in Hannover auch noch den dritten Preis als „herausragender Träger“ so einer Hausnummer entgegennehmen. Denn dass ein Altbau den Energieeffizienz-Standard „KfW 100“ erhält, ist etwas besonderes vor allem, wenn es dem Gebäude von außen kaum anzusehen ist. „An dem Haus hängt etwas Sentimentalität“, erzählt der 35-jährige Weißenborn. In dem Gebäude ist seine Frau aufgewachsen. „Aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten hätte man auch die Abrissbirne bestellen und neubauen können.“ Das hätten ihnen auch einige Fachleute empfohlen, Weißenborns hatten aber anderes im Sinn. Sie taten sich mit der Klimawerk Energieagentur aus Lüneburg zusammen und erstellten einen „Sanierungsfahrplan“. „Dabei haben wir technische, wirtschaftliche und emotionale Aspekte berücksichtigt“, erklärt Geschäftsführer Sascha Komoll.

Von innen gedämmt

Um den hohen Energieeffizienz-Standard erfüllen zu können, musste vor allem gedämmt werden. Und da die Backsteinfassade erhalten werden sollte, erhielten die Wände ihre Dämmung von innen. Auch das Dach wurde saniert und eine Lüftungsanlage mit Wärmetauscher eingebaut. „Das Haus ist sehr dicht“, sagt Herr Weißenborn. Für die Gattin fühlt sich das noch seltsam an. „In meiner Kindheit war es sehr zugig“, erinnert sie sich. Ganz früher beherbergte das Gebäude auch Tiere, in den sechziger Jahren wurde es zuletzt saniert, danach gab es einzelne Ausbesserungen. Jede Bausünde der damaligen Zeit hätte in dem Heim ihren Platz gehabt, erzählt die Gartenbauingenieurin. Daran erinnert heute nichts mehr.

Finanzielle Unterstützung erhielten die zweifachen Eltern von der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau): „Wir erhielten zinsvergünstigte Kredite und eine Förderung der energetischen Beratung“, erklären sie. Dazu kam noch ein Zuschuss für die Heizanlage. Einfach zu verstehen seien die Förderkonzepte jedoch nicht. „Das ist ganz schön verworren, da bin ich manchmal auch mit Erklärung nicht durchgestiegen“, klagt ihr Mann. Hilfe erhielten sie da von ihren Energieberatern.

Von Preis überrascht

Und die freuen sich sehr über das Ergebnis der Zusammenarbeit. Als ein „Sanierungsprojekt mit Symbolcharakter“ bezeichnet Komoll das Haus der Weißenborns, und auch Stefanie Nicklaus von der Klimaschutzleitstelle Lüneburg ist angetan: „Wir sind stolz, dass ein Preisträger aus dem Landkreis Lüneburg kommt.“

Weißenborns waren sehr überrascht über den Preis. Über Freunde sind sie auf die Aktion der „Grünen Hausnummer“ aufmerksam geworden und bewarben sich. „Wir dachten uns: Kann man ja mal machen vielleicht gewinnt man ja was“ schmunzelt er. In der ersten Runde gingen sie aber leer aus, da hier das Los entschied. Dass es auch eine landesweite Ausschreibung gab, hatten sie eigentlich schon vergessen, bis sie vor wenigen Tagen die gute Nachricht erhielten. Und über den mit 500 Euro dotierten Preis freuen sie sich sehr.

von Robin Williamson

Die grüne Hausnummer

Eine „Grüne Hausnummer“ am Haus zeigt: Hier wohnt ein Klimaschützer. Sie ist eine Auszeichnung für energieeffiziente Sanierungen und Neubauten. Gestiftet wird sie von Stadt und Landkreis Lüneburg zusammen mit der Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen.

Wer nach dem 1. Oktober 2009 sein Haus saniert hat, kann sich bei der Klimaschutzleitstelle für eine „Grüne Hausnummer“ bewerben. Unter den Teilnehmern werden Geldpreise verlost.