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Andere Hunde warten im Tierheim nicht viel länger als vier Wochen auf ein neues Zuhause. Dino lebt schon seit anderthalb Jahren dort, ohne dass sich jemand bisher ernsthaft für ihn interessiert hat. Findet sich kein neues Zuhause, bleibt er den Rest seines Lebens im Tierheim. Foto: t&w

Tierheim Lüneburg: Ladenhüter Dino sucht neues Zuhause

Lüneburg. Dino weiß, was ihn erwartet, sobald er hinter der Zwingerwand im Tierheim Lüneburg die ersten Stimmen hört. Meistens steht er aus seinem Körbchen auf, stellt sich vor das Gitter und wartet. Wenn dann die Tür aufgeht und die ersten Füße vor ihm auftauchen, fängt er an zu kläffen. Wen genau er anbellt, erkennt Dino allerdings nur selten, denn kaum jemand macht sich die Mühe und bückt sich für ihn. Oft genügt den Menschen ein flüchtiger Blick auf den Dackelmischling, um zu entscheiden: Der nicht.

Für Dino ist das seit 18 Monaten Alltag. Menschen, die einen Hund suchen, kommen und gehen. Genau wie seine Zwingernachbarn kommen und gehen. Nur der neun Jahre alte Rüde bleibt, wartet inzwischen länger auf ein neues Zuhause, als alle anderen Hunde im Tierheim Lüneburg. „Dino ist unser Ladenhüter“, sagt Tierpflegerin Svenja Schulz. Für den 37 Zentimeter großen Mischling gab es seit seinem Einzug im März 2015 nicht einen ernsthaften Interessenten.

Im Schnitt wartet ein „normaler“ Hund im Tierheim nicht viel länger als vier Wochen auf einen neuen Besitzer. „Schwierig wird es nur für die Tiere, die chronisch krank oder aggressiv sind“, sagt der Vorsitzende des Lüneburger Tierschutzvereins, Jan Pleß. Er selbst hat mit dem Schäferhundrüden Max einen dieser Problemfälle in seiner Pflegestelle aufgenommen und ist überzeugt: Für den Hund wird sich kein neuer Besitzer mehr finden. „Max ist vom Veterinäramt offiziell als gefährlicher Hund eingestuft worden“, sagt Pleß. Für das Tierheim-Team ist sein Schicksal damit besiegelt. „So ein Hund ist eigentlich unvermittelbar.“

Ein Hund mit Herz und Charakter

Wie Dino zu dem Hund geworden ist, der er heute ist, weiß niemand im Tierheim. „Spaziergänger haben ihn im März 2015 in Bleckede ausgesetzt am Deich gefunden“, sagt Svenja Schulz. Einen Zettel um den Hals mit der Botschaft: „Mein Name ist Dino. Geboren am 10.8.2007.“ Mehr ist nicht bekannt über die Geschichte des Mischlings mit den kurzen Beinen. Schnell hat sich allerdings herausgestellt: Dino ist ein Hund mit Charakter. „Der weiß, was er will und was nicht.“ Und wenn er mal was wirklich nicht will, „kann es passieren, dass er schnappt“.
Die meisten Besucher, die nachmittags auf der Suche nach einem neuen Begleiter durch das Hundehaus gehen, lernen Dino aber gar nicht erst so gut kennen. „Dino ist kein Hund für den ersten Blick“, sagt Jan Pleß. Und Svenja Schulz ergänzt: „Zu den Besuchszeiten zeigt er nur sehr wenig von sich“. Das Ergebnis: Am Ende gibt es immer einen anderen Hund, der besser gefällt. Und Dino bleibt, wo er ist.

Hunde müssen funktionieren

Jan Pleß wundert das Schicksal des Dackelmischlings wenig. „Hunde müssen heute funktionieren“, sagt er. „Das heißt, sie sollen immer lieb und artig sein, dürfen nicht jagen, schnappen und am Besten auch nicht bellen.“ Das Risiko im Umgang mit dem Tier müsse gleich null sein. „Da wird es schon für etwas eigensinnige Hunde wie Dino verdammt schwierig, einen neuen Besitzer zu finden“, sagt Pleß.

Ein Herz allerdings hat der Dackelmischling trotzdem erobert und das offenbar nachhaltig. Christine Meyer geht seit Jahren mehrmals wöchentlich mit Hunden aus dem Tierheim spazieren, auch mit Dino ist die Heiligenthalerin alle paar Tage unterwegs „und ich hatte noch mit keinem Hund so viel Spaß wie mit ihm“, sagt sie. Mit seinem Witz bringe er sie regelmäßig zum Lachen, „man kann mit ihm tolle Tricks einstudieren und richtig was erleben“. Das perfekte neue Frauchen für Dino? „Vielleicht“, sagt Christiane Meyer. Noch sei die Hundefrage zu Hause nicht endgültig geklärt, aber wenn, dann kommt nur einer in Frage: „Ladenhüter“ Dino.

von Anna Sprockhoff

Tiervermittlung

Wer sich für ein Tier aus dem Tierheim Lüneburg interessiert, kann sich einen ersten Eindruck im Internet unter www.tierschutzverein-lueneburg.de verschaffen. Zu den Besuchszeiten können die Tiere in Augenschein genommen werden, die Tierpfleger beraten Interessenten, bei regelmäßigen Besuchen können die Tiere näher kennengelernt werden.

Die Übergabe eines Tieres erfolgt mit Abschluss eines Abgabevertrages auf Probe. Nach der Vermittlung erfolgt ein Nachbesprechungstermin mit den Mitarbeitern des Tierheims, das Team ist bemüht, alle vermittelten Tiere nach einer Eingewöhnungsphase in ihrem neuen Zuhause zu besuchen. Die Schutzgebühr liegt für Hunde zwischen 250 und 350 Euro, für Katzen bei 120 bis 145 Euro.