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Comicexperte Sebastian Oehler referierte im Gymnasium Lüneburger Heide über das Thema Comics und Graphic Novel.

Graphic Novel: Willkommen in der Welt der kleinen Quadrate

Melbeck. Was wäre die Welt ohne Bilder? Bilder an Wänden, auf Papier oder auch in Köpfen? Gar nichts, findet Sebastian Oehler. Eine Art Bilder hat es ihm ganz besonders angetan, nämlich die, die zusammen eine Geschichte erzählen eine Graphic Novel. Eigentlich ist das nichts anderes als ein Comic und doch auch so viel mehr. Wo der Unterschied ist, und was man damit alles machen kann, darüber referierte Oehler jetzt im Rahmen des Kulturprogrammes des Gymnasiums Lüneburger Heide in Melbeck.

„Ich habe alles gelesen, was eine Sprechblase hatte“, erzählte Oehler den Schülern. Zunächst als Junge, dann als Erwachsener, als er die Welt der gezeichneten Bilder neu entdeckte. Er weiß: Mit den kleinen Quadraten kann man viel erreichen für ihn ist es eine Kunstform und eine Brücke zwischen den Menschen. Oehler erklärte den Schülern zunächst die Definition eines Comics, nämlich mindestens zwei Bilder mit kleinem Leerraum dazwischen. Dann berichtete er von der Geburtsstunde des Comics. „Das war zu Beginn des 19. Jahrhunderts in amerikanischen Tageszeitungen“, sagte er. Damals hätten die bunten Bilder nicht nur den Sinn gehabt zu unterhalten, sie sollten auch Einwanderern beim Erlernen der Sprache helfen.

„Jeder kann einen Comic machen, selbst ohne Bilder oder ohne Worte.“ Sebastian Oehler, Autor

Oehlers Welt der Comics ist eine jenseits von „sprechenden Enten und Reportern mit Hund“, trotzdem ist die Graphic Novel ein Comic: Bilder und Sprechblasen. Auch, wenn sie durchaus ernste oder schwierige Themen behandeln. Er zeigte den Schülern, wie ein Comic entsteht vom Storyboard bis hin zum fertigen Buch und dass auch die Sprache eine Kunst für sich ist: „Man muss den Witz in eine sehr verkürzte Sprache legen“, erklärte er. Dazu komme eine weitere Herausforderung, wenn ein Comic ins Deutsche übersetzt werden soll. „Die deutsche Sprache ist nämlich länger als die meisten anderen, da bleibt nicht viel Platz.“ Oehler berichtete von berühmten Comic-Zeichnern, ermunterte die Schüler auch, selbst zum Stift zu greifen. „Jeder kann einen Comic machen, selbst ohne Bilder oder ohne Worte“, meinte er und zeigte Beispiele.

Die Idee zum Vortrag über die Graphic Novel hatten Deutschlehrer Timo Lüth und Dörte Christensen von der Schulbücherei. „Ich bin ein echter Literatur-Narr“, schmunzelt Oehler über sich selbst. „Ich erlebe immer wieder, dass die Schüler wahnsinnig viel Fantasie haben, aber sie benutzten sie lieber für neue Medien statt für Buchstaben.“ Die Graphic Novel könne ein Brückenschlag sein.

Die Schulbücherei hat mit Unterstützung des Fördervereins 50 ausgewählte Graphic Novels angeschafft Comics, die mehr können, als nur Spaß zu machen. „Graphic Novels können ein Einstieg in Fremdsprachen sein oder auch in Kunst oder Naturwissenschaften“, sagte Dörte Christensen. Gerade da sieht auch Lüth gute Verwendungen: „So kann man einen ganz neuen Zugang für Naturwissenschaften schaffen“, ist er begeistert.

Wie das funktionieren kann, lernten anschließend die Lehrer von Sebastian Oehler: Schließlich sollen die 50 Neuanschaffungen im Unterricht auch benutzt werden.

Von Claudia Wesch