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Freuen sich, dass die Pläne für die Neugestaltung der Synagogen-Gedenkstätte jetzt Fahrt aufnehmen: (v.l.) Carl-Peter von Mansberg und Harry Dörr vor einer Foto-Collage des künftigen Platzes. Foto: t&w

Architekt stellt Pläne für die Umgestaltung der Synagogen-Gedenkstätte vor

Von Ulf Stüwe
Lüneburg. Es hat lange gedauert, Diskussionen gab es viele, nun gibt es konkrete Pläne. Sechs Jahre, nachdem sich der Rat der Stadt die Neugestaltung der Gedenkstätte für die frühere Lüneburger Synagoge auf die Fahnen geschrieben hat, scheint das Projekt nun auf die Zielgerade zu kommen. Architekt Carl-Peter von Mansberg stellte jetzt auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Lüneburg seinen Entwurf vor.

„Mein erster Gedanke: der Erinnerung einen Raum geben, der Stele der letzten jüdischen Gemeinde von 1950 ein angemessenes Umfeld schaffen und die Empfindsamkeit bewahren“, erläuterte von Mansberg seinen Entwurf vor den knapp 30 Gästen, die zur Präsentation in den Gemeindesaal der St.-Nicolai-Kirche gekommen waren.

Kosten in Höhe von rund 195.000 Euro

Entstehen soll auf dem kleinen Grundstück an der Reichenbachstraße ein quadratisch angelegter, nach oben offener Raum mit 2,26 Meter hohen, mehrfach von Gittern unterbrochenen Außenwänden aus Sichtbeton. Im Zentrum steht die Stele aus dem Jahr 1950 inmitten eines in den aus Sandsteinplatten bestehenden Boden eingearbeiteten Davidsterns. Die Maße des Raumes 7,03 Meter mal 7,03 Meter sind laut Architekt identisch mit den Abmessungen des urprünglichen, zentralen Versammlungsraums. „Es ist also kein beliebiger Raum, der an diesem authentischen Ort oder was noch von ihm übrig geblieben ist entsteht“, sagte von Mansberg.

In der südlichen Stirnwand des neuen Raums ist als Halbrelief die Menora, der siebenarmige Leuchter als religiöses Symbol der Erleuchtung, eingelassen, an der Außenwand des zur Reichenbachstraße ausgerichteten Eingangsbereichs die Silhouette der am wenige Tage vor der Pogromnacht am 9. November 1938 auf Druck der Nazis abgerissenen Synagoge. Ferner sollen Bronzeplatten an den übrigen Wänden die Namen der jüdischen Lüneburger Bürger tragen, die während der Nazizeit ermordert oder deportiert worden sind.

800 Jahre jüdisches Lebens in Lüneburg

„Nach Jahren des Austauschs ist es endlich soweit, dass wir beginnen können“, freute sich Harry Dörr. Die Gedenkstätte bilde nicht nur einen Erinnerungsraum für die Opfer von Schikanen, Verfolgung und Vertreibung während der Nazizeit, er stehe auch für 800 Jahre jüdischen Lebens in Lüneburg, sagte der 2. Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Rund 195.000 Euro setzt von Mansberg für den Bau der Gedenkstätte an, 35.000 Euro mehr als noch vor vier Jahren, als Grund nannte er Preissteigerungen bei den Gewerken.

Ratsmitglied Ernst Bögershausen (Grüne) stellte die geplante Höhe der Betonwände infrage. Der bisherige Vorsitzende des Kulturausschusses erklärte, der Ausschuss habe sich für niedrigere Mauern ausgesprochen, da die Kosten „in einem nicht zu rechtfertigenden Verhältnis zu dem Ziel“ stünden. Dies brachte Architekt von Mansberg auf den Plan: „Der Entwurf kann jetzt nicht beliebiger Spielball werden. Für das Zentralgebäude der Universität werden 100 Millionen Euro ausgegeben und hier streiten wir über etwas höhere Kosten.“ Empört zeigte er sich auch darüber, nie zu den Ausschusssitzungen eingeladen worden zu sein, „obwohl es mein Entwurf ist, über den dort gesprochen wurde“. Bögershausen versprach, den neuen Ausschuss zu bitten, von Mansberg künftig „automatisch“ einzuladen.

An der Finanzierung der neuen Gedenkstätte will sich die Stadt laut Bögershausen mit 50.000 Euro beteiligen, ein gleicher Betrag soll von der Sparkassenstiftung kommen. Zu Überlegungen, ob auch die Industrie- und Handelskammer Lüneburg-Wolfsburg sich finanziell beteiligen wird sie hatte das Grundstück 1938 für einen ausgesprochen niedrigen Kaufpreis erworben, musste es nach dem Krieg aber an die Jewish Trust Corporation wieder abtreten , sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Martin Exner: „Wir sind offen für dieses Projekt. Letztlich entscheiden aber unsere Gremien darüber, außerdem muss geprüft werden, ob die Rechtsaufsicht der Verwendung unserer Mittel dafür zustimmen würde.“

Hoffen auf große Spendenbereitschaft

Die restlichen, aktuell rund 100.000 Euro sollen laut Dörr durch Spenden eingeworben werden, hier habe die Gesellschaft entsprechende Erfahrungen gesammelt. Mit der Umgestaltung der Gedenkstätte könne laut Dörr aber erst begonnen werden, wenn 80 Prozent der noch offenen Mittel eingesammelt worden seien. Wer das Lüneburger Projekt mit einer Spende unterstützen möchte, kann sich hierzu per E-Mail unter gcjz-lueneburg@t-online.de an die Gesellschaft wenden.

2 Kommentare

  1. Wie wäre es wenn die Stadt das Geld in die Zukunft investiert denn da ist mehr als genug zu tun.Beispiele muss ich nicht nennen da fällt jedem was ein.Ich bin kein rechter und auch kein linker also bitte keine flache Bewertung dieser Zeilen .

    • Thomas kampa
      ich bin ein freund der kürze, aber hier was es für eine bewertung einfach zu kurz. schmunzel.ich hoffe, es war nicht zu flach.