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Die Fahrt ins Klinikum mit dem Rettungswagen ist fast immer notwendig, kann aber teuer werden. Foto: A/t&w

Teure Fahrt ins Krankenhaus

Lüneburg. Sie kommen, sobald Not am Mann ist, sind stets abrufbereit, wenn Gefahr für Leib und Leben droht oder notwendige Krankenfahrten anstehen. Das weiß auch die Lüneburgerin Hilde Schröter*, seit Jahren hat sie gute Erfahrungen mit dem Deutschen Roten Kreuz und seinen Kranken- und Rettungstransporten gemacht. Nun aber ist die 93-Jährige über eine Rechnung irritiert, die kürzlich bei einer Fahrt mit einem DRK-Rettungswagen anfiel. Denn die fällt happig aus.

„Ich war sehr erstaunt, als ich den Betrag las“, sagt die Lüneburgerin, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Darin werden für die Fahrt mit dem Rettungswagen von ihrem Wohnort Bülows Kamp zum Klinikum an der Bögelstraße 301,75 Euro abgerechnet. „Für eine Strecke von rund fünf Kilometern viel Geld“, sagt die Seniorin, die den Betrag zwar von ihrer Krankenkasse erstattet bekommt, ihn als Privatversicherte zunächst aber aus eigener Tasche vorschießen muss.

Pauschale gilt bis 50 Kilometer Entfernung

Was sie besonders stört: Der Betrag ist eine Pauschale, die bei allen Fahrten bis zu einer Entfernung von 50 Kilometern in Rechnung gestellt wird. „Damit zahle ich mehr, als eigentlich angefallen ist“, vermutet die 93-Jährige. Sie fragt sich, warum nicht gleich pro Kilometer abgerechnet wird, wie es bei einer Entfernung ab 50 Kilometern der Fall ist.
„Die Fahrtkosten fallen bei den Einsätzen gar nicht so stark ins Gewicht“, sagt Joachim Els­paß, Kaufmännischer Leiter des DRK in Lüneburg. So werde jeder zusätzlich gefahrene Kilometer auch nur mit 3,90 Euro vergütet. Entscheidend seien vielmehr die Kosten für Personal und Ausrüstung, also Fixkosten, die anfielen, selbst wenn die Wagen gar nicht im Einsatz sind, erläutert Elspaß.

„Hohe Kosten sind Folge der hohen Qualität, die wir für die Einsätze vorhalten müssen.“ Im Übrigen könnten die Rettungsdienste nur die Vergütungssätze abrechnen, die zwischen dem Landkreis und den Krankenkassen zuvor ausgehandelt wurden, gibt Elspaß zu bedenken. Grundlage hierfür seien die rund 26000 Einsätze für Rettungswagen und Krankentransporte, die pro Jahr anfielen und im Kreis Lüneburg zu gleichen Teilen von DRK und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) wahrgenommen würden. Beide sind vom Landkreis als Träger des Rettungsdienstes mit der Wahrnehmung der Einsätze beauftragt worden. Allein vom DRK sind dabei 2015 laut Els­paß mehr als drei Millionen Euro abgerechnet worden, hinzu kämen noch Kosten für den Betrieb der Rettungsleitstelle, die beim Landkreis angesiedelt ist.

Kilometergenaue Abrechnung führt zu Gerechtigkeitsproblem

Eine kilometergenaue Abrechnung, wie von der Seniorin gefordert, würde aus Sicht des DRK zudem zu einem „Gerechtigkeitsproblem“ führen, wie Joachim Elspaß mit Blick auf das Solidarprinzip erklärt, das im Gesundheitssystem gelte: „Es wäre nicht fair, wenn Betroffene, nur weil sie nicht in der Stadt leben, erheblich mehr für den Rettungsdienst bezahlen müssten.“ Hinzu komme, dass Privatversicherte wie Hilde Schröter häufig auch eine Selbstbeteiligung mit ihrer Kasse vereinbart hätten. „Je nach Höhe der Selbstbeteiligung könnte das für Privatversicherte sehr teuer werden.“
Die Krankenkassen ihrerseits würden eine direkte Abrechnung mit den Erbringern der Rettungsdienste begrüßen. Die Abrechnung über die Landkreise bezeichnet Hanno Kummer, Pressesprecher des Verbands der Ersatzkassen Niedersachsen, als „schiefe Konstruktion“, da sie als zwischengeschaltete Instanz selbst keine finanzielle Verantwortung trügen. Auch fehlten hier im Gegensatz zur Abrechnung mit den Krankenhäusern, die mit festgelegten Budgets auskommen müssten, Anreize für kostenbewusstes Haushalten, „ohne einzelnen Landkreisen etwas unterstellen zu wollen“, wie Kummer betont.

„Von einer schiefen Konstruktion kann keine Rede sein“, sagt Katrin Holzmann, Pressesprecherin des Landkreises Lüneburg. Der Kreis sei Träger das Rettungsdienstes, so wie es das Gesetz vorsehe. Außerdem wirkten an den Verhandlungen mit den Krankenkassen immer die Beauftragten von DRK und ASB mit, „es gibt also eine direkte Kommunikation unter den Beteiligten“.*Name geändert

Von Ulf Stüwe

One comment

  1. Entschuldigung, aber wo ist hier die Headline?
    „Privatversicherte bekommt Leistung von ihrer Versicherung erstattet, nachdem sie in Vorleistung gegangen ist“?
    „Seniorin bekommt Rechnung und erkennt, wie teuer das deutsche Gesundheitssystem ist“?
    „Seniorin bekommt Leistung erstattet, die gesetzlich Versicherten nicht oder nur teilweise zusteht und beschwert sich über teures Gesundheitssystem“? – Ähm, die schließen wir mal aus, zu selbstkritisch.

    Systeme, die auf Solidarität beruhen, beruhen meinstens auf einer ungleichen Verteilung. Die Privatversicherte hierfür als Beispiel heranzuziehen ist ein sehr gewagtes und auch inkonsistentes Beispiel, denn gerade sie ist nicht mehr Teil der gesetzlichen Solidargemeinschaft.