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Mit Hilfe von Hubwagen sind Forstarbeiter und Bedienstete der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr dabei abgebrochene Äste aus den Kronen der Bäume zu holen, so wie hier zwischen Neetze und Bleckede. Foto: t&w

Der Winter ist da: Das Aufräumen wird dauern

Lüneburg/Göhrde. Es wird Wochen dauern, bis die Förster das komplette Ausmaß der Schäden überblicken können. Fest steht aber schon jetzt: Der Winter ist da und der ungewöhnliche frühe Einbruch vergangene Woche hat Förster und Natur gleichermaßen überrascht. „Viele Bäume stehen noch im Herbstlaub“, erklärt Rainer Baumgart, regionaler Pressesprecher der niedersächsischen Landesforsten. Als dann der pappig nasse Schnee mehr als üppig rieselte, blieb er im Laub hängen. Die Folge: Unter dem Gewicht der weißen Pracht brachen selbst mannsdicke Äste zuhauf ab, stürzten auf Straßen und Radwege, zerstörten Wildzäune und Neuanpflanzungen in den Wäldern. Jetzt sind Straßenmeistereien und Forstwirte dabei, mit Hochdruck das Holz von den Wegen zu schaffen. Eine Aufgabe, die noch Tage, wenn nicht Wochen in Anspruch nehmen wird.

Fahrbahnen haben Priorität

Der Winter kam zu früh und zu heftig: Viele Laubbäume tragen noch ihr Herbstlaub. Als der Schnee fiel, wurde die Last zu groß, die Äste brachen ab und krachten zu Boden. Foto: t&w
Der Winter kam zu früh und zu heftig: Viele Laubbäume tragen noch ihr Herbstlaub. Als der Schnee fiel, wurde die Last zu groß, die Äste brachen ab und krachten zu Boden. Foto: t&w

Dass noch viele Radwege aufgrund des Bruchholzes nicht oder nur schwer passierbar sind, erklärt Dirk Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Lüneburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr so: „Fahrbahnen haben Priorität. Die müssen als Erstes geräumt werden, dann folgen die Radwege.“ Das gelte für die Landestraße 221 Richtung Bleckede genauso wie für die L 222 Bleckede-Dahlenburg oder auch Strecken im Amelinghausener Bereich.

„In den Kronen hängen noch viele abgebrochene Äste, die auch noch in Tagen oder Wochen herunterfallen können.“
Rainer BaumgartPressesprecher Landesforsten

Vergangene Woche hatten die Landesforsten vor dem Betreten der Wälder und Waldwege gewarnt. „Die Gefahr, durch herabstürzende Äste und Kronenteile verletzt oder gar getötet zu werden, war zu groß“, erklärt Baumgart. Aber auch wenn der Schnee in den nächsten Tagen schmilzt, ist die Gefahr längst noch nicht gebannt. „In den Kronen hängen noch viele abgebrochene Äste, die auch noch in Tagen oder Wochen herunterfallen können“, warnt Baumgart.
Deshalb gilt das Hauptaugenmerk der Revierförster derzeit zunächst einmal der Sicherung der Waldwege. Im Erholungs- und Kurgebiet Bad Bevensen etwa werden mit Hilfe von Hubwagen die Kronen entlang beliebter Waldwege vom gefährlichen Brucholz befreit.

Waldtypische Gefahren lauern weiterhin

Vor den „waldtypischen Gefahren“ warnt auch der Lüneburer Stadtförster Michael Stall: „Es kann in diesen Tagen immer noch passieren, dass mit einem Affengetöse abgebrochene Äste auf den Boden stürzen“, mahnt Stall, fügt aber hinzu, ein Betretungsverbot des Waldes gebe es nicht. Wen es trotzdem in den Wald zieht, dem rät Stall zu besonderer Aufmerksamkeit mit Blick nach oben.
Den wirtschaftlichen Schaden durch Holzverlust schätzt Michael Stall als relativ gering ein. Deutlich teurer sei hingegen die Beseitigung des Schneebruchs. Und weil dafür alle Kräfte benötigt würden, könne derzeit auch nicht wie gewohnt der Einschlag erfolgen.

Mit Kronenbruch bei Nadel- und Laubbäumen aufgrund der schweren Schneelast hat auch das Forstamt Göhrde zu kämpfen: „Jüngere Bäume wurden durch den Schnee einfach umgelegt“, berichtet Forstsprecher Rainer Baumgart. „Die Bestandsaufnahme wird Wochen dauern“, mutmaßt er. Denn vieles lasse sich erst genau erkennen, wenn der Schnee geschmolzen sei. Deshalb hoffen die Förster auf Tauwetter in den nächsten Tagen. Und mildere Temperaturen sind zumindest angekündigt.

Von Klaus Reschke