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Das Bild zeigt, wie die Senkungen die Oberfläche regelrecht zerknautschen. Foto: A/t&w

Spezialrohre für Senkungsgebiet Frommestraße

Lüneburg. Im kommenden Frühjahr stehen Bauarbeiten an der Frommestraße an, die städtische Abwassergesellschaft AGL will Rohre austauschen. Bekanntlich ist der Bereich besonders stark von Senkungen betroffen, zwei Gebäude mussten in den vergangenen Jahren abgerissen werden. Daher müssten die Kanäle sozusagen beweglich sein. AGL-Chef Lars Strehse und sein für die Kanalisation zuständiger Kollege Klaus Niemann setzen auf eine „Gelenkkette aus hochtragfähigen Rohrmaterial, die zum einen an den vorhandenen Baubestand anschließt und zum anderen auch künftig weitere Verformungen bis zu einem gewissen Grad schadlos aufnehmen können muss“. Einfach ausgedrückt: Die beiden beweglichen Rohre, die durch den Scunthorpe-Park laufen, müssen sich dem Abwärtstrend anpassen.

Gelenkkette passt sich dem Abwärtstrend an

Eigentlich sollten die Arbeiten bereits in diesem Jahr beginnen. Doch die Überlegungen für die Konstruktion waren aufwändiger als gedacht. Das Ausschreibeverfahren könne nun aber demnächst starten, heißt es von der AGL, sodass die Bauarbeiter in den ersten Monaten des Jahres 2017 anrücken könnten.

Da der Untergrund sensibel ist und weitere Setzungen im Bereich der Trasse vermieden werden sollen, will die AGL das Kons­trukt in „flüssigem Boden“ lagern. Die Erklärung: Die Erde wird ausgehoben, die Rohre werden ausgetauscht. Normalerweise würden Arbeiter die Gräben wieder zuschütten und mit einem Rüttler verdichten. Doch das wollen die Ingenieure an der Frommestraße vermeiden, Stichwort: erschütterungsarmes Bauen. Deshalb setzen sie auf den flüssigen Boden. Das Erdreich wird mit einem besonderen Gemisch wie etwa Zement versetzt und verfüllt. Das Material verdichtet sich weitgehend selber. Es ist aber durchlässig und kann „mit einer Schaufel wieder rausgeholt werden“.

Kanal-Kontrolle per Kamerabefahrung

Die Stadt berichtet: „Die AGL kontrolliert weiterhin etwa ein- bis zweimal im Jahr per Kamerabefahrung die Kanäle. Die jüngsten Kontrollen, zuletzt am 28. Oktober, haben keine veränderten Schadensbilder ergeben.“ Die Kanäle seien im von der Senkung betroffenen Bereich zwar ebenfalls verformt, „eine akute Einsturzgefahr ist derzeit jedoch unverändert nicht zu erkennen“.
Eine gute Nachricht: Die Senkungen haben nachgelassen.

Im Rathaus sagt Sprecherin Suzanne Moenck: „Insgesamt hat der von uns beauftragte Geologe für das zweite Drittel 2016 weiterhin eine rückläufige Entwicklung der Senkung festgestellt. Diese Beobachtung passt sich ein in den seit etwa eindreiviertel Jahren festzustellenden Rückgang der Senkungsgeschwindigkeit. Die Senkung verliert an Dynamik. Zurzeit gehen wir davon aus, dass im Zentrum der Senkung vor dem ehemaligen Tor zur Unterwelt auf das Jahr 2016 gerechnet etwa 6 bis 7 Zentimeter Gesamtsenkung zu erwarten sind. Das ist deutlich weniger als in den Vorjahren, 2012 waren es beispielsweise 18 Zentimeter, 2014 14 Zentimeter. Im langjährigen Vergleich seit Beginn der Messungen im Jahr 1945 sind die Senkungen jedoch immer noch höher als in der Vergangenheit.“

Von Carlo Eggeling