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Der Michaelisfriedhof: Klassische Gräber werden weniger. Foto t&w

Höhere Lebenserwartung und neue Ruhestätten für die Ewigkeit

Lüneburg. An der Ilmenau wird weniger gestorben. Zu diesem Schluss könnte kommen, wer mit Blick auf den anstehenden Totensonntag auf eine Statistik des Rathauses schaut: Gab es im Jahr 2000 exakt 668 Bestattungen auf den kommunalen Friedhöfen, waren es vergangenes Jahr lediglich 487, im Jahr 2012 sogar nur 446. Die Zahlen bekommen eine noch größere Bedeutung, wenn man sie in Vergleich zu den Einwohnerzahlen stellt, denn die steigen kontinuierlich. Waren im Jahr 2000 knapp 69400 Menschen in der Salzstadt zu Hause, zählte das Meldeamt Ende vergangenen Jahres knapp 75700 Bürger.

Doch wie erklärt sich das? Hans-Georg Grzenia, der Leiter des städtischen Friedhofsamtes, hat mehrere Erklärungen: „Die Menschen erreichen ein deutlich höheres Lebensalter als noch vor 15 Jahren. Das merken wir daran, dass wir viele Menschen haben, die um die 90 werden, das war einmal anders.“

Trend zu See- und Baumbestattungen

Aber auch der Zuzug habe eine große Bedeutung: Es kämen durch die Universität eher jüngere Leute, darüber hinaus zögen Familien in die Stadt. Auch spiele eine Rolle, dass Senioren aus dem Landkreis ihren Lebensabend in Altenheimen in der Stadt verbringen, sich aber nach ihrem Tod in den alten Heimatorten wie Bardowick oder Neetze bestatten ließen.

Weitere Trends spiegeln sich in der Statistik ebenfalls wider. Einige Rentner bevorzugen einen maritimen Abschied für sich: die Seebestattung. „Aber auch Friedwälder sind für manchen eine Alternative“, sagt Grzenia. Da wolle auch die Stadt reagieren. Sie möchte zwar keinen Wald als letzte Ruhestätte ausweisen, aber Baumbestattungen möglich machen. „Wir haben uns in Flensburg und anderen Städten umgesehen, was möglich ist“, sagt Lüneburgs Friedhofschef. Die Idee: eine Beerdigung unter einer Eiche, dazu ein Namenszug, der auf das Grab hinweist. Umsetzen könne man das voraussichtlich im kommenden Jahr.

Bei den Überlegungen geht es auch um Kosten. Denn die Friedhöfe werden über Gebühren finanziert, Einnahmen müssen die Ausgaben decken. Also brauche man eine bestimmte Zahl von Belegungen. Um Kosten geht es auch bei anonymen Bestattungen. Um möglichst sparsam zu arbeiten, sind diese Beisetzungen nicht auf allen sieben städtischen Friedhöfen möglich, sondern werden auf dem Waldfriedhof konzentriert. ca