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Werner Schnasse mit einem seiner Ausstellungstiere. Noch darf sein Geflügel in Adendorf frei laufen, doch es droht die bundesweite Aufstallpflicht. Für den Rasse- und Ziergeflügelzüchter hieße das: Er muss den Großteil seiner Tiere notschlachten. Foto: t&w

Die Vogelgrippe und ihre Folgen

Bleckede/Lüneburg. Eigentlich wollte Werner Schnasse mit seinen schönsten Hühnern Preise gewinnen. Nun wird der Vorsitzende des Rasse- und Ziergeflügelvereins Adendorf den Großteil seiner Ausstellungstiere am Wochenende wohl schlachten. Eine Notlösung und seine Reaktion auf die drohenden Folgen der grassierenden Geflügelpest. Schon jetzt müssen im Landkreis Lüneburg Geflügelhalter entlang der Elbe ihre Tiere zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Virus H5N8 im Stall lassen (LZ berichtete), nun plant Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt den Erlass einer bundesweiten Stallpflicht.

Die Geflügelpest ist eine akute und hochansteckende Viruserkrankung bei Vögeln, die aktuell erstmals in einer Massentierhaltung in Schleswig-Holstein ausgebrochen ist und deren Erreger bei Wildvögeln in verschiedenen deutschen Bundesländern sowie in Dänemark, der Schweiz und Polen festgestellt wurde. Da für die Virus-Verbreitung vor allem Wildvögel verantwortlich gemacht werden, soll mit einer Stallpflicht eine weitere Ausbreitung verhindert werden. In Schleswig-Holstein gilt die Auflage bereits landesweit, in anderen Bundesländern erlassen immer mehr Landkreise die Stallpflicht in Risikogebieten dort also, wo Wildvögel vermehrt vorkommen.

Geflügelausstellung wegen Vogelgrippe abgesagt

Schnasse liegt mit seiner Geflügelhaltung in Adendorf bisher nicht im Risikogebiet Folgen hat der Ausbruch der Geflügelpest für ihn trotzdem. Als Vorsitzender des Rasse- und Ziergeflügelzuchtvereins musste er die für Anfang Dezember geplante Geflügelausstellung in Scharnebeck wegen des Ansteckungsrisikos absagen. Und auch als privater Hühnerhalter zieht Schnasse Konsequenzen. „Meine Ställe und überdachten Volieren bieten einfach nicht genug Platz, um dort alle Tiere über einen längeren Zeitraum artgerecht zu halten“, sagt er, „also reduziere ich den Bestand, denn ich bin überzeugt: Die bundesweite Stallpflicht kommt.“

„Natürlich fühlen sich unsere Tiere draußen wohler, aber in diesem Fall geht die Sicherheit vor.“
Daniel Backeberg, Geflügelhalter aus Wittorf

 

Damit rechnet auch Jochen Hartmann aus Rettmer. Noch dürfen seine Hühner zwar unter freiem Himmel laufen, doch der Landwirt hat ebenfalls erste Vorkehrungen für den Ernstfall getroffen. Die für Sonnabend geplante öffentliche Pflanzaktion eines Hühnerwaldes ist abgesagt, der Plan für den Umgang mit einer Stallpflicht geschmiedet. „Mit den verschiedenen Ebenen sind unsere Mobilställe zwar grundsätzlich groß genug, um die Tiere einzusperren“, sagt er, „trotzdem sind unsere Hühner mehr Platz gewöhnt.“ Deswegen will er notfalls die Maschinenhalle leerräumen, mit Stroh einstreuen und die Mobilställe so aufstellen, dass die Hühner dort laufen können. „Außerdem würden wir regelmäßig Körner streuen, um für Beschäftigung zu sorgen.“

Bundesweite Aufstallpflicht erwartet

Ähnliche Gedanken macht sich Landwirt Henrik Burmester aus Bleckede. Er hält mit seiner Familie ebenfalls Hühner in Mobilställen und ist einer Aufstallpflicht bisher gerade so entgangen. „Das Gebiet, in dem Geflügel schon jetzt im Stall bleiben muss, beginnt auf der anderen Straßenseite“, berichtet er, „das heißt, noch dürfen unsere Hühner draußen laufen.“ Doch auch Burmester geht davon aus: „Die bundesweite Aufstallpflicht kommt. Deswegen wollen wir vorbereitet sein.“

Um seinen Hühnern die drohende Zeit im Stall erträglicher zu machen, hat der Landwirt bereits Futterkörbe für Heu und Rote Bete bestellt, außerdem elektronische Futterstreuer, die regelmäßig Körner auswerfen und für Beschäftigung sorgen. „Das ist alles nicht optimal“, sagt er, „aber das einzige, was wir gerade tun können.“

Auf dem Geflügelhof Backeberg in Wittorf mussten die mehr als 1500 Enten, Gänse und Hühner bereits von der Wiese in den Stall umziehen. „Freiwillige Eigensicherung“, sagt Juniorchef Daniel Backeberg. Zu groß ist die Sorge der Direktvermarkter von Geflügelfleisch, dass sich draußen doch noch ein Tier mit dem Virus ansteckt und der gesamte Bestand notgetötet werden muss. „Natürlich fühlen sich auch unsere Tiere draußen wohler“, sagt Backeberg, „aber in diesem Fall geht die Sicherheit vor.“