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Ein Bettler mit Hund am Eingang zur Kleinen Bäckerstraße. Verboten ist es nicht, aber Passanten machen sich Sorgen, wenn ein Tier oft über Stunden in der Kälte ausharren muss. Wasser und Futter steht in diesem Fall allerdings bereit. Foto: ap

Sorge um die Hunde der Bettler

Lüneburg. An den Wochenenden ist Sylvia Wolff regelmäßig in der Lüneburger Innenstadt unterwegs. Wie anderen Lüneburgern ist dabei auch ihr aufgefallen, dass in den Fußgängerzonen Personen mit kleinen Hunden sitzen, die betteln. „Häufig habe ich auch schon gesehen, dass dann jemand bei den Einzelnen vorbeigeht und Geld abkassiert.“ Sie vermutet, dass es sich dabei um organisierte Bettelei von Banden handeln könnte und möchte wissen: „Was sagt die Polizei dazu, kontrolliert sie die Personen? Und was sagt das Ordnungsamt der Stadt dazu?“ Ihre größte Sorge gilt aber den Tieren, die bei Regen und Kälte stundenlang ausharren müssen. Ein Fall für den Tierschutzverein?

Der Vorsitzende des Lüneburger Tierschutzvereins, Jan Pless, ist Hundetrainer und kennt sich mit der artgerechten Haltung der Vierbeiner aus. Er sagt: „Ein Hund, der ein Fell mit Unterfell hat, hat keine Probleme mit Kälte. In allen Kulturen leben Hunde außer Haus. Für sie ist das Wichtigste, dass sie mit dem Menschen zusammen sein können.“ Kritisch sei es allerdings, wenn Hunde mit wenig Fell wie der Mops extremen Witterungsbedingungen ausgesetzt seien.

Gesetzliche Neuregelung trat im Jahr 2007 in Kraft

Und wie sieht es rechtlich aus? Daniel Gritz, Pressesprecher der Stadt Lüneburg, erläutert, dass es 2007 eine Gesetzesnovelle im Niedersächsischen Landesrecht gegeben habe. „Seitdem ist Bettelei nicht mehr grundsätzlich verboten. Daher haben wir als Stadt keine rechtliche Handhabe, wenn wir mitbekommen, dass in organisierter Form gebettelt wird.“ Einschreiten könne und werde die Stadt allerdings, wenn aggressiv gebettelt wird. Als Beispiel nennt er, wenn jemand bettelt mit einem Kind auf dem Arm.

„Das Kind wird hier instrumentalisiert und kann nicht selbst entscheiden, ob es sich am Betteln beteiligt oder nicht. Es kann sich nicht wehren und ist Mittel zum Zweck.“ Als aggressiv auszulegen sei auch, wenn jemand mit einem Hund auf einen zukommt und bettelt. Gritz macht auch deutlich: „Wenn aggressiv gebettelt wird, erteilt die Stadt Platzverweise durch ihre Verwaltungsvollstreckungsbeamten. Sollte auch das nicht reichen oder es sogar zu kriminellen Handlungen wie Taschendiebstählen kommen, schalten unsere Leute unverzüglich die Polizei ein.“

Betteln ist rechtlich erlaubt

Auch Antje Freudenberg, Sprecherin der Lüneburger Polizei, verweist darauf, dass Betteln erlaubt ist. Kontrolliert würden Personen, wenn sie aggressiv auftreten. Eine Anzeige wegen organisierter Bettelei liege der Polizei allerdings nicht vor. Sie verweist aber darauf, dass es in Lüneburg verschiedene wohltätige Organisationen gibt, die zum Beispiel Obdachlose unterstützen, so dass diese nicht zwingend darauf angewiesen sind, zu betteln.

Bürgern, die Menschen in Not helfen möchten, aber im Zweifel sind, ob ihre Geldspende nicht bei organisierten Banden landet, empfiehlt die Polizistin: „Informieren Sie sich vor Ort oder im Internet über Organisationen und ihre Projekte, so dass Sie zielorientiert spenden können. Damit ist man auf der sicheren Seite, dass man keine organisierten Banden unterstützt.“ Besorgten Tierfreunden rät sie: „Wenn ein Hund bibbert, sollte man den Bettler ansprechen und deutlich machen, dass das nicht in Ordnung ist.“

Von Antje Schäfer

 

One comment

  1. Habe in Hamburg und Lüneburg öfter südländisch wirkende Bettler gesehen. Alle mit dem gleichen Schild (gleiche Schreibfehler) und gleicher Ausstattung (Hund, Napf, Decke, Aufbau der Betriebsmittel). Sorry … aber wer da etwas gibt ist selber schuld. Ich gebe auch ogt etwas…. aber ich gucke vorher genau WEM.