Aktuell
Home | Lokales | Gute Nachbarn helfen sich in der Not
Das Team des Guten Nachbarn bittet um Spenden für unschuldig in Not geratene Mitbürger (v.l.): Wolfgang Klose (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Zuzanna Valickova und Jürgen Enke (AWO), Heidrun Hecht (Geschäftsführerin), Sabine Reckermann (DRK Stadt), Berthold Schweers (Caritas), Irene Skrobanek (DRK-Kreis), Holger Hennig (Diakonie) und Christian von Stern (LZ). Foto: t&w

Gute Nachbarn helfen sich in der Not

Lüneburg. Menschen, die Hartz-IV beziehen, sollen sparen. Für den Fall, dass die Waschmaschine kaputt geht, eine Stromnachzahlung fällig wird oder die Kinder zu Weihnachten ein Geschenk bekommen sollen. „Das ist die Theorie“, sagt Kirchenkreis­sozialarbeiter Holger Hennig. Wie die Praxis aussieht, erlebt er regelmäßig in seinen Sozialsprechstunden. „Es ist verdammt schwer, vom Hartz-IV-Satz für alle diese Fälle genug Geld zurückzulegen“, sagt er. „Oft genügt da eine einzige unvorhergesehene Ausgabe, um eine finanzielle Katastrophe auszulösen.“ Unterstützung können Betroffene in Stadt und Landkreis Lüneburg beim Guten Nachbarn finden, der Hilfsaktion von Wohlfahrtsverbänden und Landeszeitung.

SpendenSeit 1958 gibt es die Arbeitsgemeinschaft und seit Jahrzehnten ist es Tradition, dass das Team zur Adventszeit um Spenden bittet. Auch in diesem Jahr wirbt der Gute Nachbar wieder um Unterstützung, getreu seinem Motto: Jeder Euro zählt! „Ob große oder kleine Spenden“, sagt Hennig, der aktuelle Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Guter Nachbar, „wir sind für jeden Beitrag dankbar, mit dem wir unschuldig in Not geratenen Menschen helfen können.“

„Oft genügt eine einzige nicht vorhergesehene Ausgabe, um eine finanzielle Katastrophe auszulösen.“
Holger Hennig, Vorsitzender Arbeitsgemeinschaft Guter Nachbar

Im vergangenen Jahr sprang der Gute Nachbar in 463 Fällen in der Stadt Lüneburg, in 395 Fällen im Landkreis Lüneburg ein und half damit insgesamt 3952 Personen in Notlagen.
Für Holger Hennig ist die Hilfsaktion ein wahrer Segen, die Chance, Menschen dort zur Seite zu stehen, wo alle staatlichen Hilfen versagen. Manchmal allerdings wird der Segen auch zum Fluch immer dann, wenn kein Geld mehr da ist. „Wenn da eine Mutter vor mir steht, weil sie die 50 Euro Kopiergeld für die Schule nicht bezahlen kann oder eine alte Dame sich überwunden hat, um einen Zuschuss für neue Unterwäsche zu bitten, dann ist das verdammt hart, sie wegschicken zu müssen“, sagt er. Doch in den meisten Fällen kann das Team des Guten Nachbarn zumindest mit einem kleinen Zuschuss helfen.

Oft sind es auch gerade die kleinen Katastrophen des Alltags, in denen die Hilfsaktion zum Einsatz kommt von einer kaputten Brille bis hin zum Kinderbett, das beim Toben kaputt geht und ersetzt werden muss. Da ist der Gute Nachbar aber auch für die da, die nach einem Brand oder Schicksalsschlag Unterstützung brauchen. „All diesen Menschen können wir helfen, weil uns so viele Spenderinnen und Spender unterstützen“, sagt Hennig, „und wir hoffen, dass die Lüneburger uns auch weiterhin dabei helfen.“

von Anna Sprockhoff