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Sascha Lühmann, Abteilungsleiter des Frischebereichs, bedient täglich Kunden, die zur Plastikdose statt zu Plastiktüten greifen. Foto: t&w

Mit Mehrwegboxen gegen Verpackungsmüll

Lüneburg. Mit einer grünen Mehrwegbox wartet Urte Harenberg geduldig an der Theke im Edeka-Markt an der Saline. Sie will Aufschnitt kaufen, dabei aber möglichst Plastikverpackungen vermeiden. In der Dose landen Mortadella, geräucherte Salami und manches mehr. Zwei Liter fasst die wiederverwertbare Box, die Edeka Bergmanns nun seinen Kunden zur Verfügung stellt.
Urte Harenberg hat den grünen Plastikbehälter schon bei ihrem letzten Einkauf für 5 Euro erworben, Produkte von der Frischetheke darin mit nach Hause genommen. „Ich finde das Konzept super“, sagt die Kundin, die die Mehrwegbox zu Hause in die Spülmaschine gesteckt und sie nun wieder mitgebracht hat. „Das vermeidet Müll und könnte durchaus auch in weiteren Bereichen eingesetzt werden.“ Dabei ist der Weg zu weniger Verpackungsmüll aufgrund strenger Hygienevorschriften nicht so einfach.

Andere Läden haben wegen Hygiene noch Bedenken

Markt-Chefin Meike Bergmann fährt das Mehrwegsystem in ihren drei Filialen nun seit August. „Wir haben schon weit über 250 Boxen verkauft“, sagt die 40-Jährige, die sich damit in Lüneburg auf ein neues Terrain begibt. Im Süden der Republik gibt es schon ähnliche Systeme, im Norden bislang nicht. Die Entscheidung sei spontan gefallen. „Mir hat die Idee einfach gefallen, da habe ich kurzerhand eigene Aufkleber drucken lassen und die Mehrwegboxen bestellt.“ Die Vorreiterrolle in der Region nimmt die Ladeninhaberin damit gern an. „Manche Sachen muss man einfach ausprobieren.“ Dass sofort andere Läden nachziehen, damit habe sie eh nicht gerechnet.

Dass ihre Kunden das Konzept gut annehmen und durchweg positive Rückmeldungen geben, bestätige ihren Versuch. Das Prinzip ist einfach: Wenn ein Kunde einen solchen Behälter direkt an der Frischetheke erwirbt, füllt der Verkäufer diesen direkt mit den gewünschten Lebensmitteln. Zu Hause reinigt der Kunde die Dose selbst, wirft sie dann beim nächsten Einkauf in einen Behälter und erhält direkt eine neues oder hygienisch aufbereitetes Gefäß. Möchte der Kunde seine alte Mehrwegbox weiter nutzen, wird ein Kontakt durch den Verkäufer vermieden. Dann kann das neue Verpackungsmittel zum Beispiel per Tablett hin und her gereicht werden.

Handhabung noch nicht ausgereift

Ein Konzept auch für andere Märkte? Katrin Wellmann, Geschäftsführerin von Edeka Tschorn am Sande, verfolgt die Entwicklungen auf dem Gebiet seit Jahren. Sie hat schon mit mehreren Einzelhändlern gesprochen, die sich in diese Richtung ausprobieren. „Die Handhabung ist in meinem Augen noch nicht ausgereift.“ Außerdem hätte sie als Verbraucherin ein Problem damit, Brotdosen zu verwenden, die andere vor ihr schon genutzt haben. „In solchen Dosen bleiben doch auch immer Gerüche zurück.“ Eine alternative Reinigungsform sei beispielsweise ein Backofen, der UV-Strahlen aussendet. „Das dauert aber sehr lange und ist stromintensiv.“

Auch bei Edeka Supper&Hamann am Häcklinger Weg gibt es hygienische Bedenken. „Wer reinigt die Dosen? Wer haftet, wenn die Produkte Qualitätsmängel aufweisen?“, fragt Marktleiter Oliver Dürr, der Mehrwegboxen an sich für eine „schöne Sache“ hält. Vor allem aufgrund des Umweltgedankens. Um die Dosen allerdings wieder vernünftig aufzubereiten, müsse Zeit und Personal bereitgestellt werden. „Für uns ist das also aktuell kein Thema.“

Jens Marquardt, stellvertretender Marktleiter in der Rewe-Filiale Vor dem Neuen Tore, hört zum ersten Mal von diesem Konzept. „Das hört sich für mich erstmal sehr positiv an.“ Aber auch er kommt auf die Hygiene zu sprechen. Da die Rewe-Filialen in Lüneburg über die Zentralen in Norderstedt und Köln gesteuert würden, müsste ein solches Konzept ohnehin dort entschieden und mit den Gesundheitsämtern abgestimmt werden. „Die überprüfen sowas ganz genau“, sagt Marquardt.

Kaufland hat eine eigene Lösung gefunden

In den hiesigen Kaufland-Filialen bringen einige Kunden schon ihre eigenen Frischeboxen mit, erzählt Pressesprecherin Andrea Kübler. „Sie möchten auf die Umverpackung verzichten.“ Da aus hygienischen Gründen keine Ware aus dem Verkaufsraum über die Theke gereicht werden darf, stellen die Kunden ihre Boxen auf die Theke. Die Mitarbeiter wiegen dann die Ware ab, legen sie direkt in den Behälter und befestigen den Bon auf dem Deckel. „So haben wir eine Regelung gefunden, die allen Bedürfnissen und Vorschriften gerecht wird.“