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In Teilen ist die Optik des Montessori-Neubaus in Häcklingen schon zu erkennen. Die Fassade soll mit rotem Klinker bestückt werden. Die Bauarbeiten laufen seit August. Foto: t&w

Montessori-Schule: Ende der Container-Zeit naht

Lüneburg. Die Container-Ära wird nach zehn Jahren ein Ende haben: Im Herbst 2017 soll der Neubau der Montessori-Schule zwischen Rettmer und Häcklingen fertig sein. Dann haben die Schul- und Kindergartenkinder nicht nur ein richtiges Dach über dem Kopf. Der Trägerverein will dann auch die Krippen- und Kita-Plätze im Kinderhaus aufstocken.

Bis zum Richtfest sind es nur noch einige Wochen, verspricht Ingo Schütt vom Vorstand. Seit August laufen die Bauarbeiten am Margarete-Endemann-Weg. Die ersten Planungen für ein gemeinsames Gebäude für Kinderhaus, Schule und Übermittagsbetreuung liegen zehn Jahre zurück. Seit der Schulgründung finden Betreuung und Unterricht in Containern statt zunächst an der Grundschule Hasenburger Berg, seit 2007 nun neben dem Bonhoeffer-Haus am jetzigen Standort.

Für Eltern fällt Schulgeld an

Gescheitert sei die Umsetzung bislang stets an der Finanzierung, sagt Schütt. Im Hinterkopf sei immer die Sorge gewesen, den Betrieb möglicherweise nicht mehr aufrechterhalten, die Klassen nicht mehr füllen zu können. „Wir haben die Verantwortung für 30 Mitarbeiter und 130 Kinder.“ Denn hinter den Einrichtungen steht ein freier Träger, der Montessori-Verein. So erklärt sich auch das Schulgeld, das für Eltern anfällt.

Nun wird auf dem Gelände aber endlich gebaut für drei Millionen Euro. Der Investor heißt Andreas Wölk, Chef der Wölk-Bau GmbH ein Unternehmen, das sich sonst eigentlich im Bereich Wohnungsbau bewegt. Dabei sind die Eigentumsverhältnisse genau geklärt. Das Grundstück, auf dem gebaut wird, gehörte bis vor kurzem noch dem Verein. Der hat es nun an Wölk verkauft. Der Unternehmer baut die Schule, hat aber langfristige Verträge mit dem Montessori-Verein geschlossen. Für Wölk ist es die erste Schule. „Das ist eine feine Sache, zudem ein nachhaltiges Projekt, durch das wir in der Bildung mitwirken können.“

Doppelt so viele Plätze im Kinderhaus

In Anlehnung an die Lüneburger Kulisse wird das neue Gebäude, das Stein auf Stein gebaut wird, eine rote Klinkerfassade erhalten. Der Schulteil wird zwei-, das Kinderhaus eingeschossig. „Die Klassenräume werden deutlich größer als allgemein üblich“, sagt Schütt. Das sei aufgrund der Lerngruppen notwendig. Aufgrund der großen Nachfrage und des großen Bedarfs in Lüneburg wird das Kinderhaus künftig jeweils eine Krippen- und eine Elementargruppe, also knapp 30 Plätze mehr anbieten können. „Das ist in Absprache mit der Stadt geschehen, da wurden wir sehr unterstützt.“ Und auf die Kinder wartet noch ein Highlight. Im Neubau wartet ein Matschraum für nasse und schlammige Aktionen.
Etwas trostlos wirkt bislang nur noch die Außenanlage. Für dessen Gestaltung ist der Verein auf Spenden angewiesen. Wer ihn unterstützen möchte, kann sich an die Geschäftsstelle wenden, per E-Mail an info@montessori-lueneburg.de oder unter %(04131)2205156.

Von Anna Paarmann

Die Pädagogik

Ideengeberin und Entwicklerin ist die italienische Pädagogin Maria Montessori, die von 1870 bis 1952 lebte. Sie entwickelte ein zu ihrer Zeit revolutionäres Modell, wonach in pädagogischen Einrichtungen die Kinder, nicht die Lehrer aktiv werden. Dadurch sollen die Schüler in ihrer Eigenständigkeit gefördert werden, selbst entscheiden können, welche Interessen sie wann vertiefen möchten. In Lüneburg wird das Konzept nun seit elf Jahren vom Montessori-Verein umgesetzt.

Viele Elemente aus der Pädagogik werden auch in öffentlichen Schulen übernommen, ist sich Ingo Schütt sicher. Zentral sei dabei beispielsweise die Freiarbeit. An der Schule gebe es zwar vier Klassen, diese seien aber nicht im ursprünglichen Sinne zu verstehen. „Das sind altersgemischte Gruppen, die sich gegenseitig beim Lernen unterstützen.“ Betreut werden die rund 20 bis 24 Schüler pro Lerngruppe von zwei Pädagogen, die das Montessori-Diplom haben. Im Kinderhaus arbeiten rund neun Erzieher.