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Wer in Email mit unbekanntem Absender Anhänge und Links öffnet, läuft Gefahr, seinen Rechner und sich selbst zu schädigen. Foto: phs

Tatort Internet: Cybermobbing nimmt zu

Lüneburg. Mobbing findet immer häufiger auch im Internet statt. Bernd Werner, der in Lüneburg die Stiftung Medien- und Onlinesucht aufgebaut hat, kämpft gegen Cybermobbing unter anderem durch Aufklärung und die Vermittlung von Medienkompetenz. Bei der Cybermobbing-Hotline der Stiftung rufen täglich Betroffene an, im Durchschnitt vier Anrufe pro Tag, zumeist Schüler. Die LZ sprach jetzt mit Werner am Rande einer Veranstaltung mit rund 70 Sozialarbeitern unter dem Titel „Cybermobbing, Sexting, Grooming Hinschauen, Reden, Handeln“ im Glockenhaus.

Interview

Bernd Werner, Vorstand der Stiftung Medien- und Onlinesucht, hat jetzt Sozialarbeiter aus ganz Deutschland nach Lüneburg eingeladen, um über das Thema Cybermobbing zu informieren. Foto: t&w
Bernd Werner, Vorstand der Stiftung Medien- und Onlinesucht, hat jetzt Sozialarbeiter aus ganz Deutschland nach Lüneburg eingeladen, um über das Thema Cybermobbing zu informieren. Foto: t&w

Warum wird Aufklärung im Bereich Cybermobbing ein immer wichtigeres Thema?
Bernd Werner: Die Kinder, die ein Smartphone in die Hand bekommen, werden immer jünger. Gleichzeitig wird auch die Zahl immer größer, der technische Fortschritt schreitet ebenfalls voran. Das Internet gehört zum Alltag dazu. Kinder verfügen jedoch mit neun oder zehn Jahren kaum über Medienkompetenzen. Sie wissen nicht, was sie mit dem Handy alles machen dürfen und was nicht. Dabei sind die Risiken groß.

Welche Gefahren bergen diese Netzwerke?
Da ist zum Beispiel die Online-Plattform „YouNow“. Darin kann man sich im Livestream seinen Zuschauern präsentieren und über den daran angebundenen Livechat kommunizieren. Wenn Kinder sich da also selbst filmen, präsentieren sie sich auf eine pädophile Art und Weise.

In welche Fallen tappen Kinder und Jugendliche möglicherweise, wenn sie nicht aufgeklärt sind?
Sie fotografieren möglicherweise ihren Genitalbereich, halten gar ihr erstes Mal fest. Das Foto wird dann eventuell stolz einem guten Freund via Snapchat geschickt. Dort wird es ja eigentlich nach 24 Stunden automatisch gelöscht. Man kann davon aber ein Bildschirmfoto machen, es beliebig weiterleiten. Und in Kürze hat es die ganze Klasse. Auch werden Nacktfotos als Liebesbeweis verschickt, der eine vertraut darauf, dass der andere es nicht teilt. Abgesichert ist man mit dem Versprechen aber niemals.

Was löst das bei denjenigen aus, die Opfer von so etwas werden?
Treffen kann das erstmal jeden. Die Folge ist vor allem Bloßstellung, das geht mit großer Scham und Angst einher. Auch physische Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen können auftreten. Viele trauen sich dann nicht, sich Hilfe bei Eltern oder Lehrern zu suchen, weil sie sich nicht outen wollen.

Wie können Pädagogen und Eltern unterstützen?
Wir setzen nicht auf Verbote, sondern auf Kompetenzvermittlung in allen Jahrgangsstufen. Pädagogen und Eltern müssen ihre Schützlinge beobachten. Wenn sie sehen, dass sich ein Jugendlicher verändert, zurückzieht oder aggressive Züge an den Tag legt, müssen sie in Gespräche einsteigen, auch ihre Kollegen mit einbeziehen. Oft fängt so etwas mit Späßen und Neckereien an, kann aber bis zu Gewalttaten reichen. Den Übergang muss man finden.

Von Anna Paarmann

Was bedeutet was?

Cybermobbing: Während Mobbing häufig über mehrere Wochen andauert, reicht beim Cybermobbing schon das Versenden eines einzigen Fotos. Das Opfer weiß nicht, wo es überall verbreitet wird, hat keine Kontrolle mehr darüber. Zum Cybermobbing oder auch Cyberbullying zählt auch das Verbreiten von Gerüchten über die sozialen Netzwerke, Bloßstellung vertrauter Nachrichten, Bedrohungen und auch Erpressungen.

Sexting: Das Wort setzt sich aus „Sex“ und dem englischen „Texting“ zusammen. Dabei verschickt jemand meist ein Nacktfoto von sich, versehen mit einem kurzen Text.

Grooming: Wenn sich Erwachsene mit dem Ziel, einen sexuellen Kontakt aufzubauen, bei Kindern melden, spricht man von Grooming.