Donnerstag , 20. September 2018
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Viel Detailarbeit für Restauratorin Inga Blohm: Seit einigen Wochen kümmert sie sich um die wiederentdeckten Deckenmalereien in der Papenstr. 6 in Lüneburg. Foto: t&w

Restauratoren kümmern sich um Malereien in der Papenstraße 6

Von Manuela Gaedicke
Lüneburg. „Das war super.“ Die Augen von Restaurator Markus Tillwick strahlen, als er über diesen einen Moment spricht. Der Moment, in dem er das erste Mal das alte, denkmalgeschützte Haus in der Papenstraße 6 nahe der Johanniskirche betrat und feststellte, dass er in nur einem Haus eine ganze Zeitreise machen würde. „Wir haben hier Motive aus ganz unterschiedlichen Zeiten. Wände, wie sie um 1800 üblich waren. Und dazu Malereien sowohl aus dem 17. als auch aus dem 19. Jahrhundert“, erzählt Tillwick, der schon viele alte Häuser in Lüneburg restauriert hat. Gemeinsam mit seiner Frau Inga Blohm, die sich seit drei Wochen um eine besondere Deckenmalerei kümmert: Rote Ranken auf weißem Grund kommen immer mehr zum Vorschein und zeigen, wie sich die damaligen Bewohner vermutlich im 17. Jahrhundert ihr Zuhause haben verschönern lassen.

Förderung gilt als Gütesiegel

Davon überrascht war auch Architekt Gunnar Schulze von der Firma HSR-Architekten. „Uns war sofort klar, das ist etwas Besonderes. Das wollen wir zeigen“, erzählt Schulze, der die entstehenden Kosten von 19 000 Euro dafür allerdings nicht eingeplant hatte.

Eine Förderung bekommt sein Bauvorhaben nun von Lotto Niedersachsen in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die die Arbeiten mit 5000 Euro unterstützen. „Die Förderung der DSD gilt als Gütesiegel und hilft in der Regel, weitere Förderer zu gewinnen“, erklärt Professor Paul Georg Lankisch, der ehrenamtlich als Ortskurator in Lüneburg arbeitet. Was viele nicht wissen: Das Geld stammt aus den Erlösen der Glücksspirale, die sich mit jedem Los am Denkmalschutz beteiligten.

Blick auf die Johanniskirche

„Für uns ist es etwas Besonderes, dass wir die Malereien erhalten können“, sagt Markus Tillwick. In den meisten Lüneburger Häusern seien diese Wände mittlerweile zerstört. In der Papenstraße haben die Restauratoren die Malereien nun an sechs Stellen teilweise in kleinen Ausschnitten wieder freigelegt. An anderen Stellen wurden die Bilder unter der Oberfläche geschützt und damit „reversibel für eine spätere Generation gemacht“. Ob irgendwann einmal andere Bauherren in diesem alten Gemäuer auf diese Gemälde stoßen?

Ein bisschen wie Schatzsuche

Architekt Gunnar Schulze jedenfalls freut sich über die unerwartete Wendung bei den Bauarbeiten. „Das war ein bisschen wie Schatzsuche“, sagt er. Nach fast neun Monaten Bauzeit will er Ende des Jahres mit seiner Firma in die eine Hälfte des 280 Quadratmeter großen Hauses einziehen. Die andere Doppelhaushälfte ist als Wohnung vermietet. Die künftigen Mieter haben dann nicht nur einen einzigartigen Blick auf die Johanniskirche, sondern auch die Möglichkeit, in ihrem eigenen Haus eine Zeitreise zu machen.