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Zum Schutz seiner Lämmerherde setzt Schäfer Gerd Jahnke auch einen Esel ein -- teilweise offenbar mit Erfolg. Foto: t&w

Wölfe in Gellersen? Schäfermeister beklagt Schafsrisse

Südergellersen. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wäre das der erste nachgewiesene Riss eines Nutztieres durch Wölfe in der Samtgemeinde Gellersen: In der Nacht zu Sonntag wurden zwei zirka 45 Kilo schwere Lämmer in Höhe des Alten Schafstalls bei Südergellersen getötet und weitgehend aufgefressen. Ein Mitarbeiter des Schäfers Gerd Jahnke fand am nächsten Morgen die Überreste: Von einem Lamm war beispielsweise der wollige Kopf übrig geblieben, mit der nackten Wirbelsäule daran, die übrigen Gliedmaßen lagen daneben. Schäfer Jahnke zeigte sich gestern überzeugt, dass seine rund 700-köpfige Lammherde von Wölfen angegriffen worden ist. Wolfsberater Uwe Martens wurde hinzugezogen, er hat Spuren gesichert und eine DNA-Probe genommen. Er sagt: „Ich denke, der Schutz-Esel in der Herde hat Schlimmeres verhindert.“

Die Schäfermeister Gerd und Tochter Verena Jahnke sorgen sich um die Sicherheit ihrer Herden. Foto: t&w
Die Schäfermeister Gerd und Tochter Verena Jahnke sorgen sich um die Sicherheit ihrer Herden vor Wölfen. Foto: t&w

Martens sagt: „Gerade wurde vom Land bestätigt, dass ein Wolf die vier Schafe Anfang Oktober bei Barnstedt gerissen hat.“ Das geht aktuell aus der Dokumentation von Nutztierrissen aus dem Wolfsmonitoring von Land und Landesjägerschaft hervor. Zwischen den beiden Orten liegen keine zehn Kilometer.

Doch auf Spekulationen will sich Martens nicht einlassen: „Die Endbewertung, ob in Südergellersen tatsächlich ein Wolf für die toten Lämmer verantwortlich ist, wird das Land vornehmen.“ Gleichwohl sagt Martens: „Die Menge des gefressenen Fleisches spricht schon für ein großes Wildtier.“ Die Schafkadaver fanden die Schäfer lediglich 300 Meter von der nächsten Wohnbebauung entfernt. Laut Wolfsberater Martens sei das aber „kein Grund zur Beunruhigung, das ist nicht ungewöhnlich“

Beunruhigt und besorgt ist aber Schäfer Gerd Jahnke, der mit zwei seiner Herden derzeit auf Wanderschaft ist. In den Sommermonaten beweideten seine Schafe den Elbdeich im Winsener Ortsteil Hoopte. Jetzt ist er mit rund 650 tragenden Muttertieren und einer Lammherde mit rund 700 Tieren auf dem Weg ins Winterquartier im Landkreis Uelzen, macht dafür Station in Luhmühlen und Südergellersen.

Zum Schutz seiner Lammherde bei Südergellersen stellten die Mitarbeiter des Schäferbetriebs aus Eimke im Landkreis Uelzen einen 90 Zentimeter hohen, mobilen Elektrozaun auf. Dazu kam der Esel. Laut Wolfsberater Martens sei der geforderte Mindestschutz gegeben gewesen, auch wenn der offenbar den Wolf nicht abgehalten hat.

Sollte offiziell der Wolf nachgewiesen werden, kann der Schäfer mit einer Entschädigungszahlung rechnen. Doch die Angst beim Schäfer bleibt. Gerd Jahnke sagt: „Wir fühlen uns alleine gelassen von der Politik. Für uns Weidehalter ist es schon fünf nach zwölf.“ Und: „Wenn wir es weiter zulassen, dass der Wolf in Weideherden Beute macht, ist das wie Anfüttern. Auch zum Schutz der Wölfe, sollte man nur die Wölfe am Leben lassen, die gelernt haben, sich von Menschen fernzuhalten.“

Von Dennis Thomas

Esel verhütet Schlimmeres

17 Kommentare

  1. Tom Schulze-Helmke

    Schade, dass manche Schäfer immer sofort nach den Jäger rufen. Dabei hat der Mord an der Leitfähe des Cuxlandrudels gezeigt, dass das Restrudel dann in seiner Not verstärkt an Nutztiere geht. Dafür gibt es auch wissenschaftliche Untersuchungen die einen Anstieg an Nutztierrissen in so einer Situation belegen. Übrigens sind nicht alle Schäfer so drauf. In unser FB-Gruppe „Schützt die Wölfe“ haben wir Schafhalter die Respekt vor der Natur haben und mit und nicht gegen sie arbeiten wollen.

    • Bitte Mehr Sachlichkeit

      Herr Schulze-Helmke, ihre stets widerholten Hinweise auf ihre unsägliche FB-Gruppe, die auch vor Aufrufen zur Ermordung von Jägern und Wolfskritikern nicht zurückscheut, nervt. Stellen Sie sich doch endlich den Tatsachen: Die Wiederansiedlung von Wölfen in dicht besiedelter Kulturlandschaft ist gründlich schief gegangen, die Folgen eines groß angelegten Freilandexperimentes werden der Landbevölkerung aufgelegt.

  2. Jürgen Hempel Lüneburg

    In den Wäldern und Tundren Nordamerikas, Russland und China lebt der Wolf seit Urgedenken. Dort, wo der Tourist oft mehr als einhundert Kilometer mit dem Auto fahren muss, um eine menschliche Siedlung zu erreichen,stört der Wolf nicht. Auch haben die Wölfe in diesen Gegenden natürliche Feinde wie Bären und Tiger. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands hat man den Wolf gewähren lassen, er steht unter Naturschutz und kann sich damit ungehindert fortpflanzen. Da jedes Wolfsrudel ein eigenes Jagdrevier beansprucht kommen die Tiere auch näher an Wohnsiedlungen. Hier ist das Nahrungsangebot knapp, so scheuen die Raubtiere nicht davor zurück in div. Gatter am Ortsrand Ziegen und Schafe zu töten. Den Wölfen ist in Deutschland der Jagdinstinkt verloren gegangen. Wölfe verhalten sich sonst wie andere fleischfressenden Raubtiere, indem sie nur ein Stück Tier schlagen. Anschließend macht sich das Rudel an dem Kadaver ran. Doch hier kommen oft mehrere Schafe etc. zu Tode. Ein Zeichen, dass diese Wölfe verhaltensgestört sind. So sind Wölfe auch auf den weit gestreckten Weideflächen von Milchkühe aktiv. Im vergangenen Jahr hat ein Milchviehhalter aus Ostdeutschland drei Kälber durch Wolfsriss verloren, in diesem Jahr dreizehn Stück. In Ostfriesland wurde eine Milchkuh von Wölfen zu Boden gerissen und anschließend beim lebendigem Leibe angefressen. Der typische Kehlkopfbiss, um das gejagte Tier zu Tode zu bringen, haben die Wölfe offenbar „verlernt.“ Es ist an der Zeit, darüber nachzudenken die Wolfspopulation in Deutschland auf große Waldgebiete zu begrenzen.

    • @Herr Lüneburg
      Was bitte hat die Beanspruchung eines eigenen Jagdreviers mit der Nähe von Wohnsiedlungen zu tun? Das erschließt sich mir nicht.Den Wölfen ist nicht der Jagdinstinkt verloren gegangen, sondern sie sind Opportunisten wie wir Menschen. Wenn Ihnen Nutztiere wie im „drive in“ angeboten werden, greifen sie zu.
      Verhalternsgestöret sind die Wölfe ebenfalls nicht. Was sie meinen ist der sogenannte „overkill“ bei dem mehrere Schafe innerhalb einer Herde gerissen werden. Ursachlich dafür sind zu enge Wieden die kien Fluchtmöglichketi den Tieren lassen und bei der Enge wird durch die an den Wölfen vorbeilaufenden Schafen jedesmall der Angriffsinstinkt neu ausgelöst.
      Wie untermauern sie ihre Behauptung das Wölfe den KJehlbiss verlernt haben sollten? Haben sie sich mal den Hals einer Kuh und den Fang eines Wolfes angesehen?
      Eine Begrenzung auf Waldgebiete fürht letztendlich zur Vernichtung der dt. Population, da Wölfe mit der Geschlechtsreife i. d. R. abwandern und dazu auch Waldgebiete verlassen. Eine Begrenzung würde, neben den Abschüssen, zu Inzucht führen, weil eine Austausch von Genen nicht stattfinden kann.
      Ich bitte Sie also nicht „postfaktisch“ zu polemisieren, sondern sich in die Materie einzulesen.

      • Jürgen Hempel lüneburg

        Innerhalb der Kulturlandschaft ist ein Miteinander zwischen den Wolf und Nutztierhaltung unmöglich. Milchkühe, Schafe und Ziegen geben gute schmackhafte Milch, wenn die Tiere auf Weideflächen grasen. Eine ständige Aufsicht, wie die noch vor 150 Jahren war, ist heute nicht mehr möglich. Und noch einmal : Der Wolf hat in Deutschland keine natürlichen Feinde. Die heftigen Winter in Kanada, USA, Russland und China mit zum Teil Minusgraden von mehr als 40 führen dazu das schwache Wölfe verhungern. Wölfe, die sich in der Nähe von Wohnsiedlungen ,z.B. in Alaska nach Nahrung suchen , werden geschossen. Und bei Minusgraden gefriert das Fleisch und „Tiefkühlware“ können Wölfe nicht fressen. Daher jagen Wölfe steht auch nur ein Tier. Bei unseren milden Winter’n macht es denn auch nix, wenn ein Stück mehr gerissen wird. Bieben die Reste der Kadaver liegen, käme auch der Wolf am Folgetag und weiter zufressen. Schließlich sind Wölfe besonders hungrig, denn jeder Wolf benötigt täglich 5 bis 6 Kilo Fleisch. Nebenbei ist es Unsinn, dass der Weideschutz für Schafe die Wölfe dazu veranlasst mehrere Tiere zu reißen. Wer so etwas verbreitet, das eine Begrenzung von Wölfen führe zur Inzucht der Rudel, der weiß auch nicht dass der Rüde steht seinem Rudel treu bleibt. Manche Menschen denken für sich gelegentlich anders………….

        • Herr Hempel,

          könnte es nicht sein, dass gar nicht der Wolf an sich das Problem ist, sondern das Wölfische?

          …………ein Anfangsverdacht ist immer erlaubt

  3. Jedes Jahr ein paar Wölfe freigeben, dann würde der Jagddruck dazu führen, dass der Wolf um menschliche Siedlungen einen Bogen macht oder warten bis alternde oder angeschlagene Wölfe leichtere Beute in menschlicher Nähe suchen. Dann fällt die Entscheidung leichter.

  4. Einfach den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen – Punkt!

    • ich bin anderer meinung, nur weil es bei uns geschäftsleute gibt, die ungeschützt ihre fleischtheke zur schau stellen, soll ein gesundheitsförderer mal wieder zum abschuss freigegeben werden?

      • Herr Bruns, das die Schäfer nicht mehr so sorglos ihr Vieh „abstellen“ können, sollte jedem einleuchten.
        Aber ohne Regulierung des Wildbestands- dazu gehört m.E. auch der Wolf- gerät das System irgendwann in Schieflage.
        Warum sind wohl Wildschweine um und in Berlin zur Plage geworden?!

      • Jürgen Hempel Lüneburg

        was soll das heißen : künftig Wolfsfleisch an der Theke ?

  5. Wie fachlich unqualifiziert Herr Lüneburg argumentiert, sieht man schon an der Behauptung, Wölfe könnten keine „Tiefkühlware“ fressen. So ein Schwachsinn. Selbst meine Wolfshunde fressen, wenn ich vergesse, ihr Fleisch aufzutauen, die Ware komplett gefrostet.

  6. Klaus Bruns und Jürgen Hempel …. jetzt fehlt nur noch Albert Alten (Wernigerode; Ex-Bardowick) und das Trio ist perfekt. Ich freu mich !!

  7. Die Herren Bruns und Hempel möchten doch sicher dem Schäfer Jahnke helfen und stellen sich freiwillig und kostenlos im Schichtdienst für den Wachdienst an den Herden zur Verfügung, damit den Schafen und dem Wolf nichts passiert.

    Oder doch nicht ?