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Mehr Zeit für die Kinder dank geänderter Regelung: Wenn beide Eltern Teilzeit arbeiten, erhalten sie vier zusätzliche Monate ElterngeldPlus. Foto: A/t&w

Mehr Väter werden weniger arbeiten

Lüneburg. Frauen und Männer sollen gleich viel arbeiten und sich gleich viel um Nachwuchs und Haushalt kümmern: Dieser Aussage stimmen laut einer Umfrage 60 Prozent aller Eltern mit Kindern im Alter von ein bis zwei Jahren zu. Aber: Nur 14 Prozent aller Paare setzen dieses Modell um. Damit ihre Anzahl künftig wächst, hat die Bundesregierung den sogenannten Partnerschaftsbonus eingeführt. Das Ziel: Mehr Eltern arbeiten in Teilzeit, während sie Elterngeld erhalten. Wie das funktioniert, erklärte Marcel Petermann vom Bundesamt für Familie jetzt beim dritten Unternehmensforum in Lüneburg.

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer interessant

Petermann ist Fachreferent für Elterngeld, Elternzeit und Mutterschutz und kam auf Einladung des Überbetrieblichen Verbunds Frau&Wirtschaft nach Lüneburg. Das Thema ist nicht nur für Arbeitgeber interessant, sondern auch für Arbeitnehmer. So können Eltern jeweils vier zusätzliche Monate ElterngeldPlus beziehen, wenn beide jeweils 25 bis 30 Wochenstunden arbeiten. „Mit diesem Partnerschaftsbonus möchten wir Eltern eine neue Partnerschaftlichkeit näherbringen“, sagte Petermann. „Sie können ausprobieren, wie es funktioniert, wenn beide in Teilzeit arbeiten. Der Wunsch ist, dass sie das Modell danach dauerhaft umsetzen.“

Allgemein sollen Eltern früher eine Teilzeitbeschäftigung mit dem Bezug von Elterngeld kombinieren können, ohne dass sie dadurch weniger Leistung bekommen. Denn beim Elterngeld wird das im Bezugszeitraum erzielte Gehalt angerechnet, der staatliche Zuschuss entsprechend gekürzt. Das ElterngeldPlus aber kann doppelt so lange in Anspruch genommen werden wie das Basis-Elterngeld maximal in der halben Höhe. Im besten Fall ist die Leistung auf die gesamte Zeit gerechnet dann noch genauso hoch wie ohne Job.

Elternzeit flexibler planbar

Auch die Elternzeit ist mittlerweile flexibler planbar: So können Eltern jetzt bis zum 8. Geburtstag des Kindes jeweils bis zu drei Jahre Elternzeit nehmen, und zwar verteilt auf drei Abschnitte. Bislang waren als Rechtsanspruch zwei Abschnitte in den ersten drei Lebensjahren möglich. Die Regelungen gelten allesamt für Eltern mit Kindern, die seit dem 1. Juli 2015 geboren sind. Arbeitgeber müssten sich darauf einstellen, dass die aktuellen Modelle von ihren Mitarbeitern verstärkt nachgefragt werden. Besonders beim Partnerschaftsbonus rechnet das Familienministerium mit mehr Vätern, die entsprechende Anträge stellen werden. „Das Modell wird die Zahl der Väter, die beruflich zeitweise kürzertreten und mehr Zeit in die Familie investieren, deutlich erhöhen“, ist Petermann überzeugt. „Wir sehen das allerdings nicht als Risiko für die Unternehmen, sondern als Chance.“

Dem schloss sich Andrea Kowalewski als Geschäftsführerin des Überbetrieblichen Verbunds Frau und Wirtschaft an: „In Zeiten des Fachkräftemangels sichern sich Arbeitgeber umso besser ihr Personal, je mehr sie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun.“ red

Der Verbund Im Überbetrieblichen Verbund Frau & Wirtschaft Lüneburg.Uelzen haben sich private und öffentliche Arbeitgeber zusammengeschlossen, um familienorientierte Beschäftigungsstrukturen zu fördern. Ziel des Verbundes ist es, mit einer zukunftsorientierten Personalpolitik weibliche Fachkräfte zu binden und zu gewinnen. Praktikable Lösungen sollen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen und längere Ausstiegszeiten verhindern.

One comment

  1. Meine Frau und ich machen seit Anfang des Jahres für 1,5 Jahre Elternteilzeit und teilen uns damit die Erziehung unseres Sohnes und bekommen beide Elterngeld in Höhe von 65% der Differenz zum vollen Gehalt. Wir waren gefühlt die ersten im LK Lüneburg, die diese Variante Ende letztes Jahr beantragt hatten.