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In diesem Vorbau, in dem zurzeit noch Teile der Küche des Ratskellers untergebracht sind, könnten neue öffentliche Toiletten entstehen. Geplant sind dort Damentoiletten und Behinderten-WCs. Links, in dem dahinter liegenden Lagerraum, könnte das Angebot für die Männer Platz finden. Foto: t&w

„Ja“ zu neuen öffentlichen Toiletten in Lüneburg

Lüneburg. Genutzt wird sie zwar, aber aktuelle Hygiene-Standards erfüllt die Toilettenanlage an der Waagestraße nicht mehr. Auch ist sie viel zu klein. Da waren sich alle Mitglieder im Bauausschuss einig. Sie stimmten dafür, dass sich die Verwaltung für eine Verbesserung der Situation einsetzen soll. Stadtbaurätin Heike Gundermann präsentierte zwei Optionen für eine Verlegung, denn am jetzigen Standort, im Flügel der Gerichtslaube des Rathauses, kann die Anlage nicht vergrößert werden. Der Grund: Darunter liegt mit dem Ambrosiuskeller einer der ältesten Gebäudeteile, die zusätzliche Last könnten die Pfeiler nicht stemmen. Für die Übergangszeit von maximal 14 Monaten soll eine mobile Anlage auf dem Klosterhof abgestellt werden.

Küche könnte öffentliche Toilette werden

Die neuen Toiletten könnten auf dem Innenhof hinter der Tourist-Information am Marktplatz entstehen. Damit würden sie weiterhin von der Waagestraße aus zugänglich sein. In dem Hof befindet sich nicht nur der Zugang zum Ratskeller, sondern auch ein Vorbau, in dem zurzeit noch Teile der Küche untergebracht sind. Da diese Räume aber nicht genutzt werden, wäre Platz da für die neue Toilettenanlage. Die erste Option sieht noch eine Erweiterung des Vorbaus vor. Dann könnten darin vier Herren-, neun Damen-WCs und vier Urinale Platz finden. Im Anbau würden außerdem eine behindertengerechte Toilette und ein Putzraum untergebracht. Nachteil: Durch den Erweiterungsbau würde sich nicht nur die Optik der Fassade ändern, auch zwei historische Fenster müssten zugebaut werden.

Deshalb präferiert die Verwaltung eine andere Variante, sagte Heike Gundermann. Dabei würde der aktuelle Baukörper nur saniert, aber äußerlich nicht verändert. Zusätzlich könnte das dahinter liegende Trockenlager der Ratsherren-Stube genutzt werden, das zurzeit stillliegt. „Damit könnten wir die Kapazität ebenfalls mehr als verdoppeln.“ Beide Varianten würden je rund 430000 bis 450000 Euro kosten. Finanziert werden könnte das Bauvorhaben aus eigenen Mitteln, versicherte die Stadtbaurätin. Mit Resten aus dem Vorjahr von 226000 Euro und weiteren 130000 Euro, die im Haushalt 2016 dafür vorgesehen seien. Für die Unterhaltung der provisorischen Toiletten würde die Stadt außerdem einmalig mit 10000 Euro und monatlich für die laufenden Kosten mit 1500 Euro belastet werden.

Der Zeitplan: Der Entwicklungsplan soll im Dezember erstellt werden, anschließend die Genehmigungsplanung und der Bauantrag. Parallel dazu soll auch schon an dem Ausführungsplan gearbeitet werden, anschließend folgen die Ausschreibungen und die Vergabe der Aufträge. Im Sommer nächsten Jahres sollen die Bauarbeiten starten, im Frühjahr 2018 könnten die neuen Toiletten genutzt werden. Bauzeit und Kosten müssten aber nochmal genauer untersucht werden, fügte Gundermann hinzu. „In einem Raum, der miteinbezogen werden soll, wurden Schadstoffe gefunden.“

Kann der Ratskeller dann je wieder öffnen?

Zustimmung im Ausschuss. „Das Thema bewegt Lüneburg seit vielen Jahren“, sagte der Vorsitzende Niels Webersinn (CDU). Birte Schellmann (FDP) befürchtet jedoch, dass man sich mit der Nutzung der Küchenflächen die Möglichkeit verbaue, je wieder den Ratskeller öffnen zu können. Die Fläche sei dann zwar weg, sagte die Stadtbaurätin, „aber es stehen andere zur Verfügung. Wenn der Ratskeller wieder aufgemacht werden sollte, kann das anders organisiert werden.“ Außerdem obliege die Entscheidung, wie groß die Küche sein muss, dem möglichen Betreiber. „Und den haben wir ja nicht, obwohl wir lange gesucht haben.“

Auch Ulrich Löb (Grüne) befürwortete das Vorhaben. „Der Bedarf ist da, die Leute sind schon gezwungen, in Cafés auf Toilette zu gehen.“ Aber auch eine gute Lösung hat Ecken und Kanten. So kritisiert er die Wahl des neuen Standorts für die Übergangs-Toiletten. „Wäre es nicht möglich, diese im Innenhof selbst oder im Rathausgarten aufzustellen?“ Die Stadtbaurätin musste schmunzeln: Im Innenhof reiche der Platz nicht, im Rathausgarten fänden viele Empfänge statt. „Das wäre wirklich nicht schön.“

Da Lüneburg ja eine junge Stadt mit vielen Kindern sei, müsste die neue Anlage unbedingt mit einem Wickeltisch ausgestattet sein, forderte Klaus-Dieter Salewski (SPD). Der sei vorgesehen, versicherte Heike Gundermann. „Wir haben sogar so gendergerecht geplant, dass Frauen und Männer wickeln könnten.“ Auch Parteikollege Heiko Meyer betonte die Dringlichkeit. „Es ist gut, dass endlich etwas getan wird.“

2 Kommentare

  1. Werner Schneyder

    In der DDR durfte jeder Bürger/jede Bürgerin die Toiletten in den Ämtern aufsuchen. Saubere Toiletten gibt es in der BRD nur gegen Bares. Dabei sind gerade die Toiletten das wichtigste Aushängeschild einer Kommune. Es hat etwas mit Gastfreundschaft zu tun.

    • Die DDR ist ja auch für Ihre Kosteneffizienz berühmt (gewesen). Gebe Ihnen allerdings Recht das (saubere) Toiletten ein sehr wichtiges Aushängeschild sind. Allerdings muss man dazu aber auch sagen, das was sich einige „Mitmenschen“ auf öffentlichen Klos leisten … da brauchst du schon „hochbezahlte“ Jobs um das wieder sauber zu machen.