Mittwoch , 19. September 2018
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Jagdhunde sollten von Aufbrüchen ferngehalten werden. In Niedersachsen verbreitet sich unter Wildschweinen eine Tierseuche, mit der sich auch Hunde infizieren können. Foto: A/ol

Seuche unter Wildschweinen: Die „Pseudowut“ rückt näher

Lüneburg/Uelzen. Das sollte vor allem Halter von Katzen, Hunden und Wiederkäuern aufhorchen lassen: Die Aujeszkysche Krankheit (AK), auch „Pseudowut“ oder „Juckpest“ genannt, breitet sich unter Wildschweinen immer weiter aus. Und der Herpesvirus ist, außer für Schweine, für alle anderen Haussäugetiere tödlich, heißt es. Jetzt wurde im Landkreis Uelzen erstmals ein Wildschwein auf den AK-Virus positiv getestet. Zuvor war die anzeigepflichtige Tierseuche in Süd-Ost-Niedersachsen sowie im Kreis Celle festgestellt worden. „Wir bemerken seit längerer Zeit, dass die Krankheitsfälle von Süden her näher an uns heranrücken“, sagt Lüneburgs Kreissprecherin Katrin Holzmann auf LZ-Nachfrage. „Im Landkreis Lüneburg gibt es bisher keinen bestätigten AK-Fall. Wir beobachten aber die Lage genau, zum Beispiel über das Wildtiermonitoring.“ In betroffenen Gebieten mahnen die Behörden Tierhalter zu besonderer Vorsicht.

Pseudowut für Menschen ungefährlich

Nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) ist die „Aujeszkysche Krankheit“ für Menschen ungefährlich. „Anders bei Hunden und Katzen sowie Wiederkäuern. Für diese Tierarten endet eine Infektion grundsätzlich tödlich“, warnt der Landkreis Uelzen. Es gebe keine Impfmöglichkeit, heißt es. Und weiter: „Die Ansteckung erfolgt in der Regel über die Aufnahme von rohem Fleisch oder von Innereien infizierter Wildschweine oder auch durch den Kontakt mit infizierten Schweinen beziehungsweise deren Exkrementen und Sekreten.“ Darauf weist auch Lüneburgs Kreissprecherin Holzmann hin und ergänzt: „Jäger sollten ihre Jagdhunde von Aufbrüchen fernhalten.“ Die Verfütterung von rohem Fleisch und Innereien sollte vermieden werden.

„Wir bemerken seit längerer Zeit, dass die Krankheitsfälle von Süden her näher an uns heranrücken.“ Katrin Holzmann, PressesprecherinLandkreis Lüneburg

Selbst jeder Verdacht einer Infektion mit dem AK-Virus muss beim jeweils zuständigen Veterinäramt angezeigt werden. Mögliche Symptome beispielsweise bei Hunden können sein Juckreiz, Wesensveränderung, keine Futteraufnahme, Erbrechen und Lähmungserscheinungen.

Konsequentes Hygienemanagement erforderlich

Die Krankheit kann ähnlich wie Tollwut verlaufen. Die Infektion führt innerhalb weniger Stunden bis Tage zum Tod, heißt es vom Laves. Und weiter: „Die Aujeszkysche Krankheit verläuft bei Hunden und anderen Haussäugetieren nicht wie beim Schwein über das Blut, sondern über die Nerven. Dort werden Hirnstamm und Hirnnervenkerne infiziert.“ Bei Wildschweinen kann nach Angaben der Landesbehörde keine Bekämpfung des AK-Virus vorgenommen werden, die allermeisten Exemplare überlebten zudem die Infektion. So kann bei erwachsenem Schwarzwild eine schleichende Durchseuchung stattfinden. Umso wichtiger sei die konsequente Bejagung der Schwarzwildbestände, heißt es.

Nach Auskunft des Laves gelten zumindest Deutschlands Hausschweinbestände seit 2003 als frei vom AK-Virus. Damit das so bleibt, müssen vor allem Schweinehalter, die auch Jäger sind, besondere Vorsicht walten lassen durch konsequentes Hygienemanagement. Dazu gehört beispielsweise, nicht mit Jagdbekleidung in den Stall zu gehen, kein Wildschwein auf dem Betrieb aufzubrechen und möglichst kein Schwarzwild anderer Jäger in der eigenen Wildkammer aufzunehmen. Das Virus wird durch die Fleischreifung nicht abgetötet, selbst bei Fäulnis sei mit einer Ansteckungsgefahr bis zum zwölften Tag zu rechnen. Muskelfleisch und Knochenmark kann unter bestimmten Bedingungen sogar bis zu 36 Tage infektiös sein.

Weitere Informationen finden Tierhalter und Jäger unter www.tierseucheninfo.niedersachsen.de unter dem Thema „Anzeigepflichtige Tierseuchen“.

Von Dennis Thomas