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24 Hektar umfasst das Areal (gelb umrandet) am Wienebütteler Weg, doch nur auf zwei Baufeldern (grau) sollen die rund 260 Wohneinheiten mit Erschließung (Pfeil) entstehen.

Große Pläne für Wienebüttel

Lüneburg. Die Stadtverwaltung hatte einen guten Riecher und sich mächtig ins Zeug gelegt. Für den Infoabend zum geplanten Baugebiet am Wienebütteler Weg hatte sie ins Gesellschaftshaus der Psychiatrischen Klinik eingeladen, wohl ahnend, dass sich bei diesem Thema einige auf den Weg machen würden. Gut 200 Teilnehmer kamen und ließen sich über die Pläne informieren. Besonders in den Blick geriet dabei die Verkehrssituation am Kreideberg.

„Es ist alles nur eine erste Idee“, bemühte sich Stadtbaurätin Heike Gundermann, gleich zu Beginn deutlich zu machen, dass nichts von den Plänen, die in Form von Stellwänden und Präsentationen vorgestellt wurden, bereits beschlossene Sache sei. Dennoch bekamen die Teilnehmer einen ersten Eindruck, wie sich die Stadt das Neubaugebiet am Wienebütteler Weg vorstellt.

24 Hektar groß ist das zwischen Brockwinkler Weg, Wienebütteler Weg und Gut Wienebüttel gelegene Gelände, auf dem etwa 260 Wohneinheiten entstehen sollen. Nur ein kleiner Teil davon, acht Hektar groß, ist als zweiteilige Baufläche vorgesehen. Entstehen sollen dort dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit Staffelgeschoss, zweigeschossige Reihenhäuser mit Staffelgeschoss sowie ein- und zweigeschossige Einfamilienhäuser, wobei die Geschosszahl zur freien Landschaft hin abnimmt. Der weitaus größere Teil ist für Ausgleichsflächen, Ersatzmaßnahmen und ein Regenrückhaltebecken reserviert. Erschlossen wird das Neubaugebiet durch zwei Zufahrten, eine vom Wienebütteler Weg aus, die zweite vom Brockwinkler Weg. Mehr als die Hälfte der Wohneinheiten soll im geförderten Bereich entstehen.

Klima

Bedenken, das Baugebiet könnte die Frischluftzufuhr für die Stadt beeinträchtigen, räumte Klima-Gutachter Peter Trute aus: „Die Bebauung ist in dieser Anordnung klimatologisch unbedenklich.“ Dies hätten Berechnungen auf der Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes und geologischen Höhenmodellen unter Einbeziehung der städtischen Gebäude ergeben, zugrunde gelegt worden sei dabei ein „worst case“-Szenario, also der schlimmste mögliche Fall. Um realistische Ergebnisse zu erhalten, habe man das Untersuchungsgebiet zudem deutlich über das Baugebiet hin ausgeweitet und Teile der Innenstadt berücksichtigt. Ergebnis: Das für die Frischluftzufuhr wichtige Strömungsfeld fließe ungehindert nördlich am Baufeld vorbei.

Pflanzenwelt

Untersucht wurden auch mögliche Auswirkungen auf die Tierwelt. Diese halten sich nach Aussage von Ute Johannes vom Lüneburger Landschaftsplanungsbüro EGL aber in Grenzen. Zwar seien geschützte Tierarten wie Feldlerche, Habicht oder Kammmolch festgestellt worden, diese aber lediglich in Randbereichen des Untersuchungsgebietes.
Verkehr

Wie sehr der Wienebütteler Weg bereits heute schon unter dem Verkehr leidet, machte Gutachter Thomas Müller deutlich. Laut Messung am 29. September wurde am Knotenpunkt Brockwinkler Weg/Wienebütteler Weg eine Gesamtbelastung von mehr als 7300 Fahrzeugen festgestellt, davon 5500 aus Richtung Vögelsen. Ein Szenario, welche zusätzlichen Belastungen vom Neubaugebiet ausgehen könnten, zeigte Müller nicht auf, kündigte aber ein Prognosemodell an. Deutlich wurde aber, dass die ohnehin schon stark belasteten Hauptverkehrsachsen wie die Neuetorstraße mit aktuell 15300 Fahrzeugen noch weiter an Verkehr zunehmen werden.

„Wir setzen auf Verkehrsvermeidung, nicht auf zusätzliche Straßen“, erklärte Markus Moßmann. Das könne man im Übrigen auch von den Randgemeinden erwarten, sagte der Verkehrsdezernent mit Blick auf den täglich von Vögelsen und Reppenstedt nach Lüneburg strömenden Verkehr. Hier sehe er den Landkreis gefordert, über Lösungen nachzudenken. Die Stadt selbst wolle ihren Verkehrsentwicklungsplan fortschreiben, der vor allem auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr mit längeren Farzeiten in den Abendstunden und höherer Taktung setze. Zugleich wolle man den Radverkehr durch Ausweisung neuer Strecken attraktiver machen.

Publikumsfragen

Die angespannte Verkehrslage war auch Thema vieler Teilnehmer in der Fragerunde. Forderungen nach einer Sperrung der Gemeindeverbindungsstraße nach Reppenstedt erteilte Moßmann jedoch eine Absage, die Einrichtung von Tempo-30-Zonen im Bereich Mönchsgarten aber wolle er erneut prüfen.
Vögelsens Bürgermeisterin Silke Rogge regte an, den Verkehr weiter zu verteilen. Sinnvoll sei es beispielsweise, den Ebelingweg für den Autoverkehr ebenso freizugeben wie die Bernsteinstraße, dies könne zu einer Entlastung innerhalb von Lüneburg führen. Kritik am grundsätzlichen Vorgehen der Stadt äußerte ein anderer Teilnehmer. Man solle zunächst den veralteten Flächennutzungsplan erneuern, um Alternativen zu prüfen, und „jetzt nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen“. Eine Fortschreibung des Plans sei auch vorgesehen, erklärte Gundermann, auch soll ein Gesamtklimagutachten für die Stadt erstellt werden. „Bis dahin können wir aber keinen Stillstand in der Stadt wollen.“

Von Ulf Stüwe

2 Kommentare

  1. Es müssen auf jedenfall Strassen dazu kommen aber der Ebelingweg ist unrealistisch.Das ist ein Fussweg!
    eine direkte Stasse zwischen Vögelsen und Reppenstedt z. B würde schon eine Entlastung bringen.
    Der ganze westlich Stadtbereich ist vom Strassennetz her total vermurckst.und durch die Senkungsschäden wird das immer schlimmer.
    Auch muss ein Kreisverkehr am Ende der Schomakerstrasse (Wienebüttlerweg) her.
    Und unten am Knik bei der PKL ein Radweg,die Kurve ist sehr gefährlich für Radfahrer.
    So wie es jetzt ist darf es nicht bleiben!
    Da helfen dann auch keine Busse.

  2. Sehr schön … da wird erst das Baugebiet erschlossen/bebaut/geplant. Und dann macht man sich Gedanken über die Verkehr (Stichwort: Westumgehung). Ohne diese Westumgehung ist jegliche weiter Bebauung des Lüneburger Westens verantwortungslos/fahrlässig !!